Dr. med. Antonio Kantchew-H.: Impfung als wichtiger Schritt in Richtung Virusbekämpfung

Dr. med. Antonio Kantchew-H. ist Facharzt für Allgemeinmedizin in Dresden. Mit ihm sprechen wir über Schnelltests, Sicherheit sowie den möglichen Impfpass.

Unser Alltag ist nicht mehr der gleiche. Beschränkungen bestimmen unser Zusammenleben. Schnelltests könnten die Wende bringen. Glauben Sie das auch?

Dr.med. Antonio Kantchew-H.

Dr. med. Antonio Kantchew-H.: Schnelltests können eine Infektion unter der Bedingung der richtigen Testanwendung und der jeweiligen Testgenauigkeit anzeigen. Danach benötigt man jedoch weiter einen PCR-Abstrich im Labor zur Bestätigung. Wenn der Mensch positiv ist, folgt eine Quarantäne. Nach dem Prinzip können COVID-positive Menschen „herausgefischt“ werden und so soll dann durch Quarantäne eine Weiterverbreitung des Virus verhindert werden. Das kann gewiss den Virus in bestimmte Schranken weisen, jedoch muss man dabei die Kosten und den Aufwand auch bedenken. Eine Impfung hingegen erscheint dabei ein wichtiger Schritt in Richtung Virusbekämpfung. Nicht nur die Verhinderung der Erkrankung, sondern auch die Verhinderung der weiteren Virusübertragung, ist hier eine große Chance die Pandemie zu stoppen und so auch eine Öffnung der Wirtschaft und Erhalt von Arbeitsplätzen zu sichern. Testung kann hierbei nur ein erster Schritt zur Eindämmung sein – die Impfung ist dann die effektive Problemlösung. Hierbei ist es jetzt an der Zeit und wichtig die Hausarztpraxen schnellstmöglich einzubeziehen um den Impfstoff in die Fläche und Masse zu bringen. Wenn wir diesen Sprung nicht schaffen wird der Lockdown und weiterverfolgen. Ich möchte die nicht nur auf die gesundheitlichen Probleme mit der akuten Infektion hinweisen sondern auch auf Erkrankungszustände nach durchgemachter vermeintlich leichter Infektion, dem sogenannten Post-COVID, hinweisen und auch den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie nicht außer Acht lassen.

Wie funktionieren Schnelltests? Und wie sicher sind die Ergebnisse?

Dr. med. Antonio Kantchew-H.: Schnelltests basieren auf dem Prinzip wie Schwangerschaftstests als sogenannter Point-of-care-Test. Die Probe wird mittels Abstrich mit einem Tupfer im Rachen oder der Nase entnommen und mit einer Pufferlösung aufbereitet. Dann wird die Probeflüssigkeit auf einen Streifen geträufelt und auf diesem Streifen zeigt sich dann eine Farbreaktion bei positivem Ergebnis mit vorhandenen Viruspartikeln und der Reaktion mit auf dem Teststreifen befindlichen Markierungsteilchen (Antikörpern). Der Kontrollstreifen zeigt beim Teststreifen an, dass der Test technisch funktioniert. Also wir beim Schwangerschaftstest – zwei rote Streifen verheißen ein positives Testergebnis. Die Genauigkeit dieser Schnelltests hängt von den Herstellern und der verwendeten Pufferlösungen als auch der Markierungsteilchen (Antikörper) ab. Das BFARM hat hierzu eine Tabelle der zugelassenen Tests. Die Spucktests (eigentlich Gurgeltest) funktionieren nach demselben Schlüssel-Schloss-Prinzip sind aber wahrscheinlich nicht so genau. Im praktischen Alltag scheint es jedoch auch bei einigen Anbietern Diskrepanzen vom angegebenen Werten der Sensitivität und Spezifität zu den im Alltag getesteten Ergebnissen zu geben. Also am sichersten ist der PCR-Test im Labor, dann kommt der Abstrich-Schnelltest und dahinter der Spucktest.

Wie könnten Sie im Alltag eingesetzt werden, dass man nicht mehr zwischen geimpften und nichtgeimpften beispielsweise mittels eines Impfpasses entscheiden müsste?

Dr. med. Antonio Kantchew-H.: Schnelltests können eine gewisse Sicherheit bieten, um z.B. bei Konzertbesuchen den Menschen solche Events im gewissen Rahmen zu ermöglichen. Eine 100% Sicherheit gibt es hier jedoch nicht da der Test nur das messen kann was er zu diesem Zeitpunkt der Beprobung erfassen kann. Wenn ein Mensch frisch infiziert ist kann es sein, dass der Schnelltest diese Infektion nicht erfasst und bei einem z.B. Konzertbesuch das Virsu weitergibt. Hier scheint nur die Impfung die Bevölkerung vor einer weiteren Verbreitung zu schützen. Deshalb noch einmal, die Testung kann nur eine vorübergehende Hilfe zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Öffnung sein.

Wer trägt die Kosten für Schnelltests? Krankenkasse oder Verbraucher?

Dr. med. Antonio Kantchew-H.: Wenn wir davon ausgehen das ein Schnelltest so etwa zwischen 5 und 20 € kostet, so im günstigen Schnitt nehmen wir mal 8€. Dann lassen sich 5 Prozent wegen Arbeit, Veranstaltungsbesuche oder derartiger Anlässe täglich testen. Dann ergibt sich eine Summe von über 30 Mio € – das erscheint mir auf die Dauer recht viel, unabhängig ob es die Kasse oder der Verbraucher selbst bezahlen soll. Eine Impfung kostet etwa 2 bis 15 € pro Dosis je nach Impfstoff – das halte ich für den vernünftigen langfristigen Ansatz.

Hand aufs Herz: Haben Sie als erfahrener Mediziner eine Meinung wie wir aus der Pandemie in unseren Alltag zurückfinden?

Dr. med. Antonio Kantchew-H.: Die Testung kann nur eine Krücke auf dem Weg der Genesung aus der Pandemie sein. Die Lösung des Problems liegt in der Impfung. Wir haben zurzeit 3 zugelassene und wirksame Impfstoffe in Europa. Wir müssen es jetzt schaffen diese so schnell wie möglich an den Mann und die Frau zu bringen. Das geht mit gut geschultem Personal in den Arztpraxen. Wir haben uns in unserem Team auf die Impfaktion vorbereitet und wollen so schnellstmöglich unseren Beitrag zur Genesung der Gesellschaft beisteuern. Nur so können wir nicht nur die Gesundheit von tausenden Mitmenschen schützen, sondern uns auch in Deutschland so auch in Europa vor einer wirtschaftlichen Krise mit drohender Arbeitslosigkeit.

Herr Kantchew-H, vielen Dank für das Gespräch!

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