Dipl.-Ing. Ernst Träbing: Sonnen- und Windkraft ermöglichen besonders niedrige Kosten

Dipl.-Ing. Ernst Träbing, Beratung für sozialverträgliche Energienutzung, beantwortet im Interview unsere Fragen zur Deckung des deutschen Energiebedarfs, Windenergie sowie höhere Klimaziele.

Wind, Sonne und andere erneuerbare Energien haben 2020 rund 43% des deutschen Energiebedarfs gedeckt. Müssen wir um die Energiewende fürchten oder sie gar vertagen?

Dipl.-Ing. Ernst Träbing: Die Klimaschutz-Energiewende ist bereits politisch vertagt. Das zeigen die praktischen Reduzierungen der Umsetzung auf die Bereiche des Kohleausstieges sowie der Elektrizitätsnutzung und beweisen die Steigerungen der Fossilgas-Importe aus Russland und den USA. Der 43%-Anteil aus Wind, Sonne und anderen erneuerbaren Energien betrifft nur den bisherigen Elektrizitätsbereich. Aber der grundlegende Strukturwandel zur umfassenden Nutzung der volkswirtschaftlichen Chancen ist und bleibt blockiert. Das wirkt ebenso, als hätte man in der vorigen Energiewende die „Benzinkutschen“ in das Schritttempo der Muskelmobilität integriert, wie es damals von der Berliner „Droschkenzunft“ gefordert wurde.

Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung B-W (ZSW) zeigen, dass die Windenergie um rund 20% eingebüßt hat. Liegt es an der Natur, Politik oder fehlender Technik?

Dipl.-Ing. Ernst Träbing: Bei Sonnen- und Windkraft sind Unterschiede und Schwankungen naturbedingt. Nicht nur regional sowie im Tages-, Monats- und Jahresverlauf, sondern auch von Jahr zu Jahr. Entscheidend für den weiteren Ausbau der Erzeugungsanlagen ist die Wettbewerbsfähigkeit zu anderen Arten der Elektrizitäts-Bedarfsdeckung. Die Sonnen- und Windkraft ermöglichen besonders niedrige Kosten, sobald sie organisatorisch wirklich ermöglicht werden.

Die Politik hat die höheren Klimaziele beschlossen, aber können sie überhaupt erreicht werden, angesichts rückläufiger Ausbauzahlen beim Wind?

Dipl.-Ing. Ernst Träbing: Die Nutzung und Folgen der fossilen und atomaren Vergangenheits-Energien und die Realität des begonnenen Klimawandels droht mehr Opfer zu fordern als alle Kriege des vorigen Jahrhunderts. Die Verantwortung gegen die mörderischen Folgen erfordert keine politischen und planwirtschaftlichen Worthülsen höherer Klimaziele, sondern konsequente, direkte Zuordnung der Verantwortung über die sofortige, direkte Kosten-Belastung für die Freisetzung von CO2 und anderen Umweltbelastungen.

Sobald dies von der individuellen Energienutzung bis zum grenzüberschreitenden Leistungsausgleich erfolgt, werden die Kostenvorteile der Sonnen- und Windkraft im fairen Wettbewerb wirksam. Das befeuert den frei finanzierten Ausbau der Erzeugungskapazitäten.

Was muss bei der Stromerzeugung geschehen, um das höhere CO2-Einsparziel zu erreichen?

Dipl.-Ing. Ernst Träbing: Das Problem ist grundsätzlicher, umfassender Art und geht weit über die technische Stromerzeugung hinaus. Es liegt in unserer Ideologie der fossil-atomaren Grundlast-Befangenheit sowie der Fehlsteuerung durch die Grundstrukturen des Elektrizitätsversorgungssystems aus 1935.

Der überfällige Aufbruch aus dem mörderisch wirkenden Elektrizitätsversorgungssystems ähnelt dem Start des Columbus aus der „Erdscheiben-Ideologie“, aber ist überall eigenverantwortlich möglich.

Die Nutzung der räumlich und zeitlich unterschiedlichen Kostenvorteile der erneuerbaren Energien kann ein Klimaschutz-Wunder entfesseln. Analog zum Wirtschaftswunder 1948, das damals durch die Streichung der Bezugsschein-Planwirtschaft gestartet wurde und die Zigaretten-Währung abgelöst hat.

Was sind die Trends bei erneuerbaren Energien? Wohin geht die Zukunft?

Dipl.-Ing. Ernst Träbing:

•          Es geht nicht um die weitere Integration der erneuerbaren Energien in bisherige Markt- und Machtstrukturen. Denn die „Strombörse“ ähnelt einem „Schildbürgerstreich“. Wie „Handel mit Licht in Säcken“, zur falschen Zeit, am falschen Ort und mit ungeeigneten Mengen- und Kostenmaßstäben.

•          Die Nutzung der Kostenvorteile der Sonnen- und Windkraft erfordert Flexibilitäts-Wettbewerb mit Umstellung der Mengen- und Kostenmaßstäbe aller Erzeuger und Nutzer der Elektrizität. 

