Sabine Dorothee Krempel: Kunst bereichert unser Leben

Sabine Dorothee Krempel ist Galeristin, Kunstberaterin und Kunsthistorikerin von SIGHT Galerie und Kunstberatung. Die Galerie befindet sich im Zentrum des Rhein-Main-Gebietes und präsentiert regelmäßig nationale und internationale Künstler. Ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die Kunstberatung. Mit ihr sprechen wir über die Leidenschaft zur Kunst sowie Investment.

Sabine Dorothee Krempel

Wer in Kunst investiert, will oft Leidenschaft mit Rendite verbinden. Funktioniert auch oft, doch gerade bei diesem Investment sind Recherche und Fachkenntnis nötig. Dabei hat sich Kunst als Investment über die Jahre als sichere Kapitalanlage bewährt. Warum ist ein Totalverlust bei Kunstwerken fast komplett ausgeschlossen?

Sabine Dorothee Krempel: Kunst als alternative Geldanlage hat gegenüber anderen Anlageformen einen ganz entscheidenden Vorteil. Sie verbindet hierbei die Aussicht auf Werterhalt oder im besten Fall auf eine Wertsteigerung mit einem hohen emotionalen und ästhetischen Faktor. Wer in Kunst investiert, investiert nicht nur finanziell, sondern gleichermaßen in Geisteshaltung, Kultur und Bildung. Kunst verschönert nämlich nicht nur unsere Räume und macht sie unverwechselbar, sondern sie bereichert unser Leben in hohem Maße und schärft unser Bewusstsein. Kunst hat eine kulturelle Bedeutung und einen Kommunikationsauftrag. Selbst wenn also die vorerst erwartete materielle Wertsteigerung tatsächlich ausbliebe, wird das erworbene Kunstwerk in seiner Existenz erhalten bleiben und im besten Falle der eigenen Freude und der Freude nachfolgender Generationen dienen. Somit ist ein Totalverlust immer ausgeschlossen. Es gibt hier natürlich auch Ausnahmen. So beauftragen Sammler durchaus auch ihren Art Consultant, für sie Kunstwerke auf Auktionen zu ersteigern, die dann unmittelbar als reines Spekulationsobjekt in den Tresor wandern, ohne dass es überhaupt vom Käufer physisch gesehen wurde. Ich empfehle niemandem, aus dem reinen Investmentgedanken heraus in Kunst zu investieren, denn selbst Werke mit hohem Renditepotenzial können sich hin und wieder als Anlageflop entlarven. Daher sollte die Kunst, in die investiert wird, immer in erster Linie begeistern, Freude machen und als Bereicherung des eigenen Umfeldes betrachtet werden. Die emotionale Rendite ist somit garantiert, der Rest ist eine Chance auf mehr. Eine Investition in ein Depot ist abstrakt, eine Investition in Kunst ist konkret, eine ganz persönliche Leidenschaft und Ausdruck unserer Individualität.

Sammler betonen allerdings, dass Kunst keine reine Wertanlage ist. Was ist darunter zu verstehen?

Sabine Dorothee Krempel: Wie eben bereits erwähnt, ist die Kunst ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Sie darf keinesfalls nur als bloße Dekoration betrachtet werden, die unsere Räume verschönert. Kunst hatte schon immer auch einen Bildungsauftrag. Auch wenn die jeweilige künstlerische Ausdrucksform sich immer wieder im Wandel befindet, so ist doch jede einzelne Phase, jeder Ismus auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung. Wer Kunst sammelt, sollte sich dieser Bedeutung durchaus bewusst sein. Kunstwerke sollten richtig gelagert werden, im Zweifelsfall auch restauriert werden und gegebenenfalls auch der Öffentlichkeit zur Betrachtung freigegeben werden. Hierzu gehört auch die Bereitschaft, dass das Kunstwerk bei Bedarf für Museumsausstellungen oder für die Erstellung von Katalogen zur Verfügung gestellt werden sollte. Grundsätzlich kann dies im Übrigen auch zur Wertsteigerung des Werkes beitragen, weil es die Bedeutung dieses Werkes im Rahmen des Gesamtwerkes oder einer Werkgruppe und dessen Einzigartigkeit verdeutlicht.

