RCEP-Fonds erwartet – Michael Totz (11experts AG)

Michael Totz ist Vorstand (CEO) der 11experts AG. Im Interview spricht er über die wirtschaftliche Entwicklung der ASEAN-Mitgliedstaaten und äußert sich zu Investitionsmöglichkeiten.

Im November vergangenen Jahres war die Tinte fest, unter dem 15 Staaten umfassenden und damit größten Freihandelsabkommen der Welt – RCEP. Das Abkommen umfasst ca. 30% der Weltbevölkerung. Die einzelnen Mitgliedsstaaten werden vermutlich von niedrigen Handelshindernissen profitieren, wie dem Wegfall der Zölle. Welche Bedeutung hat dieses Abkommen für europäische Investoren in Emerging Markets?

Michael Totz: Durch den neuen Handelsblock verlagert sich das Gewicht nach Osten. Die neue Regional Comprehensive Economic Partnership („RCEP“) schafft einen neuen Wirtschaftsblock. Ihm gehören Länder aus dem asiatisch-pazifischen Raum an, in denen etwa ein Drittel der Weltbevölkerung lebt. Der Vertrag deckt knapp 30% des Welthandels und des weltweiten BIP ab – mehr als die EU oder der Freihandelsvertrag zwischen den USA, Mexiko und Kanada. Die RCEP wird Chinas Wachstum stützen und effizientere Lieferketten innerhalb Asiens schaffen und so einen Beitrag zum Wachstum des globalen BIP im kommenden Jahrzehnt leisten. Angesichts der anhaltenden Spannungen zwischen den USA und China könnte die RCEP die ASEAN-Mitgliedstaaten stärken.

Fazit: Chancenorientierte Anleger sollten sich, sofern noch nicht geschehen, mit dieser Anlageklasse beschäftigen. Daraus dürfte sich im Laufe der Zeit ein struktureller Anlagetrend hin zu einem stetig wachsenden Engagement in China und anderen Mitgliedstaaten entwickeln.

Welche Schlüsse können Investoren hinsichtlich Investitionen in die Mitgliedstaaten ziehen?

Michael Totz: Allen voran China dürfte beträchtlich von dem Abkommen profitieren, das Hindernisse für Exporte in die anderen asiatischen Länder aus dem Weg räumt. Für einige RCEP-Mitgliedstaaten könnte der Nutzen sogar noch größer sein. Laut einer kürzlich veröffentlichten Studie des Peterson Institute for International Economics werden vor allem die ASEAN-Länder, Japan und Südkorea, zu den Nutznießern gehören. Wir erwarten, dass die renommierten Fondsgesellschaften zukünftig auch spezielle RCEP-Fonds anbieten werden.

Mit welchen Beträgen kann man an asiatischen Börsen bzw. der Australischen in Sydney investieren und gibt es Voraussetzungen zu erfüllen?

Michael Totz: Die 11experts AG empfiehlt keine Investitionen in Einzelwerte zu tätigen, sondern stattdessen auf einen aktiv gemanagten Investmentfonds mit einer überdurchschnittlichen Morningstar-Bewertung (Bewertung: mind. 4 von 5 Sterne) zu setzen, um darüber eine breite Risikostreuung zu erreichen. Risikomanagement sollte für alle Anleger vor allem im derzeitigen Umfeld eines der wichtigsten Themen überhaupt sein. Je nach Depotbank können private Anleger bereits ab 25 Euro in Investmentfonds investieren.

Raten Sie Ihre Kunden zu Investments in Asien bzw. anderen Emerging Markets?

Michael Totz: Wir entwickeln für unsere Kunden ab 100.000 Euro eine individuelle Finanzstrategie. Dabei berücksichtigen wir, welches Risiko der Kunde präferiert und ob diese Chance-/Risiko-Präferenz auch angemessen ist. Wir legen besonderen Wert auf die Auswahl und die Mischung der passenden Anlageklassen und Anlageformen. Dabei geht es nicht um die Wahrnehmung kurzfristiger Chancen, sondern um einen möglichst langfristigen und stetigen Vermögenszuwachs. Je nach Risikopräferenz empfehlen wir unsere Kunden daher auch die Anlageklasse „China“ als Portfoliobeimischung. Dabei sollte – wie schon ausgeführt – das Risiko von Einzelaktien vermieden werden. Das aktuelle Beispiel „Alibaba“ zeigt, wie der chinesische Staat Einfluss auf die Märkte und die Wirtschaft nimmt.

Welche Chancen und Risiken sind mit Investments in diese Märkte verbunden?

Michael Totz: Chinas Wachstum hat weiter angehalten – trotz Pandemie und Handelskonflikte. Investitionen in China bergen durchaus hohe Risiken und sind nicht unumstritten. Zwischen China und den USA schwelt seit langem eine Auseinandersetzung über die Handelspolitik, und durch das Coronavirus haben sich die bestehenden Spannungen noch verschärft. Dennoch ist China fundamental betrachtet aus drei Gründen eine sehr attraktive Anlageregion: Es hat seine Märkte für ausländische Investitionen geöffnet, es bietet den Anlegern attraktive Wachstumsbeispiele und es verfolgt eine Strategie, die es bis 2030 zur größten Volkswirtschaft der Welt machen soll.

Herr Totz, vielen Dank für das Gespräch.

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