Dipl.-Ing. Architekt Christian Engel: Nachhaltiges Bauen ist außerordentlich wichtig

Dipl.-Ing. Architekt Christian Engel ist Inhaber von A-D-V-A-Architekten. Mit ihm sprechen wir über Nachhaltigkeit beim Bauen, Klimaveränderung sowie Aufforstungsmaßnahmen.

Christian Engel

Was bedeutet „nachhaltig“ beim Bauen überhaupt?

Christian Engel: Nachhaltiges Bauen bedeutet grundsätzlich, so zu bauen, dass durch das Bauen nicht die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen zerstört werden. Das beinhaltet natürlich unterschiedlichste Aspekte, die über den reinen Umweltschutz hinausgehen. 

Wie wichtig ist Nachhaltigkeit beim Bauen, was sind die allgemeinen Vorteile?

Christian Engel: Das Thema Nachhaltigkeit beim Bauen ist außerordentlich wichtig. Ca. 40% des Energie-und Ressourcenverbrauchs entfallen auf den Gebäudesektor! Ein Großteil des Energieverbrauchs entfällt dabei z.B. auf die Zementherstellung. Angesichts der Klimaveränderung aber vor allem auch der immer weiter fortschreitenden Zerstörung unserer Umwelt im Allgemeinen, nicht nur in Bezug auf das Klima, steht das Thema Nachhaltigkeit und nachhaltiges Bauen zu Recht ganz oben auf der politischen Agenda. Dabei wird die anstehende Bundestagswahl darüber entscheiden, in welche Richtung es gehen wird und ob Umwelt-und Klimaschutz seriös angegangen werden.

Was wären aus Ihrer Sicht sinnvolle Maßnahmen, die von der Politik angegangen werden sollten?

Christian Engel: Wie wäre es beispielsweise mit dem Ausstieg aus dem Beton zeitgleich zum Ausstieg aus der Kernkraft? Im Gegensatz zu Beton speichert Holz CO2, anstatt es in die Atmosphäre zu blasen. Stattdessen bauen wir immer noch Häuser aus Beton, um diese dann aufwendig mit Wärmedämmung einzupacken, die ähnlich energieaufwendig hergestellt wurde. Das, gepaart mit massiven Aufforstungsmaßnahmen wäre aus meiner Sicht eine sinnvolle Maßnahme. China hat in den letzten Jahren eines der größten Aufforstungsprogramme der Geschichte gestartet. So etwas würde ich mir auch für Deutschland wünschen. Diese neuen Wälder würden nicht nur CO2 speichern, sondern wären auch Lebensraum für Pflanzen und Tiere und zugleich Erholungsort für den Menschen.

Geht es beim nachhaltigen Bauen nur um den Umweltaspekt, oder gibt es andere Kriterien?

Christian Engel: Man unterscheidet die drei großen Teilbereiche, der sozialen, ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit. Der „Umweltaspekt“ ist eben nur ein Teilbereich, nämlich die ökologische Nachhaltigkeit. Wer das Thema ganzheitlich angeht, betrachtet eben auch den ökonomischen und sozialen Aspekt. Eine umweltfreundliche oder ökologische Architektur, die ökonomisch nicht tragbar ist, wird sich langfristig und nicht in der breiten Masse durchsetzen, aber genau darum muss es gehen. Einzelne Leuchtturmobjekte sind wegweisend und inspirierend, werden sich aber nicht durchsetzen, wenn sie nicht auch gleichzeitig bezahlbar bleiben. Darin liegt eine der großen Herausforderungen beim nachhaltigen Bauen.   

Bei Gewerbeimmobilien, so heißt es, wird noch nicht umfassend auf Nachhaltigkeit geachtet. Was hat der Markt vor?

Christian Engel: Da ich ausschließlich im Wohnungsbau tätig bin, kann ich hierzu keine wirklich valide Aussage treffen. Der Gewerbebau hätte allerdings aus meiner Sicht den Vorteil, dass er oft aus „leicht“ zu demontierbaren Stahlbauteilen besteht, ein Vorteil beim immer wichtiger werdenden Thema der Demontierbarkeit von Gebäuden. 

Welche Rolle nehmen Vermieter bei nachhaltigen Gebäuden ein? Welche Vorteile bietet die Vermietung nachhaltig errichteter Häuser?

Christian Engel: Vermieter müssen letzten Endes alle Maßnahmen zur energetischen Ertüchtigung von vor allem Bestandsimmobilien umsetzen, und zwar so, dass es sich für sie als Vermieter auch noch rechnet. Nachhaltig errichtete Häuser bieten einen nicht zu unterschätzenden Vermarktungsvorteil. Immer mehr Mieter legen Wert darauf, dass die Häuser, in denen sie wohnen, ökologisch und nachhaltig errichtet wurden und das nicht nur aus Überzeugung, sondern weil diese Häuser weniger Energie verbrauchen, damit Geld sparen und i.d.R. auch gesünder sind, weil in Ihnen natürliche Materialien wie Holz oder Lehm zum Einsatz kommen. Das Thema der Wohngesundheit geht Hand in Hand mit nachhaltigem, ökologischem Bauen und wird immer wichtiger. Wer möchte schon in einem Haus wohnen, dass krank macht.

Herr Engel, vielen Dank für das Gespräch!

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