Felicitas v. Alberti: Hilfe ist nötig, wenn der Motor stottert, nicht erst, wenn er stehen bleibt

Felicitas v. Alberti ist Diplom-Psychologin in ihrer Praxis in Stuttgart. Mit ihr sprechen wir über Paartherapie als letzte Möglichkeit, Notwendigkeit professioneller Hilfe sowie Themen einer Paartherapie.  

Eine Paartherapie ist für viele Paare gar keine Option. Obwohl die Beziehung auf der Kippe steht, denken viele Partner, dass professionelle Hilfe nichts bringt. Was umfasst eine Paartherapie und welche Themen werden in den Sitzungen meistens behandelt?

Felicitas v. Alberti: Glücklicherweise ist Paartherapie in den letzten Jahren für mehr Menschen denkbar geworden. Leider oft als allerletzte Möglichkeit – d.h. womöglich zu spät. Salopp ausgedrückt: Professionelle Hilfe ist nötig, wenn der Motor stottert, nicht erst, wenn er stehen bleibt. Inhalte und Dauer einer Paartherapie sind individuell und richten sich nach den Bedürfnissen des Paares. Themen werden angesprochen, nicht aufgezwungen.

Die meisten Menschen treten Paartherapeuten:innen eher skeptisch gegenüber. Vielen Paaren fällt es schwer, mit einer fremden Person über ihre Beziehungsprobleme zu reden. Besonders wenn sich Partner nach der Sitzung wieder im Alltag befinden, neigen sie dazu, in alte Muster zu verfallen. Denken Sie, dass eine Paarberatung die Beziehung nachhaltig und positiv beeinflussen kann?

Felicitas v. Alberti: Ja, es kann zunächst schwer fallen, mit einer fremden Person über Privates zu reden, aber diese Person ist neutral! Freunde und Familie sind das eher nicht. Natürlich muss die Chemie stimmen. Deshalb entscheidet das Paar und auch ich nach dem Erstgespräch, ob wir weiter zusammenarbeiten möchten. Paarberatung kann positive und nachhaltige Veränderungen anstoßen! Ich erlebe es immer wieder, aber nicht immer.

Hilfreich ist, wenn ein Paar ein gemeinsames Ziel – d.h. einen Auftrag an mich – mitbringt oder entwickelt. Wenn jeder meint, dass nur der andere etwas verändern muss, wird es schwieriger. Ein Zurückfallen in alte Verhaltensmuster wird bearbeitet und ist kein Grund aufzugeben. Auch mit zwei Schritten vor und einem zurück kommt man voran. Paargespräche finden in Abständen statt, die Zeit zum Erproben im Alltag lassen.

Welche Probleme führen Ihrer Erkenntnis nach Paare meistens in eine Therapie?

Felicitas v. Alberti: Das kann je nach Alter der Partner und der Beziehungsdauer sehr unterschiedlich sein. Junge (neue) Paare versuchen frühzeitig eine Kurskorrektur.

Paare in der „Rushhour des Lebens“ nehmen sich zu wenig Zeit für ihre Beziehung. Das Paarsein bleibt auf der Strecke, man führt als Partner ein ´Familienunternehmen´ oder lebt

nebeneinander statt miteinander. Ältere Paare müssen mit dem leeren Nest, dem Abschied vom Beruf fertig werden und suchen eine neue Perspektive – nicht immer zusammen.

Generell werden am häufigsten ´Kommunikationsprobleme´ genannt: Wir können nicht mehr miteinander reden, wir streiten nur – oder nicht mal mehr das – und Sex haben wir auch keinen. Manchmal möchten Paare auch klären, ob Trennung die bessere Alternative ist.

Da können Paargespräche durchaus zu mehr Frieden und Fairness beitragen.

Muss man eine Paartherapie als Paar aufsuchen oder kann man im Krisenfall

auch allein kommen?

Felicitas v. Alberti: Es ist schon besser, wenn ein Paar gemeinsam kommt. Falls ein Partner nicht mitkommen will oder das aus anderen Gründen nicht möglich ist, kann man auch ein Einzelgespräch führen. Eine Paartherapie wird daraus nicht unbedingt. Bei Einzelklienten könnte z.B. die Begleitung in einem Trennungsprozess der Auftrag sein oder Themen wie „ich finde niemand“, „meine Beziehungen scheitern immer wieder“.

Eine Therapiestunde kann bei einem seriösen Anbieter schon einiges kosten. In welchen Fällen kann die Krankenkasse einem Paar unter die Arme greifen?

Felicitas v. Alberti: Der ´Patient´ in einer Paartherapie ist die Beziehung – und die ist nicht krankenversichert. Im Rahmen einer von KV oder Rentenkasse finanzierten Therapie kann es vorkommen, dass Partnerin oder Partner teilweise einbezogen werden, um mit der Krankheit assoziierte Beziehungsprobleme zu bearbeiten. Bei Suchttherapien z.B. ist das üblich. Aber es gibt ja auch spezialisierte Beratungsstellen mit qualifizierten Mitarbeitern, die Paarberatung günstiger anbieten können. Eine Scheidung wird immer teurer sein – materiell und emotional…

Frau von Alberti, vielen Dank für das Gespräch!

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