Oftmals ist es der diffuse Kunstmarkt, der potenzielle Anleger dann doch abschreckt. Warum ist der Kunstmarkt so undurchschaubar?

Sabine Dorothee Krempel: In diesen krisengeprägten Zeiten und bei weiter anhaltendem Niedrigzins schauen sich Investoren neben den klassischen Anlageklassen wie Aktien und Anleihen inzwischen verstärkt nach alternativen Geldanlagen in Sachwerten in Form von Kunst um, mit denen die sie hohe Renditen zu erzielen hoffen. Die große Nachfrage und die Investitionsbereitschaft in die Kunst durch neue Akteure aus Ländern wie zum Beispiel China oder Indien trieben die Preise in der Vergangenheit stetig in die Höhe und lassen den globalen Kunstmarkt wachsen und teilweise undurchschaubar machen. Daher ist es zunehmend wichtiger, dass mit der Kunst-Leidenschaft auch Fachkenntnis einhergeht. Da für eine gute Expertise ein hoher Zeitaufwand und Vorbereitung erforderlich ist, was häufig neben einem vollen Berufsalltag kaum aufzubringen ist, sollten Anleger und Sammler im regelmäßigen Kontakt zu fachkundigen und erfahrenen Beratern wie Galeristen und Art-Consultants stehen. Meist entsteht hier über die vielen Jahre der Zusammenarbeit auch ein Vertrauensverhältnis zwischen Galerist/Berater und Sammler, bei dem der Galerist/Berater genau weiß, welches Angebot für den jeweiligen Kunden von Interesse sein könnte. Mit großer Leidenschaft und Begeisterung für die Kunst und deren Vermittlung berate ich als Galeristin und Kunstberaterin unsere Kunden und Sammler bestmöglich und zielführend. Dabei stehe ich immer im engen Dialog mit ihnen, kenne Ihre Wünsche und ihr Budget und kann so auf die jeweiligen Bedürfnisse reagieren. Ich greife hierbei auf langjährige Erfahrung, die Kenntnis des Kunstmarktes, gute Kontakte zu den Künstlern und natürlich ein großes Gespür dafür, Qualität von „Schund“ zu unterscheiden, zurück.

Das Kunstgebiet ist riesig und reich an Gattungen und Stilrichtungen. Aber welche Kunstwerke sind als Investition geeignet?

Sabine Dorothee Krempel: Diese Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Es gibt viele unterschiedliche Kunstliebhaber mit völlig unterschiedlichen Vorlieben und vor allem mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie viel Geld sie investieren möchten und können. Für Einsteiger eignen sich sicherlich immer günstigere Papierarbeiten, zum Beispiel originale Druckgrafiken von Künstlern, die sich über einen langen Zeitraum am Markt gehalten haben und deren Wert sich in einem stetigen Aufwärtstrend befindet. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass es sich im besten Falle um ein Werk aus einer wichtigen Schaffensphase des jeweiligen Künstlers handelt, dass die Qualität einwandfrei und die Auflage nicht zu hoch ist. Bei etablierten Künstlern werden Preise ab 50.000 Euro pro Werk als Einstieg gesehen. Häufig beginnen junge Kunstsammler beim Aufbau einer Sammlung mit ausgewählten Originalserigrafien eines Künstlers und steigen dann später in den Kauf von Originalwerken ein. Ähnlich wie auf dem Aktienmarkt gibt es auch auf dem Kunstmarkt Blue Chips. Darunter versteht man Werke von bekannten Künstlern, die über einen konstanten Zeitraum gut verkäuflich sind und dauerhaft hohe Preise erzielen. Bei etablierten Künstlern geht der Anleger bei guter Beratung kein wirkliches Risiko ein. Anders sieht es bei Neuentdeckungen aus. Wer in junge Künstler, in sogenannte Neuentdeckungen, investiert, handelt sehr viel spekulativer, kann aber gegebenenfalls auch eine hohe Rendite erzielen.

