Elke Lechthaler: Eigene Beziehungsdynamik bewusst machen

Elke Lechthaler ist Diplom-Psychologin und Systemische Therapeutin in Frankfurt am Main. Mit ihr sprechen wir über Paartherapie, verstehen von Problemfeldern sowie herausarbeiten von Zielen.

Elke Lechthaler

Eine Paartherapie ist für viele Paare gar keine Option. Obwohl die Beziehung auf der Kippe steht, denken viele Partner, dass professionelle Hilfe nichts bringt. Was umfasst eine Paartherapie und welche Themen werden in den Sitzungen meistens behandelt?

Elke Lechthaler: Im Rahmen einer Paartherapie unterstütze ich meine Klient:innen dabei, sich ihre eigene Beziehungsdynamik bewusst zu machen und ihre Problemfelder besser zu verstehen. Dadurch begreifen sie sowohl ihre eigene »Welt« besser, als auch die des anderen und können somit wieder leichter miteinander über Wünsche und Bedürfnisse sprechen. Sie erkennen dadurch klarer, welche die nächsten Schritte miteinander sein könnten. Gemeinsam erkunden wir die Faktoren, die mit der Entstehung der Probleme im Zusammenhang stehen und die Entwicklung der Beziehung blockieren. Ein zentraler Punkt ist für mich das Herausarbeiten der Ziele für die Paarberatung. Ich helfe den Beteiligten, festgefahrene Kommunikationsmuster zu erkennen, zu unterbrechen und neue Wege der Verständigung zu entwickeln. Dabei versuche ich zum Beispiel, die unterschwelligen „Botschaften“ herauszuhören, die sich oftmals hinter Vorwürfen verbergen. Manchmal kann eine Paarberatung auch dazu dienen, herauszufinden, ob ein Paar weiterhin zusammenbleiben oder sich trennen möchte. Im Verlauf eines Paarberatungsprozesses können jeweils auch ergänzend Einzelsitzungen mit mir in Anspruch genommen werden, um mögliche eigene Themen zu klären.

Häufige Themen, die behandelt werden sind u.a.:

wichtige Wünsche werden in der Partnerschaft nicht mehr angesprochen und / oder erfüllt

Ziele oder Pläne für die Zukunft gehen weit auseinander

es gibt kaum noch gemeinsame Interessen

das Gefühl, sich fremd zu werden, herrscht vor

es existiert zu wenig körperliche und / oder emotionale Nähe

es herrscht Unzufriedenheit mit der Rollenaufteilung innerhalb der Beziehung

es gibt Zweifel an der Beziehung und Trennungsabsichten

Unzufriedenheit mit der gemeinsamen Sexualität belastet die körperliche Beziehung

es gibt einen ungeklärten oder unerfüllten Kinderwunsch

Konflikte können nicht gelöst werden, weil die Kommunikation nicht funktioniert

Probleme nach oder durch Elternschaft belasten das Miteinander

Die meisten Menschen treten Paartherapeuten:innen eher skeptisch gegenüber. Vielen Paaren fällt es schwer, mit einer fremden Person über ihre Beziehungsprobleme zu reden. Besonders wenn sich Partner nach der Sitzung wieder im Alltag befinden, neigen sie dazu, in alte Muster zu verfallen. Denken Sie, dass eine Paarberatung die Beziehung nachhaltig und positiv beeinflussen kann?

Elke Lechthaler: Eine Paarberatung kann eine Beziehung in dem Fall nachhaltig und positiv beeinflussen, wenn dem Paar bewusst geworden ist, welchen Beitrag zur Entstehung der Probleme jede:r Beteiligte leistet. Es gehört natürlich auch die Bereitschaft dazu, etwas verändern zu wollen und die Disziplin, die in der Paarberatung erarbeiteten alternativen Handlungsmöglichkeiten bewusst immer wieder anzuwenden – auch wenn sich zwischendrin mal wieder alte Muster einschleichen wollen.

Welche Probleme führen Ihrer Erkenntnis nach Paare meistens in eine Therapie?

Elke Lechthaler: In erster Linie ist dies eine nicht (mehr) funktionierende Kommunikation. Häufig reden die Beteiligten aneinander vorbei und es ist nicht möglich, sich verständlich zu machen, oder verstanden zu werden. Es ist so, als würde das Paar unterschiedliche Sprachen sprechen. Mit Kommunikation ist dabei aber nicht nur das gesprochene Wort gemeint, sondern auch ein liebevoller Umgang miteinander im Alltag und Sexualität. Sehr häufig ist auch das Thema „ungeklärter oder unerfüllter Kinderwunsch“ oder das Aufdecken einer Außenbeziehung.

Muss man in einer Partnerschaft sein, um eine Paartherapie aufzusuchen oder kann man dies auch als Einzelperson tun, um eine Krisensituation zu entspannen?

Elke Lechthaler: Es ist auch möglich, als Einzelperson an Beziehungsthemen zu arbeiten. Wenn eine Person innerhalb eines Systems etwas ändert, wird sich das System an die Veränderung anpassen, um wieder ein neues Gleichgewicht herzustellen. Systeme streben nach einem Zustand von Balance. Eine Beziehung ist ein System.

Eine Therapiestunde kann bei einem seriösen Anbieter schon einiges kosten. In welchen Fällen kann die Krankenkasse einem Paar unter die Arme greifen?

Elke Lechthaler: Paartherapie zählt nicht zur Kategorie Psychotherapie. Deshalb werden die Kosten auch nicht von den gesetzlichen oder privaten Krankenkassen übernommen. Eine Ausnahme ist möglich, wenn eine:r der Partner:innen unter einer psychischen Störung mit Krankheitswert leidet. Ansonsten gibt es auch die Möglichkeit, bei Familienberatungsstellen, Caritas oder der Diakonie Termine für Paarberatung in Anspruch zu nehmen. Dort ist die Beratung meist kostenlos.

Frau Lechthaler, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.