Dr. Müller-Dannecker: Gleichstellung von Menschen beginnt beim Sprechen

Frau Dr. Eva Müller-Dannecker ist Leiterin des Vivantes Ressorts für Personal- und Organisationsentwicklung. Im Interview sprechen wir mit ihr über Vielfalt, offene Unternehmenskultur sowie gendergerechte Sprache.

Die FAZ und die Hochschule Darmstadt haben in einer Umfrage herausgefunden, dass 16 von 30 DAX-Unternehmen die Einführung von gendergerechter Sprache planen. Wie ist Ihre Meinung dazu?

Dr. Müller-Dannecker: Vivantes als Deutschlands größtes kommunales Krankenhausunternehmen engagiert sich seit seiner Gründung für Vielfalt und eine offene Unternehmenskultur – dazu gehört auch eine gendergerechte bzw. genderinklusive Sprache, denn die Gleichstellung von Menschen verschiedener Geschlechter, Herkunft, sexueller Orientierung, Religion oder mit Handicap beginnt beim Sprechen.

Gendergerechte Sprache soll Diskriminierung verhindern, plant Ihr Unternehmen ähnliche Maßnahmen und welche Diskriminierungsprävention nutzen Sie?

Dr. Müller-Dannecker: Bei der genderinklusiven Sprache geht es Vivantes nicht nur um Vielfalt als Wert, sondern auch darum, wirklich alle rund 17.800 Menschen aus dem Unternehmen zu erreichen. Denn im herausfordernden Wettbewerb um Fachkräfte können wir es uns schlicht nicht „leisten“, wenn sich potentielle neue Mitarbeitende nicht repräsentiert fühlen. Gleiches gilt auch intern für die langfristige Bindung von Mitarbeitenden, die u.a. auch über die Sprache einbezogen werden.

Haben Sie bereits gendergerechte Sprache intern bzw. in der Kommunikation mit Kunden eingeführt? 

Dr. Müller-Dannecker: Vor vier Jahren hat Vivantes einen Leitfaden für gendergerechte Sprache als Handlungsempfehlung für Mitarbeitende erstellt, um Impulse für den bewussten Umgang mit Sprache zu geben und als praktische Anleitung zu dienen. Der Text gibt konkrete Beispiele und kann auch zur Überprüfung von eigenen Texten oder Formularen genutzt werden. Mit der Charta der Vielfalt, der Charta der Gleichstellung oder der Arbeitgeberdeklaration #positivarbeiten, initiiert durch die Deutsche Aidshilfe, bekennt sich Vivantes bereits seit vielen Jahren zu Vielfalt und setzt klare Zeichen gegen jede Form von Diskriminierung. Diversity und Inklusion sind zudem fest im Leitbild des Unternehmens verankert und Bestandteil der erst kürzlich beschlossenen Vivantes Strategie 2030.

Glauben Sie, dass gendergerechte Sprache bei Kunden besser ankommt und damit dem Absatz steigern kann?

Dr. Müller-Dannecker: Vor einigen Tagen hat Vivantes die Gründung eines Diversity-Rates beschlossen. In dem neu geschaffenen Netzwerk werden Mitarbeitende aus den Klinikstandorten und Tochterunternehmen vertreten sein, um nach dem Prinzip eines Think Tanks neue Initiativen und Projekte zu entwickeln und im Unternehmen umzusetzen.

Wie hoch ist der Frauenanteil in Ihrem Unternehmen? Und verdienen Frauen bei Ihnen so viel, wie die Männer im gleichen Beruf?

Dr. Müller-Dannecker: Etwa 72 Prozent der Vivantes Mitarbeiter*innen sind Frauen. In Führungspositionen ist dieser Anteil jedoch wesentlich geringer. Vivantes hat daher das Ziel, mehr Frauen in Spitzenpositionen zu fördern. Der Anteil von Frauen in leitenden Positionen soll in allen Bereichen auf mindestens 50 Prozent erhöht werden. Dafür hat das Unternehmen auch ein Mentoring-Programm für Ärztinnen ins Leben gerufen. Neue flexible Arbeitszeitmodelle und Shared-Leadership-Konzepte sollen zudem eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben ermöglichen.

Frau Müller-Dannecker, vielen Dank für das Gespräch!

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