BER treibt Preise in Randbezirken – Interview mit Judith Hensel (Bellis Immobilien)

Judith Hensel ist Inhaberin von BELLIS Immobilien. Im Interview spricht die Immobilienexpertin über die attraktivsten Standorte in Berliner und die Entwicklung des Immobilienmarkts in der Hauptstadt.

Die deutsche Wirtschaft wurde von der Corona-Pandemie heftig erschüttert. Wie stark ist der Berliner Immobiliensektor betroffen?

Judith Hensel: Kaum, nach sehr verhaltenen Wochen mit wenigen Terminen und Abschlüssen hat sich die Situation in den vergangenen ca. 2-3 Wochen wieder komplett gewandelt, es gibt Termine, Reservierungen auch regelmäßig wieder Notartermine. 

Die Preise am Berliner Immobilienmarkt steigen seit Jahren kontinuierlich. Wird die Corona-Krise diesen Trend stoppen oder sogar zu fallenden Preisen führen?

Judith Hensel: Die Preise werden weiter steigen, weil die Nachfrage nach wie vor gegeben ist. Das wird allerdings nicht mehr so schnell wie in den vergangenen Jahren der Fall sein, sondern moderater. Das ist allerdings schon länger zu beobachten und hat auch, speziell in Berlin, nicht nur mit Corona, sondern mit dem Mietendeckel zu tun. 

Der Berliner Mietendeckel hat zu massiven Protesten aus der Immobilienbranche geführt. Sind die Auswirkungen wirklich so dramatisch?

Judith Hensel: Es ist ein massiver Eingriff, der auch deutliche Auswirkungen, gerade bei Bestandsimmobilien hat. Ich bin aber eher im Verkauf von Neubauwohnungen tätig. Hier sind die Auswirkungen noch nicht ganz so stark, wenn jedoch ebenfalls relevant (so darf man z.B. bei einem Mieterwechsel nur die Miete des Vormieters verlangen, obwohl sich am freien Markt eigentlich höhere Mieten erzielen ließen)  

Lohnen sich bei den aktuellen Mietrenditen Investitionen in Berliner Bestandsimmobilien noch? 

Judith Hensel: Es ist ein massiver Eingriff, der auch deutliche Auswirkungen, gerade bei Bestandsimmobilien hat. Ich bin aber eher im Verkauf von Neubauwohnungen tätig., weiß aber von Kollegen, dass sich Bestandsimmobilien inzwischen deutlich schwerer verkaufen lassen.  

Welche Berliner Bezirke halten Sie derzeit für besonders attraktiv?

Judith Hensel: Bezirke in der Nähe des Flughafens Tegel, da der Fluglärm in Kürze keine Rolle mehr spielen wird, jedoch auch Bezirke wie Treptow-Köpenick, hier gerade, weil die Anbindung an den BER gegeben und die Lage damit attraktiv wird. In diesen Bezirken sind auch deutlich steigende Immobilienpreise zu beobachten.

Welche Rolle spielen internationale Kapitalanleger am Berliner Immobilienmarkt? 

Judith Hensel: Die Rolle dieser Anleger im Neubaubereich hat deutlich abgenommen, für den Bereich der Bestandsimmobilien kann ich es nicht einschätzen, es dürfte jedoch ähnlich sein.

Hat das Konjunkturprogramm der Bundesregierung mittelfristig Einfluss auf die Immobilienpreise in der Hauptstadt?

Judith Hensel: Ich glaube nicht, dass dies einen messbaren Einfluss hat. Das Programm dienst ja eher der Sicherung der Arbeitsplätze. Arbeitnehmer, deren Einkommen nur durch ein Konjunkturprogramm geschützt ist, werden derzeit eher vorsichtig mit einer Investition sein.

Frau Hensel, vielen Dank für das Gespräch.

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