Anke Chouadli-Franck: Sehnsucht nach dem Verstanden werden

Anke Chouadli-Franck ist zertifizierte Paartherapeutin in ihrer eigenen Praxis balancea in Frankfurt und Bad Kreuznach. Mit ihr sprechen wir über gelungene Kommunikation, faires Streiten sowie tragfähige Lösungen.

Anke Chouadli-Franck

Eine Paartherapie ist für viele Paare gar keine Option. Obwohl die Beziehung auf der Kippe steht, denken viele Partner, dass professionelle Hilfe nichts bringt. Was umfasst eine Paartherapie und welche Themen werden in den Sitzungen meistens behandelt?

Anke Chouadli-Franck: Sehr häufig geht es um gelungene Kommunikation oder faires Streiten. Die Menschen haben die Sehnsucht, wirklich vom anderen verstanden zu werden oder aus der Sackgasse von Konflikten ohne tragfähige Lösungen herauszukommen. Die Bandbreite der Themen erstreckt sich von gerechter Rollenaufteilungen über Krisen nach besonderen Ereignissen, bis hin zu Fremdgehen und Sexualität. Die Paarberatung oder auch Ehetherapie bietet die Chance mit professioneller Unterstützung die Chancen auszuloten, wie die Beziehung wieder auf gute Beine gestellt werden kann. Oder sie bringt Klarheit über den eigenen Weg und ermöglicht es, sich aus der zerrissenen Situation zu befreien. Wie läuft PT ab? Die Paartherapeutin klärt zunächst die jeweiligen Anliegen. Mit der Beschreibung der positiv formulierten Ziele werden die Weichen für die Aktivierung zu Lösungsfindung gestellt. Dann wird ein gemeinsamer Auftrag vereinbart, was das Paar verändern und erreichen möchte. Es kann darauf geschaut werden, welche der bisher versuchten Handlungsweisen hilfreich oder nicht zielführend waren. Mit einer qualifizierten Paartherapeutin ist es möglich, vorher ungeahnte Lösungen zu finden. Dies geschieht beispielsweise über Dialogübungen zur besseren Kommunikation und konstruktivem Streiten. Eine Expertin kann mit dem Blickwinkel von außen gepaart mit Kompetenz und Erfahrung gemeinsam mit dem Ratsuchenden auch verborgene und tieferliegende Ursachen für Belastungen aufspüren. Die Themen sind so individuell wie die Menschen. Es ist möglich mit jedem Anliegen anzufragen und in die Beratung kommen. Heutzutage können Gespräche vor Ort oder auch per Video-Beratung sich lohnen. Ich würde empfehlen die Chance auf Verbesserung der persönlichen Situation zu nutzen. Berits nach einem ersten Klärungsgespräch ist es leichter, die eigene Situation einzuordnen.

Die meisten Menschen treten Paartherapeuten:innen eher skeptisch gegenüber. Vielen Paaren fällt es schwer, mit einer fremden Person über ihre Beziehungsprobleme zu reden. Besonders wenn sich Partner nach der Sitzung wieder im Alltag befinden, neigen sie dazu, in alte Muster zu verfallen. Denken Sie, dass eine Paarberatung die Beziehung nachhaltig und positiv beeinflussen kann?

Anke Chouadli-Franck: Es ist verständlich, dass es ungewohnt ist, mit einer unbekannten Person über ein sehr persönliches Thema zu reden. Ich kann nur Mut machen, es trotzdem zu versuchen. Paartherapeut*innen sind es gewohnt, zu Beginn einen guten Kontakt aufzunehmen, damit Sie sich wohlfühlen und eine vertrauensvolle Basis für die Gespräche entsteht. Außerdem unterliegen Paartherapeut*innen der Schweigepflicht. Das bedeutet für Sie, dass Sie sich sicher sein können, dass ihre Äußerungen in dem geschützten Rahmen bleiben. Die neuen Erkenntnisschritte festigt das Paar, indem sie im Alltag mit Übungen erprobt werden. Dabei ist es zunächst ganz normal, dass nicht alles zu Hause gelingt. Ich ermutige die Paare, gerade die schwierigen Punkte dann wieder mit in den nächsten Termin zu bringen. Dann entwickeln wir dafür neue Ansatzpunkte. So werden die Paare in mehreren Schritten nachhaltig befähigt, das in den Sitzungen Erreichte auch wirklich dauerhaft im zukünftigen Alltag umsetzen zu können.

Welche Probleme führen Ihrer Erkenntnis nach Paare meistens in eine Therapie?

Anke Chouadli-Franck: Missverständnisse, Vorwürfe in der Kommunikation miteinander,

Streit ohne konstruktive Lösungen, oft mit lautstarken Auseinandersetzungen, der Wunsch nach modernen Rollen und einer geschlechtergerechten Beziehung,

Lebensgeschichtliche Ereignisse wie

– Geburt,

– Kinder, die aus dem Haus gehen,

– Rentenbeginn,

– schwere Krankheit, Unfall oder Todesfälle

Paare, die im gleichen Unternehmen arbeiten und privat und beruflich bis zu 24 Stunden den Alltag teilen, sexuelle Fragestellungen, Außenbeziehung oder Fremdgehen, Trennung oder Zusammenbleiben, Patchwork-Situationen, kulturelle Differenzen und Fragen des Einflusses von Herkunftsfamilien.

Muss man in einer Partnerschaft sein, um eine Paartherapie aufzusuchen oder kann man dies auch als Einzelperson tun, um eine Krisensituation zu entspannen?

Anke Chouadli-Franck: Die Person, die den Leidensdruck hat und etwas verändern möchte, kann auch allein zu einer Paartherapie oder Eheberatung kommen. Dann wird sie entweder darin unterstützt, dass die andere Person mit in die Beratung kommt. Oder Sie bekommt Unterstützung, wie sie von ihrem Standpunkt aus neue Lösungsideen entwickeln kann. Ich kann nur ermutigen, auch allein zu kommen. Man muss nicht weiter leiden, sondern kann auch unabhängig von dem Partner oder der Partnerin aktiv werden und die Situation verbessern. Außerdem können auch Singles eine Paartherapie nutzen, um mögliche Hindernisse für eine glückliche Beziehung vorzubereiten oder Schritte zur Anbahnung der Beziehung vorzubereiten.

Eine Therapiestunde kann bei einem seriösen Anbieter schon einiges kosten. In welchen Fällen kann die Krankenkasse einem Paar unter die Arme greifen?

Anke Chouadli-Franck: In Deutschland wird sowohl Paartherapie wie auch Ehetherapie leider nicht von der Krankenkasse übernommen. Häufig reichen bei der Paarberatung aber oft schon wenige Termine aus, um deutliche Verbesserungen oder sogar die gewünschte Veränderung zu erreichen. Sie investieren in die eigene Lebensqualität. Von den positiven Veränderungen können die Ratsuchenden dann ihr ganzes Leben lang profitieren. Der große Vorteil ist, dass die Investition in die Paartherapie ein Engagement in die dauerhafte Verbesserung der eigenen Lebensqualität bedeutet. Darüber hinaus kann es noch eine steuerliche Entlastung geben, denn Ehetherapie und Paartherapie ist absetzbar. Je nach persönlicher Situation kann es z. B. unter außergewöhnlichen Belastungen aufgeführt werden und zu finanzieller Entlastung führen.

Frau Chouadli-Franck, vielen Dank für das Gespräch!

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