Diana Kaunzner: Schlüsselpositionen im Unternehmen

Diana Kaunzner ist Geschäftsinhaberin von KAUNZNER PERSONALMANAGEMENT in Chemnitz. Mit ihr sprechen wir über freie Stellen auf dem Arbeitsmarkt, verdeckten Stellenmarkt sowie Aufgabe von Headhuntern.

Nicht jede freie Stelle landet als Stellenanzeige in einer Jobbörse. Das Institut für Arbeitsmarktforschung fand heraus, dass nur ca. 35 Prozent der freien Stellen auf dem Arbeitsmarkt zu finden sind. Was hat es mit dem verdeckten Stellenmarkt auf sich?

Diana Kaunzner: Soweit es meine Firma und der damit einhergehenden Arbeitsweise betrifft, sind nur jene Stellen als „verdeckte Stellen“ zu betrachten, welche durch einen Wechselwillen eines unserer Mandanten vakant werden, von dem ich Kenntnis habe. Bzw. von unserem Auftraggeber diskret zu besetzen sind, welches meist firmenpolitische Gründe hat. Eine weitere Variante sind Vakanzen in der Leitungs- bzw. Führungsebene unserer Kunden, bei welcher die entsprechende Stelle erst geschaffen wurde und/ oder aus firmenpolitischen Gründen nicht publik werden soll.

Für viele Bewerber scheint es unergründlich, warum nicht alle Stellenanzeigen in den Jobbörsen landen. Welchen Vorteil ziehen Arbeitgeber und Unternehmen aus dem verdeckten Stellenmarkt?

Diana Kaunzner: Bei vielen Arbeitgebern hat sich eine Art „Resignation“ gegenüber dem Aufwand der Veröffentlichung, Betreuung und Pflege von Ausschreibungen auf verschiedenen Portalen breit gemacht. Es wird oftmals keinen Sinn darin gesehen, Zeit und Geld in einen „Sinnlosen“ Aufwand zu investieren, um „Dauervakanzen“ immer wieder zu veröffentlichen. Dies ist ein Punkt, der dann an externe Unternehmen wie meines weitergegeben wird. Ich wiederum kann selbstverständlich nicht jede Stelle einzeln ausschreiben. Was bedeutet, dass ein von mir ausgeschriebener KfZ – Mechatroniker in Berlin nicht alle vorliegenden Stellen in diesem Bereich abdeckt. Es sind bei uns beispielsweise 10 KfZ – Mechatroniker angefragt mit leicht unterschiedlichen Aufgaben/ Angaben, wobei meist nur eine Ausschreibung pro Portal von uns getätigt werden darf. Der Vorteil für die Arbeitgeber ist hierbei zum einen klar in der Reduzierung des Aufwandes und der Kosten zu sehen. Und zum anderen in der Entlastung der eigenen Recruter und deren Konzentration auf wichtige Schlüsselpositionen im Unternehmen.

Doch nicht nur Arbeitgeber profitieren von verdeckten Jobausschreibungen. Wie können auch Bewerber an dem verdeckten Stellenmarkt partizipieren?

Diana Kaunzner: Für Bewerber, die um die „verdeckten Stellen“ wissen, ist dies ein Vorteil in Ihrem Bewerbungsprozess, um an gute und interessante Jobs zu kommen. Wege dafür gibt es einige, so z. B. das eigene Profil mit exakten Angaben und Vorstellungen auf einschlägigen Plattformen (Monster, Indeed, Xing) online zu stellen. Proaktiv und initiativ bewerben. Oder eben sich eine private Arbeitsvermittlung/ „Headhunter“ ins Boot zu holen.

Nun ist nicht jedem Bewerber bewusst, wie er sich bei Bewerbungen auf diesem Markt zu verhalten hat. Wie findet man als Bewerber Zugang zu den verdeckten Stellenangeboten?

Diana Kaunzner: Antworten auf diese Fragen siehe oben.

Das Nutzen von verdeckten Stellenmärkten ist also doch einfacher als viele meinen. Dennoch macht es Arbeit und braucht eine richtige Strategie. Welche Strategien können Sie Bewerbern ans Herz legen? Auf welche passive und aktive Weise können diese den Markt nutzen?

Diana Kaunzner: Zum einen das eigene Profil auf einschlägigen Plattformen schärfen. Das heißt formulieren Sie genau!

  • was wird gesucht
  • Wo suche ich
  • welche Bedingungen müssen erfüllt werden
  • Welche Gehaltsvorstellungen habe ich
  • Welche Arbeitszeiten/ Modelle suche ich

Eine andere Möglichkeit ist natürlich immer, die Ohren offenhalten, ob ein Arbeitnehmer einen Stellenwechsel anstrebt, und die damit freiwerdende Stelle das eigene Interesse trifft. Daraufhin kann man eine Initiativbewerbung an das Unternehmen senden und hat somit einen Vorsprung.

Können „Headhunter“ nicht besser die gutbezahlten Managementpositionen aus dem versteckten Stellenmarkt unter den Bewerber:innen verteilen?

Diana Kaunzner: Ich würde nicht so weit gehen, dass ein „Headhuter“ diese besser verteilen kann, wohl aber „effektiver“, da er meist über ein gutes Netzwerk an in Frage kommenden Fach- und Führungskräften verfügt, welches gehegt und gepflegt werden will. Dies ist ein Aufwand und eine Möglichkeit, welche viele Unternehmen nicht haben und nicht auf sich nehmen können/ dürfen. Ein Headhunter kommt natürlich auch immer dann zum Einsatz, wenn:

  • das Unternehmen eine Position neu besetzen möchte, ohne dass der AN bzw. Mitarbeiter*innen es mitbekommen
  • eine Führungskraft das Unternehmen wechseln will
  • eine neue Position geschaffen wird, ohne dies die Konkurrenz merken zu lassen
  • Fach,- und Führungskräfte aus einem Konkurrenzunternehmen abzuwerben, um die eigene Markposition zu stärken

Frau Kaunzner, vielen Dank für das Gespräch!

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