Thomas Beutler und Konrad Diwo: Höhere Kosten spielen langfristig eine große Rolle

Thomas Beutler und Konrad Diwo sind Finanzexperten der Verbraucherzentrale des Saarlandes e.V. in Saarbrücken. Mit ihnen sprechen wir über passive ETFs, positive Image sowie ETF-Anleger.

ETFs (Börsengehandelte Anlagefonds) sind in aller Munde und bringen eine gute Performance. Wie unterscheiden sich aktive und passive ETFs und wie sind die aktiven ETFs entstanden?

Thomas Beutler: Ein passiver ETF bildet die Wertentwicklung des vorher festgelegten Index ab, meist nach Marktkapitalisierung. In dem Fall werden keine aktiven Entscheidungen getroffen. Bei aktiven ETFs versuchen Fondsmanager, ähnlich wie bei „traditionellen“ Fonds durch Auswahl von Aktien besser abzuschneiden als die Benchmark (Vergleichsindex). Dadurch steigen für den Anleger die Kosten und das Risiko, falls der Fondsmanager falsche Entscheidungen trifft. Langfristig wird auch im aktiven ETF der Markt langfristig nicht zu schlagen sein. Dies zeigt die Erfahrung mit den traditionellen aktiven Fonds. Über die Entstehung können wir spekulieren. Möglicherweise will man auch das positive Image der ETF für sich nutzen.

Was für Vor- und Nachteile ergeben sich aus aktiven ETFs, die gegenüber passiven mengenmäßig in der Minderheit sind?

Konrad Diwo: Vorteil: Hier sehen wir die einfache Handelbarkeit über die Börse als ein Vorteil. Weiterhin besteht natürlich auch die theoretische Chance, den Index zu schlagen oder sich auch deutlich von diesem wegzubewegen.

Nachteil: höhere Kosten als passive ETFs und das Risiko einer unterdurchschnittlichen Performance.

Sind aktive ETFs nur ein Trick der Finanzbranche, um weiterhin neue, teure Fonds zu verkaufen oder gehören sie in ein diversifiziertes Depot?

Thomas Beutler: Jeder Anleger kommt definitiv auch weiterhin ohne aktive ETFs aus.

Können Sie uns erklären, wie ein aktiver ETF gehandelt wird und wie dessen Preis bestimmt wird?       

Konrad Diwo: Sollten Sie die Anbieter fragen. Hier wird es, ähnlich wie bei ETF, über den Tag hinweg auch auf Angebot und Nachfrage an den Börsen ankommen.

Der typische ETF-Anleger investiert meist langfristig. Warum würde sich die Anlageart der aktiven ETFs für diese Art von Anleger weniger lohnen?

Thomas Beutler: Höhere Kosten spielen langfristig eine große Rolle, vor allem dann, wenn der Fondsmanager langfristig keine Outperformance erzielt.

Herr Beutler und Herr Diwo, vielen Dank für das Gespräch!

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