Christin Friedrich: Menschen für nachhaltige Wirtschaftskreisläufe begeistern

Christin Friedrich ist geschäftsführende Gesellschafterin Innovestment GmbH. Mit ihr sprechen wir über Crowdinvesting, Kleininvestoren sowie Digitalisierung für die Zukunft.

Christin Friedrich

Crowdinvesting erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Wie erklären Sie sich diesen Trend?

Christin Friedrich: Dafür gibt es meiner Meinung nach ganz unterschiedliche Gründe. Überzeugte Crowd-Investorinnen und -Investoren schätzen den Community-Spirit und haben Freude daran, gemeinsam mit anderen Menschen unterstützenswerte Projekte zu verwirklichen. Auch der demokratische Ansatz spielt sicherlich eine Rolle, der sich in moderaten Einstiegssummen zeigt. Denn nicht jeder hat das nötige Kapital, sich mit fünfstelligen Summen in einen Fonds einzukaufen. Und nicht jeder hat Lust, sich mit der Börse zu beschäftigen und seine Titel laufend beobachten zu müssen. Da hat das Investieren über eine Plattform mit kuratierten Projekten wie unsere natürlich Vorteile, denn die Vorauswahl und Plausibilitätsprüfung hat ja bereits stattgefunden, wenn die Angebote online sind. Überzeugend ist für viele auch der digitale Anlageprozess. Das bekomme ich oftmals von den Finanzanlageberaterinnen und -beratern mit, mit denen wir zusammenarbeiten. Gerade bei jüngeren Mandantinnen und Mandanten steht das hoch im Kurs. Und nicht nur bei ihnen: Unsere Statistik zeigt, dass unsere Investorinnen und Investoren im Durchschnitt 45 Jahre alt sind, wir versammeln von aktuell 21 bis 82 Jahren quasi alle Generationen. Was ich außerdem in Gesprächen mit unseren Investorinnen und Investoren häufig höre, ist auch die Lust an der Innovation. Sie beschäftigen sich sehr genau mit den einzelnen Projekten, machen sich ihr eigenes Bild und investieren dann gezielt in Unternehmen, von denen sie glauben, dass deren Produkt eine Lücke schließt oder einen Beitrag für die Gesellschaft leistet. Dann sind sie häufig auch so überzeugt davon, dass gleich die ganze Familie investiert oder über unser Angebot “Nachhaltigkeit schenken” gleich ein Investment als Geschenk für die eigenen Kinder gezeichnet wird.

Online Anbieter sprechen zum Teil gezielt Kleininvestoren an. Sie werben mit geringen Mindestinvestitionssummen. Für wie attraktiv erachten Sie Crowdinvesting für Immobilien?

Christin Friedrich: Immobilien machen ja mittlerweile vom Volumen her den größten Anteil bei den Crowdangeboten in Deutschland aus, und das Modell hat in dem Bereich ganz sicher auch seine Berechtigung. Immobilien sind nun einmal eine beliebte Anlageklasse, und nicht jeder kann oder will in eine eigene Eigentumswohnung oder ein Haus investieren. Immobilienfonds hingegen haben im Vergleich zu Crowdangeboten sehr hohe Mindestinvestitionssummen. Insofern: Ja, Crowdinvesting für Immobilien halte ich durchaus für attraktiv. Dennoch überlasse ich das gern unseren Kolleginnen und Kollegen, die sich auf diese Anlageklasse spezialisiert haben. Wir haben uns bei Innovestment für einen Schwerpunkt auf Impact Investments entschieden, weil wir bewusst Menschen dafür begeistern möchten, zu nachhaltigen Wirtschaftskreisläufen beizutragen. Und dazu gehört es eben auch, in die Realwirtschaft zu investieren und so innovativen Projekten und aufstrebenden Unternehmen Wachstumskapital zur Verfügung zu stellen. Immobilien können wir uns jedoch bei Innovestment vorstellen, wenn damit Nachhaltigkeit bewirkt wird. Das ist unser Ansatz.

Kann Crowdinvesting das halten, was oft versprochen wird: hohe Rendite bei geringem Risiko?

