Beate Limbacher: Wichtigste Wertsteigerung liegt im persönlichen Wohlbefinden

Beate Limbacher ist Inhaberin vom Architekturbüro Beate Limbacher in München. Mit ihr sprechen wir über energieeffiziente Wohngebäude, oftmals unzureichende Wärmedämmung sowie Ansprüche an den Wohnkomfort.

Energieeffizientere Wohngebäude helfen dem Klima und den Menschen, die sie bewohnen oder besitzen. Aber was bedeutet das konkret?

Beate Limbacher: Rund 28% der CO₂ Emissionen stammen aus dem Gebäudesektor. Hier gibt es ein großes Potential, insbesondere bei der Sanierung von Bestandsbauten, die oft über eine unzureichende Wärmedämmung verfügen. Ist ein Haus schlecht gedämmt, verliert es schnell an Wärme bzw. muss entsprechend aufwändig geheizt (bzw. gekühlt) werden. Diese Energie muss erzeugt, transportiert und im Haus in Wärme/Kälte umgewandelt werden. Bei der Verbrennung fossiler Energieträger wird CO₂ emittiert.

Für eine energetische Sanierung müssen einige Umbauarbeiten vorgenommen werden. Welche baulichen Maßnahmen sind dafür erforderlich?

Beate Limbacher: Neben einer ausreichenden Wärmedämmung (Außenwand und Dach) sowie neuer Fenster und Haustüre ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung eigentlich zwingend anzuraten, um bei einer dichten Gebäudehülle den notwendigen Luftaustausch sicherzustellen. Wichtig ist auch, dass die Luftdichtheit der gesamten Außenhülle sichergestellt ist, da diese in Kombination mit der kontrollierten Lüftung einen erheblichen Teil der Energieeinsparung ausmacht.

Eine energetische Sanierung kann einiges an CO2 einsparen. Können Sie beziffern, wieviel so ein Wohngebäude im Gegensatz zu herkömmlichen Gebäuden einsparen kann?

Beate Limbacher: Das lässt sich nicht pauschal beziffern, jedes Gebäude muss für sich betrachtet werden. Beispielhafte Berechnungen der Einsparpotenziale unter anderem für Einfamilienhäuser, Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser zeigen, dass je nach Umfang der Maßnahmen CO₂ Einsparungen von rund 15 bis 90 Prozent machbar wären. Ich wohne in einem Reihenhaus aus den 60er Jahren, das vor der Sanierung zum Passivhaus einen Heizwärmebedarf von 150 kWh pro m²/Jahr hatte und nach der Sanierung nur noch 15,2 kWh pro m²/Jahr benötigt. Das ist eine Reduzierung um den Faktor 10!

Durch eine Sanierung in dem geforderten Ausmaß, kann die Immobilie im Wert gesteigert werden. Über welche Wertsteigerung reden wir hier?

Beate Limbacher: Die wichtigste Wertsteigerung liegt im persönlichen Wohlbefinden! Die Ansprüche an den Wohnkomfort sind insgesamt gestiegen, zumal wir ja auch immer mehr Geld fürs Wohnen ausgeben. Angesichts erwartbar steigender Energiepreise macht ein energetisch hochwertig saniertes Gebäude auf längere Sicht auch finanziell Sinn.

Die EU will Mietern dabei helfen, das CO2-Einsparpotenzial der Wohngebäude auszuschöpfen. Dafür wurde das Projekt „Residential Building Energy Renovations with On-Bill Financing“ ins Leben gerufen. Können Sie uns etwas über das Projekt erzählen?

Beate Limbacher: Sogenannte „On-Bill“-Programme sollen Finanzinstitutionen wie Energieversorger dazu motivieren, die energetische Sanierung von Bestandsbauten in Angriff zu nehmen, indem die Kosten über die Stromrechnung der Mieter refinanziert werden. Während der Amortisationszeit können die Energieeinsparungen den zusätzlichen Rückzahlungsbetrag ausgleichen, so dass die monatliche Rechnung unverändert bleibt. Nach der vollständigen Rückzahlung der Energieeffizienzmaßnahme wird die Rechnung entsprechend niedriger ausfallen. Das Modell soll in USA und Kanada gut funktionieren, hierzulande wird es sicher noch eine ganze Weile bis zur Implementierung dauern. Ich sehe aber nicht, dass ein einzelner Mieter hierauf irgendwelchen Einfluss nehmen kann. Es gibt keine Anreize für den Mieter, sich energiesparend zu verhalten, um die Höhe seiner Stromrechnung direkt zu beeinflussen. Es wäre z.B. viel gewonnen, wenn alle Mieter (aber auch Eigenheimbewohner) die Heizung um 1-2 Grad reduzieren und die Fenster nur zum Stoßlüften aufmachen und nicht dauerhaft gekippt lassen. Allein damit würde sehr viel Energie eingespart.

Für einige Maßnahmen kann man einen Zuschuss erhalten. Für welche Maßnahmen ist der Zuschuss geplant und was muss man tun, um diesen zu erhalten?

Beate Limbacher: Bei Neubauten wurden die Kriterien über das GEG (Gebäudeenergiegesetz (ersetzt seit kurzem die Energieeinsparverordnung ENEV) kontinuierlich verschärft. Die neue Bundesregierung wird diese Entwicklung im Sinne des Klimaschutzes fortschreiben. Bei Bestandsbauten ist eine energetische Sanierung obligatorisch. Hier gibt es z.B. Steuervorteile, günstige Kredite sowie Zuschüsse von der KfW-Bank oder von der Bafa, oft haben auch Kommunen eigene Förderprogramme aufgelegt. Über die Fördermöglichkeiten informiert der Energieberater.

Frau Limbacher, vielen Dank für das Gespräch!

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