Barbara Völlink: Am Anfang steht immer der Wunsch, etwas zu verändern

Barbara Völlink ist Inhaberin ihrer eigenen Praxis in München. Mit ihr sprechen wir über Offenheit für professionelle Hilfe, zwischenmenschliche Belange sowie Ziele einer Paartherapie.

Barbara Völlink

Eine Paartherapie ist für viele Paare keine Option. Obwohl die Beziehung auf der Kippe steht, denken viele Partner, dass professionelle Hilfe nichts bringt. Was umfasst eine Paartherapie und welche Themen werden in den Sitzungen meistens behandelt?

Barbara Völlink: Es gibt sicherlich Paare, die eine Paartherapie aus den unterschiedlichsten Gründen nicht als Option zur Rettung ihrer Beziehung in Betracht ziehen. Ich erlebe jedoch, dass die Offenheit dafür, sich professionelle Hilfe in zwischenmenschlichen Belangen zu suchen, seit Jahren zunimmt – und das aus gutem Grund. Am Anfang steht immer der Wunsch, etwas zu verändern. Selbsthilfe aus Ratgebern und gutgemeinte Tipps von Freunden und Familie führen bei festgefahrenen Mustern in der Partnerschaft nur selten zum Ziel. Denn oft hilft nur ein beratender Blick einer Expertin, um die Muster wirklich in ihrer Struktur zu verstehen und dann zu ändern. Bei einer Paartherapie werden konkret die persönlichen Ziele und Wünsche für die Partnerschaft angesprochen. Jeder hat die Möglichkeit, belastende Themen und Gedanken offen zu kommunizieren. Oft gibt es Begebenheiten, die noch nie innerhalb der Beziehung angesprochen wurden, aus Schamgefühl oder Angst vor der Reaktion des Partners. Bei mir gibt es den sicheren Raum, um alles anzusprechen. Somit bin ich Vermittlerin, Übersetzerin von kränkenden Worten und Gefühlen und Lehrerin für ein dauerhaftes, harmonischeres und wertschätzendes miteinander ohne, dass sich eine Person für den anderen verbiegen muss. Die häufigsten Themen, die mir in meiner Praxis begegnen sind Streit, Kommunikationsschwierigkeiten und Sexualität.

Die meisten Menschen treten Paartherapeuten:innen eher skeptisch gegenüber. Vielen Paaren fällt es schwer, mit einer fremden Person über ihre Beziehungsprobleme zu reden. Besonders wenn sich Partner nach der Sitzung wieder im Alltag befinden, neigen sie dazu, in alte Muster zu verfallen. Denken Sie, dass eine Paarberatung die Beziehung nachhaltig und positiv beeinflussen kann?

Barbara Völlink: Ein Therapeut:in ist zu Beginn natürlich eine fremde Person, daher müssen das Paar und der Therapeut:in sich zunächst einmal kennenlernen, um entscheiden zu können, ob sie ihre Beziehungsprobleme mit dieser noch unbekannten Person besprechen möchten. Ich biete hierzu ein unverbindliches Kennenlerngespräch an. In diesem Gespräch beschreibt mir das Paar, welche Probleme in ihrer Beziehung bestehen und welche Erwartungen und Wünsche sie an die Therapie haben. Ich erkläre meine Art, therapeutisch mit dieser Problematik zu arbeiten. Somit kann das Paar entscheiden, ob es sich bei mir in guten Händen fühlt und Vertrauen zu mir aufbauen kann. Besteht diese Grundvoraussetzung, ist es für die Klienten oft sehr erleichternd, mit mir über persönliche Beziehungsproblematiken zu sprechen. Die Ziele der Therapie werden klar formuliert und entsprechen den individuellen Bedürfnissen des Paares. Im Zuge der Therapiegespräche beobachte und analysiere ich das Verhalten meiner Klienten sehr genau. Was sind die eigentlichen Beziehungsprobleme und was sind die Ursachen? Ich lasse mir aktuelle Lebenssituationen, Biografien, die Kindheit und das Beziehungsleben der Eltern beschreiben. Durch all dieses Aspekte kann das eigene Verhalten in einer Partnerschaft maßgeblich beeinflusst werden. Dementsprechend wähle ich geeignete Therapiemethoden aus, die ich innerhalb der Sitzung anwende. Während der Sitzung werden Verhaltensänderungen besprochen und geübt, wie es z.B. möglich ist problematische Lebenssituation auch ohne ausartenden Streit und Stress zu bewältigen. Das wird zur gemeinsamen Hausaufgabe des Paares. Gelingt eine Hausaufgabe nicht, werden die Gründe analysiert, warum es nicht anders geht. Das Paar lernt durch Verhaltensänderungen, den täglichen Umgang miteinander positiver zu gestalten. Die alten Muster werden durchbrochen und die Beziehung nachhaltig positiv beeinflusst. Grundbedingung hierfür ist immer, dass beide an einer positiven Veränderung innerhalb der Beziehung interessiert sind. Wenn das so ist, beobachte ich bei meinen Klienten häufig schon nach wenigen Sitzungen positive alltägliche Veränderungen und mehr Zuwendung zum Partner.

