Dr. Thomas Schneider: Die Gewichtung Richtung LKW ist stärker geworden

Dr. Thomas Schneider ist geschäftsführender Gesellschafter der hasenkamp Holding GmbH in Köln-Frechen. Mit ihm sprechen wir über LKW-Transporte, ihre Bedeutung sowie vermehrten Kostendruck.

Dr. Thomas Schneider

Der Transport von Gütern auf Straße, Luft, Schiene und zu Wasser ist überlebensnotwendig für Deutschland. Doch wie wichtig ist eigentlich der LKW-Transport für die deutsche Wirtschaft und welche Güter werden vorrangig auf der Straße transportiert?

Dr. Thomas Schneider: Der LKW ist essenziell in der Logistik und das Zugpferd schlechthin für die Lieferketten der Wirtschaft – egal welche Güter transportiert werden. Er fungiert zum einen als Schnittstelle zwischen den verschiedenen anderen Transportoptionen und zum anderen kann nur dieses Mittel die sogenannte letzte Meile bedienen. Die Gewichtung Richtung LKW ist seit den 90er Jahren stärker geworden. Ungefähr drei von vier Tonnenkilometer entfallen auf den Transport durch LKW.  

In Großbritannien mangelt es seit dem Brexit an LKW-Fahrern. Könnte dieses Phänomen auch in Deutschland drohen?

Dr. Thomas Schneider: Laut den Daten des Bundesverbands Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) fehlen in Deutschland 60.000 bis 80.000 Lkw-Fahrer. Jährlich wachse die Lücke um 15.000. Das Phänomen ist damit in Zahlen bekannt und ein Fahrermangel kann zu einem logistischen Problem werden. Bei hasenkamp sprechen wir aber noch nicht von einer problematischen Situation – wir kennen aber die demographische Entwicklung. Unsere Fahrer sind im Schnitt 50 Jahre alt. Nicht selten haben wir Betriebszugehörigkeiten von 10 – 30 Jahren, viele arbeiten bei uns bis zu ihrem Renteneintritt. Wir tun viel, damit der Transport-Bereich bei uns eine hohe Personaldichte hat – er ist schließlich die Achillesferse der Logistik, ohne die nichts läuft.

Können Sie uns Gründe nennen, warum es an Fachkräften in diesem Bereich mangelt bzw. wie viele Fahrer fehlen derzeit in der Logistikbranche?

Dr. Thomas Schneider: Das Berufsbild ist nicht mehr so attraktiv wie es einmal war, bedingt durch ein hohes Verkehrsaufkommen und überfüllte Rastplätze. Zudem ist der Kostendruck vielfach groß, der sich auf die Löhne in Deutschland auswirkt. Wenn Sie dann bedenken, dass man als Fernfahrer die Familie längere Zeit am Stück nicht sieht, dann entscheiden sich viele für einen anderen Beruf. Durch die Beendigung des Wehrdienstes fällt außerdem die Bundeswehr als größte LKW-Fahrschule aus. Einen entsprechenden Führerschein heute zu machen, bedeutet eine größere Investition. Dazu muss man bereit sein. So kommt das eine zum anderen und erklärt den derzeitigen Fahrermangel. 

Der Mangel an Fachkräften zieht einige Konsequenzen mit sich. Welche Probleme ergeben sich aus dem Fahrermangel in Deutschland?

Dr. Thomas Schneider: Ein Mangel führt zu Engpässen – und der führt langfristig dazu, dass sich die Logistik dahingehend anpassen muss.

Gegen den Fachkräftemangel sollte möglichst schnell etwas getan werden. Was für Anstrengungen nehmen Logistikunternehmen auf sich, um dem Fahrermangel entgegenzuwirken?

Dr. Thomas Schneider: Für unser Unternehmen kann ich sagen, dass wir beispielsweise aktiv zu dem Berufsbild aufklären und begeistern möchten für die besonderen Aufgaben, die Fahrer bei Hasenkamp haben. Die Arbeit als Logistiker und Fahrer bei Hasenkamp unterscheidet sich von einer klassischen Spedition: Unsere Fahrer sind in der Regel in einem Zweier-Team auf den Fahrzeugen und sie begleiten die transportierten Güter wesentlich länger – bei einem Kunstwerk von der Verpackung beim Kunden, dem Verladen bis zur Entladung und dem Aufbau im Museum. Unsere Fahrer begeistern sich für die vielfältigen Aufgaben bei den Transporten und schätzen die kulturellen Erfahrungen, die sie im In- und Ausland machen. Und selbstverständlich vergüten wir das entsprechend mit einer attraktiven Bezahlung.    

Außerdem sind wir schon sehr digital in den Prozessen, unsere Flotte ist modern und hochwertig, unsere Fahrer sind nicht allein unterwegs. An den Zielorten treffen sie auf Kollegen und im Team werden die Waren dann an den Bestimmungsort gebracht. Berufserfahrene Fahrer, die bei uns anfangen, kennen das so nicht und schätzen diese Art der Zusammenarbeit sehr. Zudem bieten wir Interessierten, ob Berufs- oder Quereinsteigern, viele Fortbildungsmöglichkeiten an und auch, was immer wichtiger wird, die Möglichkeit, bei uns einen LKW-Führerschein zu machen. Die Ausbildung ist bei Hasenkamp ein ganz wichtiger, zentraler Baustein – die IHK Köln zählt uns in diesem Jahr erneut zu den besten Ausbildungsbetrieben.

Herr Dr. Schneider, vielen Dank für das Gespräch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.