Daniela Geiger: Ein reiner Kommunikationsansatz wird torpediert

Daniela Geiger ist Inhaberin der Praxis Daniela Geiger in München. Mit ihr sprechen wir über individuelle Paartherapie, Bindung des Paares sowie strittige Themen.

Daniela Geiger

Eine Paartherapie ist für viele Paare gar keine Option. Obwohl die Beziehung auf der Kippe steht, denken viele Partner, dass professionelle Hilfe nichts bringt. Was umfasst eine Paartherapie und welche Themen werden in den Sitzungen meistens behandelt?

Daniela Geiger: Eine individuelle Paartherapie entwickelt sich entlang der Themen, die ein Paar mitbringt. Auf welcher Ebene diese besprochen und bearbeitet werden, hängt von der angewandten Methodik ab. Mein paartherapeutischer Ansatz orientiert sich an EFT, der emotional-fokussierten Paartherapie. Fokus sind die Bindung des Paares, die die Basis für ein erfüllendes Paarerleben bietet und das negative Muster des Paares, das diese verhindert.

Dies ist tiefgreifend und daher nachhaltig. Ein reiner Kommunikationsansatz wird torpediert, sobald negative Emotionen wieder dazukommen. D.h. bevor die strittigen Themen, die das Paar äußerlich in die Paartherapie bringen, inhaltlich besprochen werden können, braucht es zuerst eine andere Begegnungsebene. In dieser (wieder) tieferen Verbindung können dann die strittigen Themen angegangen werden.

Die meisten Menschen treten Paartherapeuten:innen eher skeptisch gegenüber. Vielen Paaren fällt es schwer, mit einer fremden Person über ihre Beziehungsprobleme zu reden. Besonders wenn sich Partner nach der Sitzung wieder im Alltag befinden, neigen sie dazu, in alte Muster zu verfallen. Denken Sie, dass eine Paarberatung die Beziehung nachhaltig und positiv beeinflussen kann?

Daniela Geiger: Ich kann die Skepsis vor einer Paartherapie gut verstehen. Sich zu zeigen und zu öffnen ist eine Sache des Vertrauens, das sich in den gemeinsamen Sitzungen oft erst entwickelt. Sowohl zum Therapeuten/zur Therapeutin als auch zum Prozess.

Negative Emotionen haben keinen Schalter und solange sie noch aktiv sind, kann man als Paar weiterhin in die sehr gut geübten alten Verhaltensweisen verfallen. Paartherapie lebt vom gemeinsamen Werden und von der beidseitigen Suche nach einer Veränderung.

Meine Erfahrung ist: Wenn ausgelöste negative Emotionen wieder in gegenseitiges positives Erleben gewandelt, Kränkungen und Verletzungen erlöst werden und beide wieder in einer sicheren Bindung lustvoll leben – dann ist sehr viel gewonnen.

Welche Probleme führen Ihrer Erkenntnis nach Paare meistens in eine Therapie?

Daniela Geiger: Im Endeffekt fehlende Verbindung. Ein Partner mag dies auf emotionaler Ebene vermissen: z.B. im nicht Gehört oder Gesehen werden. Ein anderer Partner auf körperlicher Ebene: z.B. bei fehlender oder nicht erfüllender Sexualität. Ein nächster auf geistiger Ebene, wenn z.B. ein Paar zwar ein gutes Team ist, es jedoch ansonsten an Paar-Begegnung und Austausch fehlt. Äußere Themen – Erziehung, Haushalt, Macht, Betrug, Sex – bringen die Beiden in Paartherapie, dahinter stecken aber tieferliegende Themen wie Kränkungen, Verletzungen, Einsamkeit etc., die einer wirklichen Wieder-Begegnung im Weg stehen.

Muss man in einer Partnerschaft sein, um eine Paartherapie aufzusuchen oder kann man dies auch als Einzelperson tun, um eine Krisensituation zu entspannen?

Daniela Geiger: Hier gibt es verschiedene Meinungen dazu; meiner Erfahrung nach kann es sehr helfen, wenn bereits ein Partner bei sich ansetzt, sprich: seine Emotionen und Anteil des Musters erkennen, die Verantwortung dafür übernimmt und daran arbeitet. Dies kann die gemeinsame Dynamik bereits verändern. Jedoch liegt das Gelingen für die Paar-Thematik bei beiden. Möchte sich ein Partner hier gar nicht bewegen und sucht die Schuld nur beim anderen, sind dem gemeinsamen Prozess Grenzen gesetzt.

Eine Therapiestunde kann bei einem seriösen Anbieter schon einiges kosten. In welchen Fällen kann die Krankenkasse einem Paar unter die Arme greifen?

Daniela Geiger: Das Kriterium der Krankenkasse ist die medizinische Notwendigkeit, d.h. für die Kostenübernahme braucht es eine Krankheitsdiagnose bei mindestens einem der Partner, z.B. eine psychische Krankheit, eine Suchtdiagnose etc.

Wir hoffen, dass es der Gesundheitspolitik möglich wird, hier weitsichtiger zu denken und auch „emotionale Not in der Partnerschaft“ als Kriterium für eine (präventive) Kostenerstattung anzuerkennen.

Frau Geiger, vielen Dank für das Gespräch!