Welche Probleme führen Ihrer Erkenntnis nach Paare meistens in eine Therapie?

Barbara Völlink: Mit allen Themen, die Paare betreffen! Ganz oft kommen Paare zu mir, die schlichtweg Schwierigkeiten damit haben, offen miteinander zu kommunizieren. Es findet kein regelmäßiger Austausch über eigene Wünsche, Bedürfnisse, Pläne und Hoffnungen statt, obwohl das ein sehr wichtiges Fundament für eine Beziehung ist. Somit wird keine Nähe mehr zum Partner erlebt. Das führt bei vielen zu einer giftigen Beziehungsatmosphäre mit ständigen Streitereien und Vorwürfen, häufig wegen Banalitäten und sich immer wiederholenden Themen. In der Therapie liegt dann die Chance, die tieferliegenden Ursachen für diese Probleme aufzuarbeiten und diese dann endlich hinter sich zu lassen. Sexualität ist ebenso ein wichtiges Thema – hier spielen in den meisten Fällen Unzufriedenheit durch nicht unerfüllte Wünsche und Bedürfnisse eine große Rolle. Auch wenn ein Partner fremdgeht, entsteht fast ausnahmslos eine große Krise in der Beziehung. Hier wirke ich deeskalierend und helfe dem Paar, wieder Vertrauen zueinander aufzubauen. Ein sehr emotionales Thema in der Paartherapie ist zuletzt das Thema Trennung. Häufig entscheiden sich Paare leider erst zu einer Paartherapie, wenn ein Partner die Trennungsabsicht schon ausgesprochen hat und somit eine Trennung unmittelbar bevorsteht. Die Therapie wird somit zu einem letzten Rettungsanker.

Manchmal lässt sich eine Beziehung nicht mehr retten. In diesen sehr emotionalen Sitzungen ist mein Ziel, die Trennung so zu begleiten, dass es zu einem friedlichen und wertschätzenden Ende der Beziehung kommt und ein Rosenkrieg vermieden wird.

Muss man in einer Partnerschaft sein, um eine Paartherapie aufzusuchen oder kann man dies auch als Einzelperson tun, um eine Krisensituation zu entspannen?

Barbara Völlink: Es besteht auch für Einzelpersonen die Möglichkeit bei einer Paartherapeutin Themen aus dem Bereich Beziehung und Partnerschaft zu besprechen.

Themen können sein: wie führe ich eine dauerhafte Beziehung? Warum werde ich immer wieder verlassen? Was ist mein Anteil am Scheitern meiner letzten Beziehung? Warum kann ich nicht allein sein?

Eine Therapie kann helfen, schlimmen Liebeskummer zu überwinden und die Trennung besser zu verstehen und zu verarbeiten. Ein wiederkehrendes Thema in der Einzeltherapie ist auch die Trennung von einem Narzissten, die häufig mit viel Leid verbunden ist.

Wenn es in einer Beziehung immer wieder zu Krisensituation kommt, weil ein Partner in manchen Situationen unverhältnismäßig stark reagiert, z.B. durch Aggressionen oder auch extreme Eifersucht ist es sinnvoll, auch teilweise ohne Partner an diesen Themen zu arbeiten. 

Eine Therapiestunde kann bei einem seriösen Anbieter schon einiges kosten. In welchen Fällen kann die Krankenkasse einem Paar unter die Arme greifen?

Barbara Völlink: Die Kosten für eine Paartherapie müssen die Betroffenen im Allgemeinen selbst tragen. Eine Kostenerstattung durch eine gesetzliche oder auch private Krankenkasse erfolgt nur, wenn ein Partner nachweislich an einer psychischen Störung leidet. Aus Sicht der Krankenkassen liegt bei einer klassischen Psychotherapie, eine seelische Erkrankung bzw. Störung „mit Krankheitswert“ vor. Bei einer Therapie von Paar handelt es sich aus Sicht der Krankenkassen nicht um eine Psychotherapie im engeren Sinn, sondern um das Lösen von zwischenmenschlichen Konflikten und Schwierigkeiten. Dieser Sachverhalt wird nicht als psychische Störung und Gegenstand der Heilkunde angesehen. Anlaufstellen für eine kostengünstige oder auch kostenlose Paartherapie sind städtische Beratungsstellen wie die Caritas, das Diakonische Werk, Pro Familie und kirchliche Träger.

Frau Völlink, vielen Dank für das Gespräch!

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