Nikolaus Athanassiadis: Körpersprache spielt eine immer wichtigere Rolle

Nikolaus Athanassiadis ist Arzt und Agenturleiter bei Doctolet in Hannover. Mit ihm sprechen wir über eine traditionelle Bewerbung sowie Tipps für Bewerbungsunterlagen.

BewerberInnen sind sich uneins, ob das Passfoto oben rechts nicht längst out ist in Deutschlands Personalabteilungen. Ist die traditionelle Bewerbung noch zeitgemäß?

Nikolaus Athanassiadis: In dem Bereich, in dem wir Stellen besetzen (Ärzte, vom Assistenz- bis zum Chefarzt), spielen Bewerbungsfotos nur noch rudimentär eine Rolle. Dass es sich um ein professionelles Bewerbungsfoto handeln sollte, steht außer Frage – alleine schon, um neben der notwendigen Seriosität der Bewerbung auch die vorhandene Motivation, das Bewerbungsverfahren ernst zu nehmen, zu unterstreichen. Traditionelle Bewerbungen sind m.E. ein Auslaufmodell, ein wenig positiv ausgelebte Kreativität, sich von der Masse positiv hervorheben, gerne auch mit einer auffallenden Bewerbung, stehen deutlich im Vordergrund.

Was halten Sie von ausgefallen Bewerbungen, die den üblichen Rahmen mehr oder weniger sprengen?

Nikolaus Athanassiadis: Viel hilft viel ist nicht immer die zutreffende Beschreibung des Königsweges. Die Balance zu treffen, zwischen positiv auffallen, im besten Fall herausragen und noch nicht Stirnrunzeln hervorzurufen, dafür ist ein entsprechendes Fingerspitzengefühl wichtig. Also ausgefallen ja, völlig aus dem Rahmen fallend, nein.

Welche Tipps können Sie für die Bewerbungsunterlagen geben?

Nikolaus Athanassiadis: Die Basics sind unverändert: grammatikalische und/oder Rechtschreibfehler, Lücken, nicht personalisierte Bewerbungen, fehlende Aktualität der Angaben, zu kurz geratene, ebenso wie überfrachtete Lebensläufe waren und sind No-Gos. Die zentralen Fragen sollte sich der Bewerber vorher selbst gestellt haben und diese auch plausibel beantworten können: Warum passt diese Stelle zu mir? Warum passe ich auf diese Stelle, besser als andere Bewerber? Warum will ich genau diese Stelle? Was bin ich bereit, in die Waagschale zu werfen – mit der Bewerbung, im Vorstellungsgespräch und bei einer möglichen Anstellung? Die Antworten sollten sich wie ein roter Faden in den Bewerbungsunterlagen wiederfinden.

Was ist entscheidend im Bewerbungsgespräch?

Nikolaus Athanassiadis: Da wir auch zahlreiche ausländische Ärzte betreuen, sind die Deutsch- und Fachsprachenkenntnisse von erheblicher Bedeutung. Vorbereitet zu sein, auf die Fragen, die mehr oder weniger sicher zu erwarten sind, sollte ein Bewerber vorbereitet sein, ohne sich selbst zu starre Antwortgrenzen zu setzen. Sehr häufig erhalten wir die Rückmeldung, dass das gesamte Team einen Eindruck erhalten soll, auch wenn in Einzelfällen der Chefarzt oder die Chefärztin noch ganz alleine entscheidet, sich ins Team integrieren zu können und dies auch zu wollen, ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Und am Ende lag Paul Watzlawick sicher nicht ganz falsch: Man kann nicht nicht kommunizieren – die Körpersprache spielt nach unseren Erfahrungen auch eine immer wichtigere Rolle. Unsere Bewerber wissen in der Regel, welche Arbeitsintensität auf sie zu kommen wird, die Entscheidungsträger sowieso; diesen zu vermitteln, nicht nur verbal, dass man sich der Herausforderung gewachsen fühlt und diese annehmen will und wird, ist häufig der entscheidende Faktor.

Welche Faktoren versuchen Sie in Ihrem Unternehmen vor eine Einstellung zu erörtern?

Nikolaus Athanassiadis: Tatsächlich ist der Auswahlprozess ähnlich dem, eigene Mitarbeiter einzustellen oder von einer Einstellung abzusehen. Auch uns sind genau die bereits genannten Faktoren wichtig: Passen wir als Arbeitgeber zum Bewerber, haben wir eine mit der Vorstellung des Bewerbers kompatible Vorstellung davon, wie die vakante Stelle besetzt und ausgefüllt werden soll, passen die Karrierepläne des Kandidaten zu dem, was wir anbieten können. Ist die Schnittmenge des aufgrund der Bewerbungsunterlagen Erwarteten und dem während des  Vorstellungsgesprächs Präsentierten groß genug, ist das sicherlich schon mal eine gute Grundlage, für beide Seiten.

Wie wichtig ist die Work-Life-Balance, schließlich kann das System nicht in jeder Branche berücksichtigt werden?

Nikolaus Athanassiadis: Früher hieß es wenig einladend, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind. Ich selbst habe als Arzt noch die aus heutiger Sicht kaum mehr verantwortbaren – weder den ÄrztInnen, noch den PatientInnen gegenüber – 36-Stunden-Dienste im wahrsten Sinne des Wortes miterlebt. Auch heute steht in der Weiterbildungszeit die Leistungserbringung klar im Vordergrund. Trotzdem kommt auch kein moderner Arbeitgeber mehr daran vorbei, sich konstruktiv mit dem Thema Work-Life-Balance auseinanderzusetzen – und das ist auch gut so. Jedes System bringt eigene Grenzen mit sich, aber auch eigene Möglichkeiten, den Arbeitsalltag als einen Teil des Lebens zu verstehen, nicht als alleinigen Lebensinhalt. Bereit zu sein, diese Möglichkeiten auch aufgezeigt zu bekommen und, im positiven Sinne nutzen zu können, ist eine Erwartungshaltung der BewerberInnen, die ich nicht für verwerflich finde.

Welche Berufe werden derzeit in Ihrem Unternehmen gesucht? Stellen Sie langfristig ein?

Nikolaus Athanassiadis: Wir haben in den letzten über 13 Jahren die Erfahrung gemacht, dass eine Mischung, die das ärztliche und (gesundheits-)ökonomische Spektrum abbildet, aber auch Fachdozentinnen und -dozenten, sehr hilfreich ist, um den verschiedenen Problemfeldern unserer Kunden Rechnung zu tragen. Ebenso ist eine langfristige Bindung an unser Unternehmen ein wichtiges Faustpfand, denn auch wenn in unserer Branche vieles im Fluss ist, sind und bleiben Erfahrungswerte unverzichtbar.

Herr Athanassiadis, vielen Dank für das Gespräch!

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