Grundsätzlich gilt immer, sich den Künstler und dessen Werdegang genau zu betrachten. Hierbei sind die Ausbildung, die Konsequenz in der künstlerischen Entwicklung, die Sichtbarkeit und Präsenz auf Messen oder in Museen, die Preisentwicklung bei Auktionen und die Seriosität der Galerien, die diese Künstler vertreten etc., von großer Bedeutung. Entscheidend ist eine kontinuierliche Präsenz eines Künstlers im Markt. Bei der Wahl eines Kunstwerkes sollte immer auf dessen Qualität und die Bedeutung des betreffenden Werkes innerhalb des gesamten Oeuvres geachtet werden. Nur Werke, die von besonderer Relevanz für den Werdegang des Künstlers sind, können später einmal für eine Leihgabe in einem Museum oder für einen besonders lukrativen Wiederverkauf von Relevanz sein. Wichtig ist es, grundsätzlich zu erkennen, dass Qualität und Preis zwei voneinander trennbare Aspekte sind, wenn es um den Kunstmarkt geht. Ein höherer Preis spricht nicht zwingend für höhere Qualität und umgekehrt. Vielmehr bestimmt meist der Sammlerkreis den Marktpreis und entscheidet somit, wie begehrt ein Kunstwerk ist. Dabei spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle. Wer als Investor den Fokus auf Sicherheit legt, sollte eher Werke kaufen, die als solide und wertbeständig gelten. Für viele Experten beginnt ein Kunstinvestment erst ab 50.000 oder 60.000 Euro pro Werk. Einsteiger sollten sich daher zwingend an erfahrene Berater wenden. Anders als bei Aktien oder Gold ist es nicht möglich, mit einem überschaubaren Betrag auf die Entwicklung des gesamten Marktes zu setzen. Kunstfonds, die auch kleinere Vermögensbeträge bündeln, gibt es nicht. Kunstfonds ermöglichen zwar die Beteiligung an mehreren Kunstobjekten, sind allerdings meist mit hohem finanziellem Einsatze verbunden. Zudem fallen Kosten für das Fonds-Management, Versicherung, Lagerung etc. an. Der entscheidende Nachteil liegt auch in der Tatsache, dass die Kunstwerke in der Regel nicht zur persönlichen Freude zur Verfügung stehen, da sie nicht Eigentum eines einzelnen sind.

Sehr spekulativ ist auch die Kryptoart, die digitale Kunst. In fälschungssicherer Form wird bei der Blockchain-Technologie jede Transaktion für jedermann festgehalten. Anleger können Tokens kaufen, die Eigentum oder Teileigentum an einem Kunstwerk repräsentieren. Der Vorteil ist, dass die lückenlose Dokumentation eine Fälschung ausschließt. Außerdem können die Tokens als liquides Investment zu jedem gewünschten Zeitpunkt zum aktuellen Marktpreis verkauft werden.

Auf welche steuerlichen Aspekte muss man beim Investieren in Kunst achten?

Sabine Dorothee Krempel: Kunst wird seit dem 1. Januar 2015 generell mit 19 Prozent Mehrwertsteuer belastet (zuvor meistens 7 %). Wird Kunst hingegen auf einer Auktion im In- oder Ausland erworben, dann wird der Zuschlag meist ohne Mehrwertsteuer erteilt. Nur auf das so genannte Aufgeld, die Vermittlerprovision des Auktionshauses, werden 19 Prozent

Mehrwertsteuer erhoben. Wenn eine Privatperson ein Kunstobjekt innerhalb eines Jahres kauft und wieder verkauft, bewegt man sich innerhalb der Spekulationsfrist (ähnlich wie bei Immobilien, zehn Jahre). Das Gesetz spricht hier von anderen Wirtschaftsgütern bzw. Wirtschaftsgegenständen, darunter würden auch Kunstgegenstände fallen. Innerhalb dieser Frist fallen somit Steuern auf Gewinne an. Wird ein Kunstwerk an Museen oder Galerien vermietet, muss darauf geachtet werden, dass sich die Spekulationsfrist nicht von einem auf zehn Jahre verlängert. Das kann passieren, wenn man mit einem Produkt oder einer Dienstleistung Einkünfte erzielen möchte. Stellt der Eigentümer seine Kunstwerke allerdings