Christin Friedrich: Solche Versprechen sollte niemand abgeben und niemand als Garantie nehmen. Bei jeder Form der Kapitalanlage gibt es ein Risiko. Auch bei Aktien, die ja seit dem letzten Jahr einen regelrechten Boom erfahren. Als Crowdinvesting-Plattform sind wir rechtlich dazu verpflichtet, unsere Angebote mit einem Warnhinweis zu kennzeichnen. Dazu möchte ich festhalten, dass wir als Plattform durchaus gleichlaufende Interessen mit unseren Investorinnen und Investoren haben und bieten ihnen nur ausgewählte Projekte mit einem angemessenen und kalkulierbaren Chance-Risiko-Profil an.  Dennoch ist klar: Wer investiert, kann sein Geld auch verlieren. Nun zieht die Alternative allerdings auch nicht mehr, das Geld dann einfach auf dem Girokonto oder Sparbuch zu lassen. Durch das niedrige Zinsniveau und die derzeit steigende Inflation verliert es dort an Wert. Deshalb: Investieren ist wichtig, Hinschauen aber auch.

Welche Tipps können Sie interessierten Investoren geben?

Christin Friedrich: Wie bei jeder Geldanlage ist es auch beim Crowdinvesting wichtig, sich ausreichend zu informieren. Die Plattformen stellen dafür umfangreiches Material zur Verfügung, wir veröffentlichen beispielsweise neben Angaben zum Geschäftsmodell, zum Markt und zu den handelnden Personen auch relevante Zahlen und weiterführende Hintergrundinformationen zu Erfolgen, Engagement und Nachhaltigkeitszielen. Zudem bieten wir bei jedem neuen Projekt auch eine Online-Unternehmenspräsentation an, bei der Anlegerinnen und Anleger ihre Fragen direkt an die Verantwortlichen stellen können. Ich rate außerdem dazu, sich vorher Gedanken zu machen, wie die persönliche Anlagestrategie aussehen soll. Wie langfristig ist der Investitionshorizont, wie risikoaffin ist man selbst, welche Rolle spielen Nachhaltigkeitsaspekte, welche Ziele sollen mit der Finanzanlage erreicht werden? Generell gilt natürlich, seine Investitionen möglichst breit aufzustellen, um Risiken zu streuen. Und dazu eignet sich Crowdinvesting nun einmal sehr gut, denn hier können Anlegerinnen und Anleger auch vergleichsweise geringe Summen in verschiedene Projekte investieren und sich so ihr eigenes Portfolio selbstbestimmt aufzubauen.

Crowdinvesting ist ein neuer Markt, der durch digitale Möglichkeiten erschlossen wurde. Für wie wichtig stufen Sie die Digitalisierung für die Zukunft der Finanzbranche ein?

Christin Friedrich: Die Digitalisierung in der Finanzbranche trägt maßgeblich dazu bei, Services zu verbessern, den Zugang zum Finanzleben zu erleichtern und Kundinnen und Kunden einen echten Mehrwert zu bieten, seien es bequeme digitale Prozesse, Kostenvorteile oder auch einen Spaßfaktor. Ich halte digitale Geschäftsmodelle in der Finanzbranche daher für unabdingbar. Die Menschen sind auf der Suche nach sicheren und dennoch schnellen Lösungen, die ihnen bequem, orts- und zeitunabhängig den Weg zu ihrem Ziel ermöglichen. Nehmen wir nur mal das Beispiel Online-Banking: Statista hat ermittelt, dass 2021 ganze 97 Prozent der 16- bis 29-jährigen Deutschen das Internet für Banking-Aktivitäten nutzen. Im Vorjahr waren es noch 88 Prozent. Und es sind nicht nur junge Menschen, auch bei den Senioren ab 65 Jahren ist ein erheblicher Anstieg von 22 auf 39 Prozent zu verzeichnen. Wir dürfen auch nicht vergessen: Das Finanzwissen nimmt – zum Glück! – langsam, aber sicher zu. Dadurch entscheiden sich immer mehr Menschen dafür, ihre eigenen Anlageentscheidungen zu treffen, anstatt eine vielleicht nicht unbedingt unabhängige Beratung bei ihrer Bank in Anspruch zu nehmen. Die Digitalisierung leistet auch hier einen immensen Beitrag für mehr Selbstbestimmung. Die übrigens auch nicht, wie häufig befürchtet, eine “Entmenschlichung” mit sich bringen muss. Auch hinter digitalen Produkten stehen Menschen; wir sind als digitale Anlage- und Finanzierungsplattform jeden Tag in Kontakt mit unseren Kundinnen und Kunden. Und das ist auch gut so.

Frau Friedrich, vielen Dank für das Gespräch!

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