Jörg Rogalka: Wer eine Paartherapie gemeinsam angeht, hat beste Chancen für Lösungen

Jörg Rogalka ist Inhaber von Coaching Jörg Rogalka in Dortmund. Mit ihm sprechen wir über Beziehungskrisen, gemeinsamer Weg sowie Lösungsansätze.

Jörg Rogalka

Eine Paartherapie ist für viele Paare gar keine Option. Obwohl die Beziehung auf der Kippe steht, denken viele Partner, dass professionelle Hilfe nichts bringt. Was würden Sie denen sagen?

Jörg Rogalka: Zunächst einmal, dass nach meiner Erfahrung von allein gar nichts besser wird. Und dass der Begriff, dass etwas „auf der Kippe steht“, dehnbar ist. Vor allem aber würde ich einem Paar sagen, dass es zunächst einmal nicht dramatisch, sondern normal ist, wenn es in einer Beziehung hakt und der Himmel nicht mehr voller Geigen hängt. Es kommt auch darauf an, wie weit eine Krise eskaliert ist. Ob professionelle Hilfe durch eine Paartherapie etwas bringt, kann stets nur individuell geklärt werden. Ein gutes Zeichen ist es, wenn sich beide Partner gemeinsam dafür entscheiden, den Weg zu gehen. Das sage ich meinen Klienten übrigens vor jeder Paartherapie und solche Worte machen den allermeisten Mut, es wirklich zu versuchen und die Beziehung von der Kippe herunterzuholen.

Was umfasst eine Paartherapie?

Jörg Rogalka: Auch das hängt vom Stand der Dinge ab. Manchmal reichen wenige Sitzungen aus, um Lösungsansätze zu finden und im Alltag auszuprobieren. Wichtig ist mir, dass wir nicht stundenlang zu dritt beieinandersitzen, sondern dass wir uns auf die wichtigsten Themen für etwa eine gute Stunde fokussieren. Bevor diese Sitzungen anfangen, muss jedoch etwas anderes passieren, das von großer Bedeutung ist.

Was meinen Sie damit?

Jörg Rogalka: Bei mir gibt es vor der Paartherapie immer ein unverbindliches Erstgespräch. Darin klären wir den Ablauf, zum Beispiel, wie das Vorgehen ist, oder ob wir die Sitzungen online oder in Präsenz durchführen. Das Paar soll sich die Frage beantworten, ob es in mich als Mensch und Therapeut Vertrauen hat. Es würde keinen Sinn machen, in ein Paarcoaching mit Vorbehalten zu gehen. Ich für mich lote im Erstgespräch die Möglichkeiten aus, mit denen eine Beziehung noch von der Kippe zu holen wäre.

Die Anzahl der Sitzungen bleibt offen, dass Paar kann die Beratung jederzeit beenden. Das finde ich fair.

Welche Themen führen Paare in eine Therapie und welche werden in den Sitzungen meistens behandelt?

Jörg Rogalka: Anfangs immer die Themen, die die beiden Beteiligten als die Wichtigsten ansehen. Oft sind dies solche: Man versteht einander nicht mehr, Streitigkeiten nehmen zu und eskalieren, Missverständnisse häufen sich, es herrscht Funkstille oder Geschrei, Partner sehen ihre Wünsche nicht mehr berücksichtigt, das Sexualleben liegt brach. Es stellt sich aber oft heraus, dass Ursachen für Krisen ganz woanders liegen können als da, wo man sie vermutet.

Wenn eine Beziehung auf der Kippe steht, ist es oft so, dass sich ein Paar thematisch nur noch mit den Symptomen beschäftigt. Die Paartherapie geht tiefer und möchte die Ursachen für Konflikte aufspüren, ohne Schuldfragen zu stellen. Um an die Wurzeln zu kommen, ist der systemische Ansatz hilfreich. Einfach gesagt, nimmt der Coach und Therapeut dabei alles in den Blick, was für die aktuelle Lage relevant sein könnte. Also nicht nur die beiden Persönlichkeiten, sondern auch deren berufliches, familiäres, finanzielles oder soziales Umfeld. Welche Rolle spielt in eurem Konflikt die Herkunftsfamilie? Auch das ist eine Frage, die wichtige Aufschlüsse liefern kann.

