Diethelm Rumpel: Start in die Selbständigkeit

Diethelm Rumpel ist bei der Wirtschaftsförderung Karlsruhe verantwortlich für den Bereich Existenzgründung. Mit ihm sprechen wir über Selbständigkeit, Probleme sowie professionelle Beratung.

Wenn man gerade seine Selbstständigkeit starten möchte, kann dies zu einigen Problemen führen. Wie kann eine Gründungsberatung dabei helfen?

Diethelm Rumpel: Gründungsberatungen – sind sie individuell und zielgerichtet – verschaffen in aller Regel einen ganzheitlichen Überblick – quasi eine 360 Grad Rundumbetrachtung. Dies ist für den späteren Erfolg besonders wichtig. Allzu oft konzentrieren sich Gründerinnen und Gründer ausschließlich auf die eigentliche Gründungsidee ohne daran zu denken, dass auch die Rahmenbedingungen wie z. B. die persönliche Eignung, das familiäre Umfeld, die Frage nach der Belastbarkeit sowie das Arbeiten unter Unsicherheit dazu passen müssen. Insofern erweitert eine gute Gründungs-beratung den Entscheidungshorizont und minimiert so das Risiko des Scheiterns.    

Welche Dienstleistungen sollte eine professionelle Beratung beinhalten?

Diethelm Rumpel: Eine gute Beraterin, ein guter Berater muss zugleich Psychologe, Betriebswirtschaftler, Wirtschafts-, Finanz- und Rechtsexperte sein und darüber hinaus kaufmännisches und technisches Verständnis mitbringen. Sie sehen, das vermag eine einzelne Person nicht zu leisten. Deshalb ist es enorm wichtig Gründungsberatung im Netzwerk mit Experten zu betreiben. Wir in Karlsruhe starten bei einer eigens bei der Wirtschaftsförderung der Stadt eingerichteten Kontaktstelle für Existenzgründung unsere Beratungen genau mit diesem Ansatz. Im individuellen Einzelgespräch holen wir die Gründerin, den Gründer dort ab wo sie / er steht, ermitteln Defizite, zeigen diese auf und verweisen an entsprechende Ansprechstellen innerhalb unseres Netzwerkes, der Gründerallianz Karlsruhe. Das schafft bei den Gründungsinteressierten die Sicherheit am Ende nichts Wichtiges übersehen zu haben.

Die meisten Gründungsberatungen unterscheiden zwischen Einzelcoachings, also individuelles Gründungs-Coaching und Gruppenberatungen. Was sind die Vor- und Nachteile?

Diethelm Rumpel: Gruppenberatungen sind immer dazu geeignet einen ersten groben Über-blick zu geben, wie ein Gründungsvorhaben in aller Regel abläuft. Viele Aspekte werden deshalb sehr oft verallgemeinert und können bei den Gründungsinteressierten schnell zu falschen Entscheidungen führen. So kommt es nicht selten vor, dass trotz Hinweis z. B. Mustergesellschaftsverträge verwendet werden, obwohl diese im speziellen Fall gerade nicht geeignet sind. Einzelberatungen oder gar -coachings dagegen sind für Beratungseinrichtungen sehr zeit- und damit kostenintensiv für Gründungsinteressierte allerdings wesentlich ergiebiger und somit erfolgssteigernd. Insofern ist es ein Investment in die Zukunft eines Standortes, da diese Art der Begleitung und Betreuung erwiesenermaßen den Langzeiterfolg junger Unternehmen nachhaltig steigert.

Welchen Kosten entstehen bei einer Gründungsberatung?

