Philipp Reichenbach: Am besten spart man einfach für die Zukunft des Kindes

Philipp Reichenbach ist Vermögensberater der Deutschen Vermögensberatung. Mit ihm sprechen wir über Geldanlagen für junge Menschen, Altersvorsorge sowie Depot für Junioren.

Philipp Reichenbach

Besonders für junge Menschen heißt es, sich frühzeitig um Geldanlagen und die Altersvorsorge zu kümmern. Welche Möglichkeiten gibt es für Minderjährige und wie unterscheiden sich Kinderdepots von klassischen Depots?

Philipp Reichenbach: Minderjährige haben einen entscheidenden Vorteil – Sie haben viel Zeit und können so den Zinseszinseffekt am besten ausnutzen. Doch für Minderjährige eine „Altersvorsorge“ zu besprechen, fällt vielen Menschen sehr schwer. Am besten spart man einfach für die Zukunft des Kindes. Doch nicht ausschließlich in ein Produkt, sondern die Mischung führt zum Erfolg. So gehört das Fondssparen in den aktuellen Zeiten als Grundlage dazu. Um die aktuell gültigen gesetzlichen Bestimmungen zu sichern, empfiehlt es sich mit kleinen Beträgen so genannte „Altersvorsorgeverträge“ zu beginnen und dem Kind damit die Möglichkeit zu geben, zu einem späteren Zeitpunkt die Zahlung anzupassen. Und ebenfalls ein wichtiger Punkt ist die richtige Absicherung für das Kind, denn alles Vorsorgen ist nur so lange sinnvoll, bis etwas passiert. Einige Unternehmen bieten hier spezielle Kinderprodukte an, die meist kostengünstiger sind als die Produkte der „Erwachsenen“.

Warum ist ein „Depot für Junioren“ für den Nachwuchs sinnvoll?

Philipp Reichenbach: Die 2 entscheidenden Vorteile an der richtigen Zukunftsstrategie sind „das Umgehen mit Geld lernen“ und „einen Einstieg in den Aktienmarkt erfahren“.

Frühzeitig einsteigen sichert nicht nur den Zinseszins, sondern das Kind erlebt (nicht nur als Minderjähriger), wie die Anlagen funktionieren. Die Eltern geben den Kindern damit mehr mit auf den Weg als nur Geld. Machen wir ein Beispiel: Eine Fondsanlage sinkt im Wert, weil die Wirtschaft schwächelt. Während das Kind nicht auf eigene Erfahrungen zum Thema Fondsanlage zurückgreifen kann, können nun die Eltern, bzw. ein Berater unterstützen. Das verhindert Fehler, wie den Verkauf des Fonds aufgrund von Verlustangst. Eltern bleiben somit Ratgeber und Kinder können sich besser auf das Thema Geld vorbereitet fühlen, immerhin fehlt das Fach „Umgang mit Geld“ in Schule, Ausbildung und Studium gänzlich. Viele machen es daher einfach so, wie von den Eltern und vom Umfeld erlebt.

Wie oder mit welchen Strategien legt man am besten Geld für den Nachwuchs an und auf welche steuerlichen und rechtlichen Gesichtspunkte muss geachtet werden?

Philipp Reichenbach: Eigentlich siehe oben.

„Steuerliche Gesichtspunkte“ spielen bei Kindern kaum eine Rolle.

„Rechtliche Gesichtspunkte“

Eltern sollten entscheiden, wer die „Macht“ über das Geld bekommen soll. Laufen die Anlagen auf den Namen des Kindes, ist es spätestens mit 18 Jahren berechtigt eigene Erklärungen abzugeben und so das Geld z.B. für einen Autokauf oder die Wohnungseinrichtung zu verwenden. Nachhaltig war das Sparen dann meist nicht.

Besser scheint es zu sein, die Verfügungsberechtigung bei den Eltern zu belassen, bis abzusehen ist, ob das Kind den Sinn hinter der Anlage versteht und diese übernehmen möchte oder bis das Geld benötigt wird.

Werden auch bei Kindern Kapitalerträge auf Zugewinne bei Geldanlagen fällig?

Philipp Reichenbach: (Ich vermute das die Frage auf die Steuerlast abzielt.? Hier könnte man ausführlicher differenzieren).

Geldanlagen unterliegen grundsätzlich der Steuerpflicht. Das heißt, jeder Gewinn muss versteuert werden. Meist geschieht das automatisch durch die Produktgesellschaft.

Minderjährige können einen Freistellungsauftrag für Kapitalerträge in Höhe von 801€ nutzen. Erträge unterhalb dieses Betrages sind somit für das Kalenderjahr steuerfrei. Liegen die Erträge über den 801€, fällt die Kapitalertragssteuer in Höhe von 25% zuzüglich Solidaritätszuschlag an. Sparverträge mit Versicherungsmantel – so genannte Altersvorsorgeverträge werden dagegen nicht laufend besteuert, sondern erst zum Ablauf des Vertrages. Auch hier kann der Freistellungsauftrag genutzt werden, allerdings reicht dieser Betrag in den meisten Fällen nicht aus, um ohne eine Steuerlast über das Geld zu verfügen.

Welche Depotangebote gibt es denn, damit langfristig eine gute Rendite entsteht und nicht durch Minuszinsen die Einlagen gemindert werden?

Philipp Reichenbach: (Depotangebote verhelfen nicht zu einer guten Rendite, mehr sind es Auswahl der Anlage, sowie die richtige Strategie).

Liegt das Ersparte auf einem Konto, fallen unter Umständen negative Zinsen an. Das wird in den nächsten Jahren vermutlich fast immer der Fall sein. Die einzige Alternative ist es, eine Anlage zu wählen, die keine Minuszinsen an den Anleger weitergibt. Zuzüglich zum Minuszins ist auch das Thema Inflation, also Verteuerung ein wichtiger Punkt. Das Ersparte für ein Fahrrad im heutigen Wert von 1.000€ verringert sich auf dem Konto um einen Minuszins von -0,5%. Somit bleiben nach einem Jahr noch 995€ verfügbar. Gleichzeitig wird man von der Inflation erwischt, wenn nach einem Jahr das Fahrrad 1.020€ anstatt 1.000€ kostet. Reell ist das ein Mehraufwand von 25€. Eine Anlage in Fonds würde das Risiko eines Verlustes in obigem Beispiel verringern. Dafür gibt es bei der Fondsanlage Schwankungen, auf die man vorbereitet sein sollte. Allerdings gibt es auch bei Fonds die Qual der Wahl. Denn Geldmarktfonds verhalten sich in aktuellen Zeiten ähnlich wie ein normales Konto. Zum Thema „Risiko“ bleibt zu sagen, dass wir Menschen in der Regel Angst vor Verlusten haben und somit Gewinne verhindern. Sparen Eltern für die Kinder monatlich feste Beträge in einen oder mehrere Fonds (z.B. weltweite Aktienfonds) kann über die Zeit von beispielsweise 20 Jahren das Verlustrisiko vernachlässigt werden. Denn am Aktienmarkt gilt mit der richtigen Strategie: „Steht der Markt gerade schlecht, heißt es 2-3 Jahre warten und sich über den Kursanstieg freuen. Bleibt ein Fonds über diese Zeit jedoch am „Boden“ sollte die Strategie dringend angepasst werden. Also besser mit einem Profi die eigene Risikobereitschaft besprechen und die richtige Auswahl für die Anlage treffen.

Herr Reichenbach, vielen Dank für das Gespräch!

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