Lars Rupprecht: Kreditvergabekriterien wurden streng umgesetzt

Lars Rupprecht ist Geschäftsführer Regionalimmobilien24 GmbH. Mit ihm sprechen wir über steigende Preise für Wohnimmobilien, Auswirkungen auf die Kreditvergabe sowie mögliche Firmeninsolvenzen.

Die Preise für Wohn-Immobilien steigen seit Jahren, zudem steigen die Bauzinsen laut einer Studie von Interhyp. Dennoch sind Käufer scheinbar jeden Preis bereit zu zahlen, um die Immobilie erwerben. Ist das ein Trend, den Sie ebenso im geschäftlichen Alltag bestätigen können?

Lars Rupprecht: Wir haben ebenfalls beobachtet, dass die Preise für Wohnimmobilien kontinuierlich gestiegen sind. Dies betrifft sowohl die Bestandsimmobilien als auch den Neubau. In den letzten Monaten haben sich auf Grund von Engpässen bei der Materialbeschaffung vor allem Neubau- und Sanierungsvorhaben deutlich verteuert. Das Zinsniveau hat zwar zuletzt etwas angezogen, sich jedoch auf einem immer noch sehr niedrigen Niveau stabilisiert. Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist aus unserer Sicht immer noch höher als das Angebot. Auch wenn die gestiegenen Preise den ein oder anderen Käufer abschrecken, gibt es genügend Interessenten, die auch bereit sind, die aufgerufenen Kaufpreise zu zahlen.

Gibt es durch Corona Auswirkungen auf die Kreditvergabe bei Baukrediten und gibt es andere Fremdkapitalgeber als Banken für Bauherren?

Lars Rupprecht: In unserer täglichen Arbeit als Kreditvermittler spielen ausschließlich Banken als Kreditgeber eine Rolle. Wir können beobachten, dass die Banken bei der Kreditvergabe das Einkommen (Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, …) und die Bewertung der Immobilien (Wiederverkaufswert) kritischer prüfen.

Laut dem statistischen Bundesamt vergeben Banken Kredite in deutlich anderen Sphären als noch im vergangenen Jahr. Ist das angesichts der von Kurzarbeit und möglicher Firmeninsolvenzen ein Risiko?

Lars Rupprecht: Das Einkommensrisiko, also der eventuelle Wegfall des Arbeitsplatzes und die Alternativen dazu, spielen natürlich bei Beratung und Kreditprüfung eine zentrale Rolle. Wir haben schon den Eindruck, dass die Kreditvergabekriterien wie in den vergangenen Jahren streng umgesetzt werden.

Manche Fachleute meinen, dass das böse Erwachen meist in der Phase nach zehn Jahren kommt, wenn die Zinsbindung endet. Können Sie uns das näher erklären?

Lars Rupprecht: Die meisten Immobilienfinanzierungen haben Laufzeiten von 25-30 Jahren. Wenn man eine Zinsbindung von nur 10 Jahren wählt, muss der Kreditnehmer nach 10 Jahren eine neue Zinsvereinbarung mit der Bank treffen. Wenn dann allerding höhere Zinsen am Markt herrschen, steigt unweigerlich die Kreditrate. Das nennt man Zinsänderungsrisiko. Es kann daher sein, dass eine nach 10 Jahren höhere Rate nicht mehr bezahlbar ist. Daher entscheiden sich heute die meisten unserer Kunden für längere Zinsbindungen. Es sind Zinsbindungen bis 30 Jahre problemlos möglich. Damit kann man dieses Risiko minimieren bzw. ausschließen.

Könnten Sie sich Szenarien, wie die US-Immobilienblase von 2008, auch in Deutschland vorstellen?

Lars Rupprecht: Wir haben gelernt, dass wir sämtliche relevanten Risiken stets kritisch prüfen und nichts ausschließen sollten. Dennoch sehen wir in Deutschland eine andere Situation bei den Immobilienfinanzierungen als 2008 in den USA. Wenn, dann sehen wir evtl. zu hohe Bewertungen der Immobilien in Ballungsräumen. Des weiteren ist abzuwarten, welche mittel- bzw. langfristigen Folgen die Corona-Krise auf die Gewerbeimmobilien hat.

Herr Rupprecht, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.