Es kommt nicht darauf an, die Elektrizität möglichst gleichförmig zu erzeugen und zu nutzen, sondern die Abweichungen von den Netz-Sollwerten (Spannung V und Frequenz Hz) zu minimieren.

•          Mit physikalischen Werteinheiten (We) werden die Energiemengen (Wh, kWh) und die lokale Netzdienlichkeit zu gemeinsamen Mengen- und Kostenmaßstäben (kWe, €/kWe, €/MWe usw.) verknüpft. Den Erfolg bewirkt die ganzjährige Entfesselung des Flexibilitätswettbewerbes aller Netznutzer.

Ergänzende Hinweise:

Zu den Grundlagen des physikalisch-ökonomischen Strukturwandels mit „physikalischen Werteinheiten“ als Mengen- und Kostenmaßstäbe wurde am 23.6.2021 das Europäische Patent Nr. EP 2 808 977 B1 erteilt und mit ausführlicher Beschreibung einschließlich Anwendungsbeispiel veröffentlicht.

Der für die Energiewende zuständige Bundes-Minister wurde bereits unmittelbar nach Einreichung des Patentantrages mündlich und schriftlich mit der Empfehlung dieses Bonus-Malus-Prinzips und der neuen physikalischen „Werteinheiten“ informiert.

Auch die wichtigsten Verbände für die Erzeugung und Nutzung der erneuerbaren Energien wurden am gleichen Tag mündlich und schriftlich über das Bonus-Malus-Prinzip informiert.

Als die Patenterteilung absehbar war, wurden die Wirtschaftsminister aller Länder informiert.

•          Sie wurden angeregt, ihren einschlägigen Wirtschaftsunternehmen – durch Ausschöpfung der Landes-Energieaufsichts-Funktion – die Einstiegs-Erschließung dieses Zukunftsmarktes zu erleichtern.

•          Es gab jedoch nur eine einzige Rückantwort. Die zeigte eindeutig, dass das Problem, die Herausforderung und die Lösung verstanden worden waren. Aber eine Nutzung wurde mit dem lapidaren Hinweis der gesetzlichen Unzulässigkeit ausgeschlossen.

•          Als ergänzende Anregung zur weitsichtigen Handhabung, hatte ich einen Ausschnitt der größten japanischen Sonntagszeitung aus dem vorigen Jahrhundert beigefügt. Die zeigte mich mit der – zwar gesetzlich unzulässigen – „ersten Ökostrom-Tankstelle Deutschlands“. Die war jedoch mit telefonischer Direktvermarktungs-Zustimmung der Landes-Energieaufsicht gestartet. Sie stellte die diskriminierend geringe EVU-Vergütung für Wasserkraft-Elektrizität (2,5 bzw. 1,5 ct/kWh) infrage.

Ob die medizinischen Ursachen des Zitterns der Kanzlerin und „mächtigsten Physikerin der Welt“ durch die Einsicht in physikalisch-ökonomische Zusammenhänge der deutschen Klimawandel-Beschleunigung begünstigt wurden, bleibt unklar, aber ist nicht auszuschließen.

Mit der Erteilung des Europäischen Patentes Nr. EP 2 808 977 B1, veröffentlicht am 23.6.2021, können die Grundlagen und der Schlüssel zu kostensenkendem Klimaschutz auch international Beachtung und Anwendung finden. Dadurch kann Europa im globalen Wettbewerb ins Hintertreffen kommen.

Die – auch seit Offenlegung des Patentantrages – kaum übersehbare Flut der wissenschaftlichen Energiewende-Publikationen ignoriert weiterhin die physikalischen Realitäten und Konsequenzen. Die ergeben sich aus der Ablösung der lagerfähigen Primärenergien durch die Sonnen- und Windkraft zur Kostensenkung. Hervorstechend ist dabei Prof. Sinn, der zwar den „Flatterstrom“ verteufelt, aber entgegen seiner ökonomisch-fachlichen Zuständigkeit die Wettbewerbs-Manipulationen weder anspricht noch löst. Er stellt sich stattdessen in den Dienst der lebensverachtenden Atomkraft-Profiteure.

Trotz aller Floskeln zeigt bisher keine der zur Bundestagswahl 2021 angetretenen Parteien grundsätzliche Bereitschaft zur Herstellung wirklicher Chancengleichheit der erneuerbaren Energien.

Die Beendigung des mörderisch wirkenden deutschen Klima-Zerstörungs-Systems bleibt weiterhin unerreichbar.

Leider erinnert die Gesamtsicht der Vorgänge zur Verhinderung des kostensenkenden Klimaschutzes erschreckend an andere deutsche Ideologie-Irrwege aus der Berliner Käseglocke (z. B: Endsieg-Propaganda der Hitlerzeit oder Honeckers „Den Siegeslauf des Sozialismus halten weder Ochs noch Esel auf!“)

Herr Träbing, vielen Dank für das Gespräch!

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