Peter Bassen: Mangel an Fachkräften zieht einige Konsequenzen mit sich

Peter Bassen ist Geschäftsführer der Bassen Logistic GmbH in Bremen. Mit ihm sprechen wir über Warentransporte, Konsumverhalten sowie möglicher Versorgungskollaps.

Peter Bassen

Der Transport von Gütern auf Straße, Luft, Schiene und zu Wasser ist überlebensnotwendig für Deutschland. Doch wie wichtig ist eigentlich der LKW-Transport für die deutsche Wirtschaft und welche Güter werden vorrangig auf der Straße transportiert?

Peter Bassen: Der Warentransport mit dem LKW ist für die deutsche Wirtschaft lebenswichtig, da vom Teelöffel über das Online-Paket, vom Obst bis zum Fleisch und von der Küche bis zur Turbine alles transportiert wird. Es gibt nichts, was nicht bewegt werden muss, um unser Konsumverhalten zu befriedigen. Grundsätzlich wird und muss alles transportiert werden, ob mit dem Transporter oder dem 40T-LKW. Hier kann die Transportmenge nur zurückgeschraubt werden, wenn regional und nicht nur global produziert und vertrieben wird.

In Großbritannien mangelt es seit dem Brexit an LKW-Fahrern. Könnte dieses Phänomen auch in Deutschland drohen?

Peter Bassen: In Deutschland droht in 2-3 Jahren ein Versorgungskollaps ähnlich wie in Großbritannien. In den USA ist der Fahrermangel auch schon ein riesiges Problem, die Versorgung klemmt dort auch schon.

Können Sie uns Gründe nennen, warum es an Fachkräften in diesem Bereich mangelt bzw. wie viele Fahrer fehlen derzeit in der Logistikbranche?

Peter Bassen: Wir sehen als 1. Punkt: Den Umgang an den Rampen, Rasthöfen und Betrieben mit den Berufskraftfahrern 2. Punkt: Der Straßenverkehr, Parkplatz, Toiletten und Duschmöglichkeiten bis zur Verpflegung ( Rasthöfe überteuert, Sanitäranlagen in einem schlechten Zustand  ) 3. Punkt: Mittlerweile bei jungen Fahrern die dauernde Abwesenheit von der Familie  4. Punkt: Auch die Lohn und Gehaltsstruktur muss angepasst werden, dies geht aber nur wenn auch die Frachtpreis auskömmlich sind und werden, hier sind wir immer noch bei „ geht es noch günstiger „ der Spediteur ……. fährt aber für.

Derzeit fehlen ca. 60.000 bis 80.000 Kraftfahrer in der Logistik. 30.000 Fahrer gehen jedes in Rente und wandern in andere Berufe ab. Demgegenüber stehen nur 17.000 neue Berufseinsteiger. Diese Entwicklung zeichnet sich schon seit geraumer Zeit ab und spitzt sich nun immer mehr zu. Hierfür gibt es aber nicht den „Königsweg“.

Der Mangel an Fachkräften zieht einige Konsequenzen mit sich. Welche Probleme ergeben sich aus dem Fahrermangel in Deutschland?

Sollte sich der Mangel an Berufskraftfahren nicht legen, werden wir uns daran gewöhnen müssen das Waren nicht mehr sofort und auch eventuell sogar die ganz normalen Dinge wie Treibstoffe, Grundlebensmittel, etc. schlecht verfügbar sind. Der LKW fährt nicht ohne den Kraftfahrer, und alle Waren des Wirtschaftssystems kommen nicht ohne den LKW ans Ziel.

Gegen den Fachkräftemangel sollte möglichst schnell etwas getan werden. Was für Anstrengungen nehmen Logistikunternehmen auf sich, um dem Fahrermangel entgegenzuwirken?

Peter Bassen: Der Großteil der Logistikunternehmen, der Transportbranche ist im Wandel und der Unternehmer trägt die Wertschätzung seiner Berufskraftfahrer in den Betrieb, die Arbeitsbedingungen werden verbessert und die Nachwuchsförderung beworben. Die Unternehmen sind mit den Behörden immer wieder im Gespräch. Es muss sich an dem Berufszugang, den Hürden etwas ändern. Der potenzielle Berufsumsteiger hat allein um die Berufszugangsqualifikation zu erwerben 2.300,00 € Kosten ohne die für Klasse CE einzurechnenden 3.500,00 bis 5.000,00 € Eigenkosten für den Führerschein. Dieses kann heute kein wechselwilliger Bürger mehr stemmen. Migranten (Fachkräftezuwanderung) die diese Zugangsqualifizierung machen müssen, können die Prüfungen nur über die Handelskammern machen, Haken, die Prüfung muss auf deutsch stattfinden, die Handelskammern sind nicht bereit dieses mindestens auf englisch anzubieten. Die gleichen Probleme gibt es mit dem Gefahrgutschein, auch hier verweigern die Handelskammern die Prüfung auf englisch. Hier muss sich ganz schnell etwas ändern, um auch Quereinsteigern wieder den Beruf des Kraftfahrers zu ermöglichen.

Herr Bassen, vielen Dank für das Gespräch!

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