Immobilien: Trend zur Urbanisierung – Helgen Rövenich (H. & F. Rövenich GmbH)

Helgen Rövenich ist Geschäftsführer der H. & F. Rövenich GmbH. Im Interview spricht er über die Preiszusammensetzung von Immobilien und vergleicht Landhaus mit Stadtwohnung.

Helgen Rövenich

Immobilien sind eine beliebte Geldanlage der Deutschen, aber die Preise für Immobilien liegen teils weit auseinander. Für eine Zweiraumwohnung in Berlin-Charlottenburg zahlt man so viel, wie für ein Haus mit Grundstück an manchen Rändern Berlins. Wie setzt sich der Preis einer Immobilie zusammen?

Helgen Rövenich: Citywohnungen haben in der Regel eine gut ausgebaute Infrastruktur. Alle Dienstleister und Kulturbetriebe sind fußläufig erreichbar. ÖPNV ist in der Nähe. Aufgrund dynamischer Bevölkerungsentwicklung und hoher Nachfrage bei begrenztem Angebot. Angebote sind nur begrenzt erweiterbar wegen fehlender Flächen.

Der Preis setzt sich zusammen aus Grundstückspreis (bei Wohnungen anteilig), Lage, Grundstücksgröße, Gebäudewert, Gebäudezustand, Ausstattung (einfach, mittel, gehoben), Wohn- und Nutzfläche, Keller, Garage, energetischer Zustand und evtl. Reparaturstau.

Was halten Sie für die bessere Geldanlage: Landhaus oder Stadtwohnung?

Helgen Rövenich: Immobilien sind Paradebeispiele für eine Geldanlage. Entscheidend ist immer die Lage und die individuellen Bedürfnisse (Arbeitsstelle, Kinder, Kultur-, Freizeitangebote etc.). Aus Investorensicht wird dieser die Stadtwohnung bevorzugen, da sie sich leichter handhaben lässt und Vermietungen kein Problem sind. Bei einem Haus auf dem Land muss man sich um vieles mehr kümmern (Reparaturen, Heizung, Garten, Schnee- und Eisräumung usw.), was bei einer Stadtwohnung i. d. R. durch eine Verwaltung erledigt wird.

Wohin der Trend Urbanisierung oder hat Corona zu mehr Landflucht geführt?

Helgen Rövenich: Eindeutig ja! Die Pandemie hat alles auf den Kopf gestellt. Die Menschen suchen Sicherheit. Ein größeres Sicherheitsgefühl gibt eben ein alleinstehendes Einfamilienhaus mit rundum Garten. Abzulesen ist dies auch an der großen Nachfrage und den gestiegenen Kaufpreisen. Auch nach der Corona-Krise werden mehr Menschen im Homeoffice arbeiten. Statt fünfmal pro Woche fährt man dann nur noch zweimal ins Büro. Eine halbe Stunde Fahrzeit nehmen die meisten für ein alternatives Wohnen außerhalb der Großstadt in Kauf.

Wie werden sich die Immobilienpreise für Häuser auf dem Land und in den Metropolen verändern?

Helgen Rövenich: Das Bevölkerungswachstum für Berlin nimmt nur noch leicht zu bzw. stagniert. Grundsätzlich bleibt es jedoch bei der Wohnungsknappheit, die einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Immobilienpreise hat. Wir rechnen jedoch in den kommenden Jahren mit einer moderaten Preisreduzierung in den Metropolen wie auch auf dem Lande.

Macht es bei den teils sehr hohen Preisen überhaupt noch Sinn, sich einen Kredit über 20-30 Jahren aufzubürden?

Helgen Rövenich: Die Zinsen sind extrem günstig. Mit einer Zinsfestschreibung von über 15 – 20 Jahren und etwa 20% Eigenkapital, kann man auch heute noch in Immobilien investieren. Besonders dann, wenn die Belastungen nicht wesentlich höher als eine vergleichbare Miete sind. Ein altes, aber heute noch gültiges, Kaufmannssprichwort sagt, „Im Einkauf liegt der Gewinn“. Die von Privatverkäufern zum Teil exorbitanten Kaufpreisforderungen muss man nicht akzeptieren. Maklerangebote, auch wenn der Makler Geld kostet, orientieren sich an der aktuellen Marktlage und sind oftmals deutlich günstiger.

Derzeit sind die Kreditinstitute bei der Immobilienfinanzierung allerdings sehr zurück haltend. Beleihungswertermittlung, schärfere Anforderungen an das Eigenkapital und das verschärfte Anfordern von Unterlagen verlängern die Phase der Kreditvergabe.

Herr Rövenich, vielen Dank für das Gespräch.

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