kostenfrei zur Verfügung, ist dies nicht der Fall. Unternehmen und Freiberufler können Kunst (Wandarbeiten, Skulpturen, Installationen etc.) als Betriebsausgaben steuerlich geltend machen, sofern sie im Betrieb genutzt wird. Kunst ist dann steuerlich absetzbar, wenn sie sich wirtschaftlich abnutzt. Ist davon auszugehen, dass diese Kunstwerke in Zukunft an Wert verlieren werden, ist eine steuerliche Geltendmachung möglich und sinnvoll. Eine Nutzung liegt zum Beispiel dann vor, wenn der Eingangsbereich, die Konferenzräume oder das Chefbüro mit Kunst repräsentativ aufgewertet wird. In diesem Fall stuft die Finanzverwaltung diese Kunstwerke als Gebrauchskunst ein und akzeptiert sowohl den Umsatzsteuervorabzug als auch die Abschreibung bis zu 15 Jahren. Das bezieht sich auf Kunstwerke, deren Einkaufswert 5.000 Euro (netto) nicht überschreiten. Da ein Finanzbeamter kaum die aktuellen Entwicklungen auf dem Kunstmarkt beobachten wird, hält er sich meist an diese Faustregel. Ist ein Künstler nicht oder kaum in temporären Ausstellungen, weltweit maßgeblichen Museen oder privaten Kunstsammlungen vertreten, hat er keine Auszeichnungen wie Kunstpreise etc., gilt seine Kunst im Falle einer Prüfung als Gebrauchskunst, die in Zukunft an Wert verlieren wird. Kunst von so genannten Gebrauchskünstlern kann im Einzelfall auch über 5.000 Euro (netto) teuer sein, um vom Finanzamt als Betriebsausgabe anerkannt zu werden, wenn zum Beispiel eine großflächige Ausmalung auf Wänden vorgenommen wird. Sinkt der Marktwert eines zuvor anerkannten Künstlers, ist eine Teilwertabschreibung im Einzelfall möglich. Alle Nebenkosten, die mit Kunst im Zusammenhang stehen, sind steuerlich absetzbar. Dazu zählen Ausgaben für

Kunsttransport, Kunstversicherungen, Kunstberatung und Kunstpräsentation. Kunstobjekte sind zu 60 % von der Erbschaftssteuer befreit, wenn ihre Erhaltung wegen ihrer Bedeutung für Kunst, Geschichte oder Wissenschaft im öffentlichen Interesse liegt. Die jährlichen Kosten übersteigen dabei allerdings auch häufig die damit erzielten Einnahmen, denn die Kunstwerke müssen im angemessenen Umfang den Zwecken der Forschung oder der Volksbildung nutzbar gemacht werden (§ 13 Abs. 1 Nr. 2, Erbschaftssteuer- und Schenkungsgesetz). Eine 100%ige Befreiung von der Erbschaftssteuer ist dann möglich, wenn die Kunstwerke den Regeln der Denkmalpflege unterstellt werden und eine zehnjährige Haltefrist nach Erwerb beachtet wird. Dies sind natürlich nur einige Hinweise, die im jeweiligen Einzelfall mit dem persönlichen Steuerberater abgestimmt werden müssen.

Relativ neu im Kunstmarkt sind auch Art-Consultants. Wie können Kunstberater Anlegern effektiv helfen?

