Reiner Huthmacher: „Mehr Netto vom Brutto“ muss neu gedacht werden

Huthmacher Consulting GmbH

Die Forderung nach „mehr Netto vom Brutto“ gehört seit Jahrzehnten zum Standardrepertoire in politischen Debatten. Der Arbeitsmarktexperte Reiner Huthmacher ist der Überzeugung, dass mit dem Einzug von Künstlicher Intelligenz in Wirtschaft und Arbeitswelt das Thema eine neue Brisanz gewinnt. Unternehmen müssen positiv auffallen, um wirklich die besten Arbeitnehmer zu finden und zu binden. Es stellt sich also die Frage: Wie werde ich als Arbeitgeber attraktiv und sichtbar, damit die motiviertesten Menschen die Zukunft mit mir gestalten? Die klassischen Modelle der Nettolohnoptimierung gelten dabei vielen Experten inzwischen als Auslaufmodell. Für die Mehrheit der Beschäftigten in kleinen und mittelständischen Unternehmen bleibt der Nutzen überschaubar – nicht selten mit unerwünschten Nebenwirkungen, etwa geringeren Rentenansprüchen durch sinkende Sozialabgaben. Für kleine Unternehmen sind Nettolohnoptimierungen also zumeist keine Lösung, um als Arbeitgeber attraktiv zu werden. Im Gegenteil: Hier werden die großen Konzerne zusätzlich bevorteilt, zum Nachteil derer, die dringend Fachkräfte brauchen. Gefragt sind stattdessen einfache, transparente und gerechte Lösungen, die ohne Umwege wirken und den Arbeitgebern mehr Freiräume bei einer individuellen Ausgestaltung ihrer Mitarbeiter-Benefits geben. Hier könnten deutlich großzügiger ausgestaltete Sachbezugsfreigrenzen helfen. Würden diese beispielsweise von bisher 50 Euro auf 500 Euro erhöht, könnten Arbeitgeber hier alles hineinpacken, was Mitarbeiter wünschen: betriebliche Gesundheitsvorsorge, Zusatzversicherungen, Job-Räder oder bestimmte Warengutscheine sind hier nur einige Beispiele. Gerade die Angebote der betrieblichen Gesundheitsvorsorge sind in Deutschlands Belegschaften sehr beliebt. Sie liegen auf der Beliebtheitsskala sehr weit oben. Das belegen zahlreiche Studien und Befragungen. Insbesondere hier wäre der Gesetzgeber gut beraten, die Möglichkeiten zur Umsetzung noch viel stärker zu unterstützen. Die derzeit möglichen 50 Euro reichen aber bei weitem nicht aus. Arbeitgeber wären durchaus bereit, hier mehr zu investieren. „Mehr Netto vom Brutto“ darf in der neuen Arbeitswelt nicht nur ein technisches Rechenexempel sein. Es muss zu einem Symbol für moderne Vergütungskultur werden – fair, nachvollziehbar und alltagstauglich. Nur so lässt sich verhindern, dass die Beschäftigten die Früchte der Digitalisierung zwar mit erarbeiten, aber nicht ernten.

 

Video teilen:

Facebook
Twitter
LinkedIn
WhatsApp

Weitere Pressemittelungen