Riester-Rente unter Druck, sagt Compivent-Experte Sven Thieme: Warum viele Sparer real Geld verlieren

Riester-Rente unter Druck, sagt Compivent-Experte Sven Thieme: Warum viele Sparer real Geld verlieren

Die Riester-Rente sollte einst das zentrale Instrument der privaten Altersvorsorge in Deutschland werden: staatlich gefördert, sicher konstruiert und für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Mehr als zwei Jahrzehnte nach ihrer Einführung zeigt sich jedoch ein zunehmend kritisches Bild. Aktuelle Analysen legen nahe, dass ein Großteil der Verträge nicht die erhoffte Wirkung erzielt. Für viele Sparer entwickelt sich die Riester-Rente nicht zum Vermögensaufbau, sondern zum realen Verlustgeschäft.

Renditen unter Inflationsniveau

Im Kern der Kritik steht die tatsächliche Ertragskraft der Produkte. Viele Riester- und Rürup-Verträge erreichen über lange Laufzeiten hinweg keine Rendite, die ausreicht, um die Inflation auszugleichen. Die Konsequenz: Trotz kontinuierlicher Einzahlungen verlieren Sparer real an Kaufkraft. Damit wird ein zentrales Versprechen der Altersvorsorge infrage gestellt – nämlich zumindest den Werterhalt des angesparten Kapitals zu sichern.

Strukturelle Schwächen im System

Die Ursachen liegen nicht allein in der Marktentwicklung, sondern vor allem im Aufbau der Produkte selbst.

Ein wesentlicher Teil der Beiträge wird durch Abschluss- und Verwaltungskosten gebunden. Gleichzeitig begrenzen gesetzliche Garantievorgaben die Möglichkeiten, renditestärkere Anlageformen zu nutzen. Anbieter sind gezwungen, große Teile der Gelder konservativ anzulegen – mit entsprechend niedrigen Ertragschancen.

Es entsteht ein grundlegendes Dilemma: Sicherheit wird systematisch auf Kosten von Rendite erkauft.

Wirtschaftliche Tragfähigkeit mit Einschränkungen

Die langfristige Perspektive verdeutlicht die Problematik zusätzlich. In vielen Fällen ist es wirtschaftlich nur unter sehr optimistischen Annahmen möglich, die eingezahlten Beiträge real wieder zu erwirtschaften. Für einen großen Teil der Sparer bedeutet das: Die Rechnung geht nur auf, wenn außergewöhnlich lange Rentenbezugszeiten erreicht werden. Damit verschiebt sich das Risiko zunehmend auf den Einzelnen.

Vertrauensverlust in die private Vorsorge

Die Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen. Die Riester-Rente steht mittlerweile sinnbildlich für ein wachsendes Misstrauen gegenüber staatlich geförderten Vorsorgemodellen. Komplexität, geringe Transparenz und enttäuschende Ergebnisse führen dazu, dass viele Menschen entweder zögern oder ganz auf zusätzliche Vorsorge verzichten.

Ein Zustand, der angesichts der demografischen Entwicklung zusätzliche Brisanz erhält.

Einordnung durch Sven Thieme

Sven Thieme, Finanzexperte der Compivent GmbH, sieht die Ursachen tiefer verankert: „Die aktuellen Entwicklungen zeigen sehr deutlich, dass ein System, das primär auf Garantien und Regulierung setzt, langfristig an Effizienz verliert. Altersvorsorge funktioniert nur dann nachhaltig, wenn Kapital auch tatsächlich arbeiten kann.“

Aus seiner Sicht braucht es eine grundlegende Neuausrichtung: „Entscheidend ist eine Balance aus Sicherheit, Verständlichkeit und Renditechancen. Wenn diese Balance nicht gegeben ist, entsteht genau die Situation, die wir heute sehen – hohe Erwartungen, aber unzureichende Ergebnisse.“

Reformdruck steigt weiter

Die Diskussion um die Zukunft der Altersvorsorge gewinnt damit weiter an Dynamik. Die Riester-Rente in ihrer heutigen Form steht zunehmend unter Druck – sowohl politisch als auch gesellschaftlich. Klar ist: Ohne strukturelle Veränderungen wird es schwierig sein, das Vertrauen der Sparer zurückzugewinnen.

Die entscheidende Frage bleibt, wie ein Vorsorgesystem gestaltet werden kann, das Sicherheit bietet, ohne wirtschaftliche Chancen zu blockieren.

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