Sabine Dorothee Krempel: Heute ist die Beschäftigung mit der Kunst und die Gestaltung unseres privaten oder beruflichen Umfeldes selbstverständlicher Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Zu einem gut orientierten Vermögensportfolio gehören Kunstobjekte eigentlich zwingend dazu. Mit der Auswahl von Kunst übernimmt der Sammler auch einen kulturellen Auftrag, indem er dazu beiträgt, Kunst zu verwahren, zu pflegen und der Öffentlichkeit – in welchem Rahmen auch immer – zu präsentieren. Anerkennung finden dabei jene Kunstsammler, die bei der Wahl der Kunstwerke bestimmte Aspekte berücksichtigen. Dabei spielt nicht der Umfang einer Sammlung die wesentliche Rolle, sondern vielmehr die Qualität der einzelnen Werke, deren schlüssiger Zusammenhang, gegebenenfalls auch deren Eignung für bestimmte Räume etc. Häufig fehlt dem potentiellen Sammler nicht nur die Zeit, sondern auch die Fachkenntnis, um die Spreu vom Weizen trennen zu können. Außerdem ist es bei der Fülle des Angebotes schwierig, das zum eigenen ICH passende Kunstwerk zu finden und eine richtige und sinnvolle Entscheidung für ein Kunstwerk zu treffen, das aus unterschiedlicher Perspektive und auf lange Sicht Freude und Wertzuwachs verspricht. Als Kunstberaterin ist es daher meine Aufgabe, Vermittlungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten, die Begeisterung für ein Werk und den Künstler zu übertragen und mit großer Leidenschaft Kunstobjekt und Kunstsammler zusammenzubringen. In diesem Aufgabenbereich verstehe ich mich als neutrale Mittlerin zwischen dem Kunstkäufer und den Anbietern am Kunstmarkt. Dabei gilt es, auf die Wünsche des Sammlers und Investors einzugehen, ein individuelles Kunstkonzept zu entwerfen, einen unabhängigen Überblick über den Kunstmarkt geben, bei Kaufentscheidungen zu helfen und zur längerfristig sinnvollen Zusammenstellung einer Kunstsammlung beizutragen – die im besten Falle auch eine Wertsteigerung erfahren wird. Insbesondere wenn Unternehmen ihren Innen- und Außenbereich mit Kunstwerken ausstatten wollen, empfiehlt sich eine kompetente Beratung. In diesem Fall kann der Berater konkrete Vorschläge machen, die zur Arbeits- und Unternehmenskultur der jeweiligen Firma passen.

Man sollte kein Geld in ein Kunstwerk stecken, das man schnell wieder kapitalisieren muss. Worauf sollte man Ihrer Meinung nach bei einem Kunstinvestment noch achten?

Sabine Dorothee Krempel: Kunst ist kein schnelles Invest. Es ist nicht zu erwarten, dass in einem oder zwei Jahren der Preis des erworbenen Kunstwerkes „explodiert“. Vielmehr sollte ein Anleger das Investment über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren beobachten. Damit ist klar, dass nur solche Summen investiert werden sollten, die garantieren, dass nicht plötzlich ein Kapital-Engpass entsteht. Von der ersten Idee bis zur konkreten Umsetzung wird je nach Firmenphilosophie, Bedarf, Budget und räumlichen Gegebenheiten ein schlüssiges, maßgeschneidertes Kunstkonzept inklusive möglicher Optionen und Alternativen entwickelt. Möchte man Werke aus der eigenen Sammlung verkaufen, kommt es wie bei Aktien auf den richtigen Zeitpunkt an. Statt Zinsen gibt es bei Kunstwerken im Optimalfall einen Wertzuwachs. Kunstwerke lassen sich jedoch nicht so einfach jederzeit zu einem bestimmten Preis und zu jeder Zeit verkaufen. Es erfordert viel Geduld und Durchhaltevermögen. Wird ein Werk zum Beispiel bei einer Auktion nicht direkt verkauft, sollte es nicht sofort wieder angeboten werden. Es besteht die Gefahr, dass das Werk als „verbrannt“ gilt und somit erst einmal unverkäuflich ist. Diese Situation macht es schwieriger, einen neuen Käufer kurzfristig zu finden. Das Kunstobjekt muss entweder für längere Zeit weggepackt oder mit einem niedrigeren Preis angeboten werden. Wie bereits erwähnt, ist ein Wertzuwachs ohnehin erst nach fünf bis zehn Jahren zu erwarten. Vorher ist ein Verkauf selten wirtschaftlich betrachtet sinnvoll. Wenn also schnelle Liquidität gewünscht wird, ist von einer Anlage in Kunst eher abzuraten. Als Galeristin, Kunstberaterin, Kunsthistorikerin und Sammlerin kann ich grundsätzlich immer die Empfehlung geben, in Kunst zu investieren als Anlage, aber nicht als Spekulationsobjekt. Beim Kunsterwerb sollte es neben allen wirtschaftlichen Überlegungen immer in erster Linie eine leidenschaftliche Entscheidung für ein Werk sein. Kunst ist eine persönliche Herzensangelegenheit. Wenn das Kunstobjekt gefällt, Freude bereitet und das Leben bereichert, dann bringt es immer auch eine Wertsteigerung mit sich, nämlich die Steigerung des eigenen Lebenswerts. Das kann ich ganz persönlich als Kunstsammlerin bestätigen.

Frau Krempel, vielen Dank für das Gespräch!

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