Anke Hennigs: Arbeitsaufgaben können Frustration auslösen

Anke Hennigs ist Inhaberin von Karriereglück in Burgdorf. Mit ihr sprechen wir über belastende Schichtarbeit, fehlende Wertschätzung sowie zwischenmenschliche Konflikte.

Anke Hennigs

Es gibt zahlreiche Gründe, warum Beschäftigte unzufrieden mit ihrem Job sind. Für viele ist aber eine berufliche Neuorientierung keine Option. Was sind die häufigsten Gründe, die zu einer Jobunzufriedenheit führen?

Anke Hennigs: Oft sind die Rahmenbedingungen der Auslöser, wie zum Beispiel ein niedriges Gehalt oder belastende Schichtarbeit. Fehlende Wertschätzung oder zwischenmenschliche Konflikte sind ebenfalls für viele ein großes Problem. Auch die Arbeitsaufgaben können Frustration auslösen, vor allem wenn man diese als nicht sinnvoll empfindet. Permanente Über- oder Unterforderung sind ebenfalls häufig genannte Gründe für Unzufriedenheit.

Last but not least gibt es auch Menschen, die ihren Job eigentlich ganz gerne machen, sich aber trotzdem fragen, ob das schon alles war. Die sich nach mehr Spannung sehnen und ihr Potenzial noch mal stärker nutzen möchten.

Woher weiß man, dass es Zeit ist den Job zu wechseln, um sich neuen Herausforderungen zu stellen?

Anke Hennigs: Löst der Gedanke, den jetzigen Job bis zur Rente weitermachen zu müssen, Bedauern oder sogar Panik in Ihnen aus? Dann sollten Sie dringend über eine Veränderung nachdenken. Machen Sie sich klar, dass sich von allein nichts verbessern wird. Im Gegenteil – bei den meisten Menschen steigert sich die Unzufriedenheit im Laufe der Zeit nur immer weiter. Und: Ein Wechsel wird in einigen Jahren auch nicht einfacher sein als jetzt. Worauf warten Sie also?

Viele Beschäftigte über 35 haben Hemmungen sich neu zu orientieren. Kann man im fortgeschrittenen Alter noch adäquat Karriere machen?

Anke Hennigs: Natürlich! Ein 40jähriger Akademiker hat gerade einmal ein 15 Jahre Berufstätigkeit hinter sich. Ganze 27 Jahre liegen aber noch vor ihm! Also ja, natürlich kann er oder sie in dieser Zeit noch Karriere machen. Lassen Sie sich nicht von Bedenkenträgern irritieren, die ihnen etwas von der großen Bedeutung eines geradlinigen Lebenslaufs erzählen wollen. Berufliche Werdegänge sind heute viel diverser als früher und dieser Trend wird durch immer neu entstehende Berufsfelder weiter verstärkt. Und: die meisten erfolgreichen Menschen sind deshalb erfolgreich, weil sie intrinsisch motiviert an einem ihnen wichtigen Thema arbeiten. Es ist also sogar wahrscheinlicher, dass Sie erfolgreich werden, wenn Sie jetzt ihren ungeliebten Job verlassen und sich eine Aufgabe suchen, die Sie wirklich erfüllt. Als Jugendliche folgen wir oft den Empfehlungen und Ratschlägen unseres Umfeldes. Eine Neuorientierung im späteren Leben bietet die Chance, stärker unseren eigenen Bedürfnissen und Wünschen zu folgen.

Ein Neuanfang ist immer schwer. Wie kann man mentale Hürden der Neuorientierung überwinden?

Anke Hennigs: Dafür braucht es ein attraktives Ziel, das mich wirklich begeistert und motiviert. Viele Menschen wissen lediglich, wovon sie weg wollen. Zielführender ist es, den Blick nach vorne zu richten. Wo will ich eigentlich hin? Wie müsste ein Job sein, damit er mich mehr erfüllt als der aktuelle? Die Frage: „Was würde ich tun, wenn ich noch mal 15 Jahre alt wäre und mich mit dem Wissen von heute neu entscheiden könnte?“ kann eine Hilfe sein. Auch Gespräche mit anderen Menschen können oft helfen, sie erweitern den Horizont und bringen uns auf neue Ideen. Das können Freunde leisten oder auch professionelle Coaches. Viele Menschen blockieren sich damit, eine perfekte Entscheidung treffen zu wollen. Das baut einen unnötigen Druck auf. Ihr neuer Job muss nicht perfekt sein! Wenn er besser ist als der jetzige, haben Sie doch schon einen großen Erfolg erzielt.

Was muss man also tun, damit eine berufliche Neuorientierung gelingt?

Anke Hennigs: Am Anfang steht die Entscheidung: will ich weiter über den aktuellen Job meckern, mich damit abfinden oder wirklich etwas verändern? Es gibt nur diese drei Möglichkeiten, entscheiden Sie sich bewusst für eine davon. Fällt die Entscheidung auf „Veränderung“, gehen Sie los. Sie müssen das Ziel noch nicht genau kennen, um in die Veränderung zu starten. Blocken Sie sich jede Woche ein festes Zeitfenster für Ihre Neuorientierung. Nutzen Sie diese Zeit, um sich über Ihre Stärken und Wünsche klar zu werden und mögliche Ziele zu definieren. Sprechen Sie mit Menschen, die diese Ziele schon erreicht haben. Von ihnen können Sie lernen, ob das Ziel wirklich zu Ihnen passt und wie der Weg dorthin aussieht.

Was raten Sie Beschäftigten, die mit dem Gedanken spielen, den Beruf zu wechseln?

Anke Hennigs: Erstens: Starten Sie bei sich. Was können Sie gut? Was brauchen Sie, um im Job glücklich zu sein? Was macht Ihnen Freude? Was wollen Sie noch erreichen? Definieren Sie Ihren Traumjob und fangen Sie erst danach an, Stellenanzeigen zu lesen. Ansonsten laufen Sie Gefahr, sich erneut für eine nicht passende Stelle zu entscheiden. Zweitens: Denken Sie immer nur an den nächsten Schritt und nicht schon an den übernächsten. Sie müssen noch keine Strategie für jedes Problem haben, dass eventuell im Zuge der Neuorientierung auftauchen könnte. Drittens: Wenn Sie alleine nicht weiterkommen, investieren Sie in professionelle Begleitung. Denn der falsche Job wirkt sich auf so vielen Ebenen negativ auf ihr Leben aus, dass Sie sich auf keinen Fall damit abfinden sollten!

Frau Hennigs, vielen Dank für das Gespräch!

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