Die meisten Menschen treten Paartherapeuten:innen eher skeptisch gegenüber. Vielen Paaren fällt es schwer, mit einer fremden Person über ihre Beziehungsprobleme zu reden.

Jörg Rogalka: Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an: Ich bin für das Paar ja wirklich ein Fremder. Aber ich bin auch jemand, der die aktuelle Situation neutral und unparteiisch angeht; jemand, der dem gemeinsamen Gespräch einen geschützten Raum und Rahmen gibt, indem ich dafür sorge, dass jede/r ausreichend zu Wort kommt, dass man den anderen ausreden lässt und dass man seine Emotionen im Griff behält. Dieser Rahmen schafft eine Atmosphäre, die eine Beziehung auf der Kippe oft gar nicht mehr kennt: Nämlich eine Atmosphäre des Zuhörens und des konstruktiven Gesprächs ohne Schuldzuweisungen.

Wichtig ist auch, dass ich hin und wieder Stopp-Zeichen aufstelle: Wartet mal einen Moment! Überlegt, wo ihr beide jetzt steht. Ich finde, dass wir bis hierher schon eine Menge erreicht haben. Könnte es sich lohnen, an diesem Punkt für heute Schluss zu machen und einmal auszuprobieren, wie es laufen könnte?

Besonders wenn sich Partner nach der Sitzung wieder im Alltag befinden, neigen sie dazu, in alte Muster zu verfallen. Denken Sie, dass eine Paarberatung die Beziehung nachhaltig und positiv beeinflussen kann?

Jörg Rogalka: Genau darin sehe ich meine Aufgabe und mein Ziel: Lösungen zu finden, die leicht im Alltag umzusetzen sind und die Regeln für den Umgang miteinander schaffen, die beide beachten, weil beide diese Regeln im Coaching mit mir erarbeitet und miteinander aufgestellt haben. Für die nächste Sitzung haben wir dann einen praktischen Opener: Was hat gut funktioniert, was bringt euch weiter? Woran sollten wir noch intensiver arbeiten?

Nachhaltigen Lösungen nähert man sich i.d. R. übrigens nicht über die ganz großen Fragen zur Liebe und zum gemeinsamen Glück, sondern eher über alltägliche, kleinere Dinge: Zum Beispiel: Was habt ihr früher regelmäßig gern zusammen unternommen, seit Jahren aber aus welchen Gründen auch immer nicht mehr gemacht? Wenn ich einem Paar solche Aufgaben mit an die Hand gebe, so ist die Chance gut, dass Veränderungen hin zum gemeinsamen Glück eingeleitet werden. Ganz große Fragen können sich aber auch stellen. Z. Bsp. Die Frage mit dem Kinderwunsch. Da gibt es keine Kompromisse. Es kann aber geklärt werden, welche verdeckten Wünsche oder Befürchtungen stehen hinter dem Kinderwunsch bzw. der Ablehnung. Wenn das geklärt ist, dann kann das Paar sich wieder neu beziehen.

Noch zwei Dinge sind mir mit Blick auf die Nachhaltigkeit wichtig:

Erstens: Nach der eigentlichen Paartherapie ist meine Tür nicht verschlossen. Beide Partner oder beide gemeinsam können mich gern noch eine Zeit lang anrufen oder mir eine E-Mail schreiben.

Zweitens und andererseits: Eine Paartherapie ist keine Endlosschleife! Alle Beteiligten sollen das Ziel haben, möglichst schnell und eigenverantwortlich zu tragfähigen Lösungen zu kommen und diese auch ohne meine Begleitung und Unterstützung zu leben. Paartherapie soll Ihnen Mut machen, den Weg gemeinsam aktiv anzugehen.

Bleibt noch die Frage nach den Kosten. Eine Therapiestunde kann bei einem seriösen Anbieter schon einiges kosten. In welchen Fällen kann die Krankenkasse einem Paar unter die Arme greifen?

Jörg Rogalka: Die Kosten für die Paarberatung werden in der Regel nicht von Krankenkassen übernommen Sie liegen im Durchschnitt im hohen dreistelligen oder niedrigen vierstelligen Bereich. Das ist ein vergleichsweise niedriger Beitrag, um eine Partnerschaft zu retten und weitere Jahre oder Jahrzehnte glücklich in der Beziehung zu leben.

Herr Rogalka, vielen Dank für das Gespräch!

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