Diethelm Rumpel: Diese Frage lässt sich nicht allgemeingültig beantworten. Soviel vorweg, viele Städte und Gemeinden bieten im Rahmen ihrer Bürgerdienste Gründungsberatungen über ihre Wirtschaftsförderungseinrichtungen oder in Kooperation mit Dritten kostenfrei an. Einfach einmal beim Bürgerdienst der Stadt oder Gemeinde anrufen und sich erkundigen. In Baden-Württemberg haben wir mit der Exi-Gründungsgutschein Initiative des Landes neben den lokalen Angeboten ein zweistufiges Beratungsangebot bestehend aus kostenfreien Kompaktberatungen und anschließenden Intensivberatungen mit einer 20%-igen Eigenbeteiligung, was ungefähr 150 Euro pro Beratertag entspricht. Die Intensivberatungen werden ausschließlich von erfahrenen, akkreditierten freien Beratern und aktiven Unternehmern durchgeführt. Auch hier sollte man sich auf den Seiten der Landesministerien für Wirtschaft über die in dem jeweiligen Bundesland gültigen Programme informieren. Wer am Ende dennoch auf eine Beratung durch einen privaten Dritten setzt, muss je nach Qualität mit Tages-honoraren im mittleren bis oberen dreistelligen Euro Bereich rechnen.

Unter Umständen kann man jedoch auch eine kostenlose Beratung erhalten. Wer kann eine kostenlose Beratung beantragen und wie vergibt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) finanzielle Zuschüsse?

Diethelm Rumpel: Auch hier gilt es, die länderspezifischen Programme zu kennen, um für sich das beste Angebot auswählen zu können. Grundsätzlich kann aber gesagt werden, dass sich fast alle Beratungsförderprogramme an Existenzgründer-innen und -gründer richten, die beabsichtigen, ein Unternehmen als selbständige Existenz zu gründen oder zu erwerben oder sich an einem Unternehmen als tätiger Gesellschafter in der Regel mit mindestens 50 Prozent des gezeichneten Kapitals beteiligen. Einen guten Überblick verschafft die Förderdatenbank des Bundes unter www.foerderdatenbank.de. Unter dem Punkt Suchergebnisse filtern kann man durch das Setzen von Filtern gezielt nach Förderprogrammen des jeweiligen Bundeslandes suchen. Hier findet man auch Hinweise, wie man an finanzielle Zuschüsse der Bafa gelangt.

Nicht jeder, der eine Selbstständigkeit anstrebt, braucht eine Gründungs-beratung. Wem empfehlen Sie aber dennoch eine Beratung bezüglich der Existenzgründung?

Diethelm Rumpel: Ich denke diese vorherrschende Meinung gilt lediglich für Gründerinnen oder Gründer, die ihr zweites oder gar drittes Unternehmen aufbauen und selbst dann erlebt man immer wieder mal, dass auch erfahrene und bisher erfolgreiche Unternehmer/innen scheitern. Erfolg ist nun mal nicht gepachtet. Der große Vorteil der Gründungsberatung besteht eben gerade darin, dass sich in aller Regel gleich mehrere Berater/innen mit unterschiedlichen Blickwinkeln die Idee anschauen und so im Vorfeld vermieden wird u. U. wichtige Details in der Planung und Bewertung zu vergessen. Das Reflektieren der eigenen Idee mit möglichst vielen anderen erfahrenen Expertinnen und Experten minimiert das Risiko und erhöht somit die Erfolgsaussichten. Deshalb gilt die Empfehlung, Gründungsberatungen – zumal sie überwiegend auch noch kostenfrei sind – so oft wie möglich zu nutzen.   

Haben Sie Tipps, wie man eine passende Gründungsberatung finden kann?

Diethelm Rumpel: Möglichst früh in Kontakt mit Netzwerken und Initiativen in der Gründerszene treten und sich hier bei Veranstaltungen unter Gründerinnen und Gründern umhören. Entsprechende Adressen zu den Netzwerken und Initiativen findet man in aller Regel im Internet oder den sozialen Medien. Wichtig ist auf Lokalität zu achten, da die Berater hier das direkte (wirtschaftliche) Umfeld am besten kennen. Oft treffen Sie bei diversen Veranstaltungen auch direkt schon auf potentielle Berater/innen und können in ersten Gesprächen für sich entscheiden ob das passt oder nicht. Die Chemie muss ebenso passen wie das fachliche KnowHow. Man muss sich eben verstehen, um gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten, dem Erfolg des künftigen Unternehmens.

Herr Rumpel, vielen Dank für das Gespräch!

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