Dr. Bernd Dedert: Vermieterfreundlich ist die Rechtslage in Deutschland nicht

Dr. Bernd Dedert ist Sprecher des Vorstands der BKM – Bausparkasse Mainz AG. Mit ihm sprechen wir über steigende Mietpreise, weniger Wohnraum sowie den Wohngipfel der Bundesregierung.

Der Wohngipfel der Bundesregierung ist vorüber. Im Vorfeld kündigt Justizministerin Lambrecht weitere Schritte an, sie will Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen strenger begrenzen. Sind Sie ebenfalls der Meinung, dass diese Umwandlung der erste Schritt zu Verdrängung ist oder haben Sie eine ganz andere Meinung?

Dr. Bernd Dedert

Dr. Bernd Dedert: Ich sehe staatliche Eingriffe in den freien Markt über Ge- und Verbote grundsätzlich kritisch. Wenn wir günstigeren Wohnraum benötigen, dann sollten wir grundsätzliche mit den Kräften des Marktes arbeiten. Und dazu gehört ein erhöhtes Wohnraumangebot. Begrenzungen und Verbote sorgen dafür, dass sich Investoren mit einem time-lag zurückziehen, womit ein erhöhtes Wohnraumangebot verhindert wird.

Ohne Frage hat die Politik seit 2018 einen hohen Tatendrang im Wohnungswesen. Beispielsweise wurde die Mietpreisbremse verlängert und zu viel gezahlte Miete kann bis zu 30 Monate in die Vergangenheit zurückverlangt werden. Zudem ist der Betrachtungszeitraum für die örtliche Vergleichsmiete bis zu einem Zeitraum von 6, statt bislang 4 Jahren verlängert worden. Wie wirken sich die Maßnahmen auf das Ziel aus, mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Dr. Bernd Dedert: Durch derartige Eingriffe des Staates in den freien Markt wird nur kurzfristig mehr günstiger Wohnraum geschaffen. Wir sehen jetzt aber schon, dass sich Investoren zurückhalten und damit das Wohnraumangebot sinken wird. Zudem werden Investitionen zur Einsparung des fossilen Energiebedarfes unterbleiben. Beides führt zu weniger und zu schlechterem Wohnraum.

Nach Berechnungen des Hannoveraner Pestel-Instituts stiegen die Kaltmieten von Wohnungen für Hartz4-Empfängern im Vergleichszeitraum von 2015 von 5,43€ auf im Jahr 2020 6,96€. Die Gewerkschaft IG BAU kritisierte, dass der Staat somit 1,9 Mrd. Eurp pro Jahr zu viel an Vermieter zahlt. Wäre das nicht tatsächlich besser verwendbar – eben z.B. für sozialen Wohnungsbau?

Dr. Bernd Dedert: Ich bin sehr dafür, dass der Staat mehr Mittel in den sozialen Wohnungsbau steckt. Damit beeinflusst der Staat das Angebot im Markt, ohne den Markt selbst außer Kraft zu setzen. Auf diese Weise wird der Anstieg der Mieten besser abgebremst als durch Ge- und Verbote.

Sehen Sie einen Zusammenhang zwischen steigenden Mieten und zu wenig Wohnraum? Würden Sie sagen, dass in Deutschland eine vermieterfreundliche Politik herrscht oder was könnte noch verbessert werden?

Dr. Bernd Dedert: Besonders vermieterfreundlich ist die Rechtslage in Deutschland nicht. Vor allem muss vermieden werden, dass jetzt mit weiteren staatlichen Restriktionen die Investitionsbereitschaft Schaden nimmt.

Worauf ist Ihr Unternehmen spezialisiert und welcher Form sind Sie von Wohnungsmarkt-Reformen betroffen?

Dr. Bernd Dedert: Wir, die Bausparkasse Mainz AG, sind Spezialbank für die private Baufinanzierung. Wir finanzieren nur Häuser und Wohnungen für Privatkunden, wobei es sowohl um Eigennutzung als auch Vermietung gehen kann. Wir begrüßen es nicht, wenn man Kunden, die sich zum Beispiel zur Altersvorsorge eine Wohnung mit Vermietungsabsicht gekauft haben, nunmehr die Flexibilität und Ertragsperspektive nimmt.

Herr Dedert, vielen Dank für das Gespräch!

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