Stefan Kemmler: ETFs sind eine gute Altersvorsorge

Stefan Kemmler ist Honorarberater in Köln und hat sich auf Vermögensberatung und Vermögensverwaltung auf Basis einer Vermögens- bzw. Ruhestandsplanung spezialisiert. Seine Mandanten sind vermögende „Best Ager“ aus der gesamten Bundesrepublik. Mit ihm sprechen wir über frühzeitige Geldanlagen, Möglichkeiten für Minderjährige sowie Kinderdepots.

Stefan Kemmler

Besonders für junge Menschen heißt es, sich frühzeitig um Geldanlagen und die Altersvorsorge zu kümmern. Welche Möglichkeiten gibt es für Minderjährige und wie unterscheiden sich Kinderdepots von klassischen Depots?

Stefan Kemmler: Eine sehr gute Möglichkeit für eine langfristige Geldanlage bzw. Altersvorsorge sind ETFs (börsengehandelte Indexfonds). Damit kann man sein Geld weltweit am Kapitalmarkt kostengünstig und transparent anlegen, Risiken reduzieren und tolle Renditen erwarten. In den letzten 120 Jahren hat der globale Kapitalmarkt im Schnitt 7% p.a. vor Steuern und Kosten erzielt.

Wenn man sich für ETFs entschieden hat, benötigt man ein Wertpapierdepot. Für Minderjährige empfiehlt sich ein sog. „Junior-Depot“. Dieses unterscheidet sich von einem klassischen Wertpapierdepot darin, dass das Kind Depotinhaber ist und die gesetzlichen Vertreter (i.d.R. die Eltern) bis zur Volljährigkeit des Kindes bevollmächtigt sind. Bis dahin haben sie also vollen Zugriff auf das Depot.

Warum ist ein „Depot für Junioren“ für den Nachwuchs sinnvoll?

Stefan Kemmler: Zum einen lässt sich sagen: „Der frühe Vogel fängt den Wurm“. Das gilt auch für die Geldanlage und Altersvorsorge. Stichwort „Zinseszinseffekt“. Über einen längeren Zeitraum kann sich diese Kraft viel besser entfalten. Davon hängt dann ab, wieviel Geld das Kind zu seinem 18. Geburtstag für Autoführerschein, Auto, Ausbildung, Weltreise etc. zur Verfügung hat. Hier sind also die Eltern gefragt, frühzeitig für ihre Kinder aktiv zu werden.

Zum anderen kann man sein Geld mit ETFs intelligent und kostengünstig anlegen. Für eine rentable Geldanlage ist das besonders wichtig. Von „Junior-Policen“ von Versicherungen, wobei es sich meist um Rentenversicherungen handelt, ist eher abzuraten. Hauptgründe sind hohe Kosten und oftmals fragwürdige Anlagestrategien. Beides schlägt sich in mickrigen, wenn nicht sogar negativen Renditen nieder.

Wie oder mit welchen Strategien legt man am besten Geld für den Nachwuchs an?

Stefan Kemmler: Hier empfehle ich ein globales Aktieninvestment (USA, Europa, Asien, Schwellenländer) – wie eingangs gesagt. Das kann man mit nur einem einzigen ETF wie z.B. dem „Vanguard FTSE All-World ETF“ umsetzen und ist auf einen Schlag an über 3.600 großen und mittelgroßen Unternehmen beteiligt. Und das nicht nur einmalig bei großen Summen, sondern schon ab 25 Euro monatlich.

Wer auch in kleine Unternehmen investieren möchte, was für eine saubere Marktabbildung ratsam ist, kann entweder 10-15% kleine Unternehmen mit z.B. einem speziellen Small-Cap-ETF beimischen oder einen globalen ETF, der auch Small Caps berücksichtigt, wählen.

Werden auch bei Kindern Kapitalerträge auf Zugewinne bei Geldanlagen fällig?

Stefan Kemmler: Grundsätzlich ja. Denn hier greift die Abgeltungssteuer i.Hv. 25% plus Soli und ggf. Kirche. Deshalb sollte man einen Freistellungsauftrag in Höhe von 801€ (Sparerpauschbetrag Singles) erteilen. Wenn die Erträge über dem Sparerpauschbetrag liegen sollten, so kann man zusätzlich zum Freistellungsauftrag eine sog. Nichtveranlagungsbescheinigung bei dem Finanzamt beantragen und dann bei der Depotbank einreichen. Das hat den Vorteil, dass weitere Erträge i.H.v. 9.744 Euro (Grundfreibetrag Singles 2021) steuerfrei sind. Die NV-Bescheinigung ist immer nur für drei Jahre gültig, sodass diese wiederkehrend beantragt werden sollte. Liegen die Erträge über dem Grundfreibetrag, so müssen Sie das Ihrem Finanzamt anzeigen. Wird die NV-Bescheinigung zurückgezogen, ist die Bank darüber zu informieren. Ein kleiner Steuertrick ist noch bis zum dem Zeitpunkt vom die Freibeträge überschritten werden, ausschüttende ETF zu wählen und die Ausschüttungen (am besten kostenfrei) direkt wiederanzulegen.

Welche Depotangebote gibt es denn, damit langfristig eine gute Rendite entsteht und nicht durch Minuszinsen die Einlagen gemindert werden?

Stefan Kemmler: Junior-Depots mit guten Konditionen kann man z.B. bei der comdirect oder ING eröffnen. Die Rendite hängt von der vorhin erwähnten Anlagestrategie ab. Global kann man also langfristig 6-7 % p.a. im Schnitt erwarten. Weitaus lukrativer als Tagesgeld, Police & Co.

Herr Kemmler, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.