„Altersarmut ist ein sehr reales Problem“ – Interview mit Mustafa Behan (WhoFinance)

Mustafa Behan ist Gründer von WhoFinance. Mit ca. 1,5 Millionen Kundenfeedbacks unf über 90.000 Beratern ist WhoFinance die führende Plattform für Finanzberatung in Deutschland. Im Interview spricht Mustafa Behan über Altersvorsorge in Krisenzeiten, Angst vor Altersarmut und die Notwendigkeit kompetenter Beratung bei Finanzangelegenheiten.

Mustafa Behan, Gründer von WhoFinance

Laut aktuellen Umfragen macht sich die Mehrheit der Deutschen Sorgen, in Zukunft von Altersarmut betroffen zu sein. Sind diese Ängste berechtigt? 

Mustafa Behan: Natürlich. Durch die Geburtenentwicklung und die längere Lebenserwartung werden immer weniger Menschen, da sein, die für immer mehr Menschen die Altersvorsorge finanzieren müssen. Das ist ein zwar Problem, das mit der aktuellen Zukunftsangst rund um Corona kaum etwas zu tun hat – aber, das ist ein sehr reales Problem.

Die Corona-Pandemie führt bei vielen Menschen zu niedrigeren Nettoeinkommen. Machen sich die Folgen der Krise in der Bereitschaft zur Altersvorsorge bemerkbar?

Mustafa Behan: Ja. Wir merken, dass die Suchanfragen nach Altersvorsorge gesunken sind. Wir merken übrigens auch, dass die Suchen nach Baufinanzierung sehr stark gestiegen sind. 

Der Gesetzgeber unterstützt die private Altersvorsorge. Welche staatlich-geförderten Produkte gibt es? Welche sind empfehlenswert? 

Mustafa Behan: Grundsätzlich unterstützt der Gesetzgeber die private Altersvorsorge, die betriebliche Altersvorsorge und auch die Altersvorsorge durch den Erwerb einer eigenen Immobilie. Zudem sind einige Absicherungen, wie Pflegeversicherung und Berufsunfähigkeit, ganz wesentliche Bestandteile eines runden Altersvorsorgekonzeptes. Ein Gesamtkonzept hängt ganz wesentlich von der Lebenssituation und den Zielen der einzelnen Menschen ab. Wir empfehlen deshalb dringend, keine Pauschalrezepte zu suchen. Suchen Sie einen Berater oder eine Beraterin, die ein Gesamtkonzept mit Ihnen auf die Beine stellt. 

Lebens- und Rentenversicherungen werden seit Jahren nur noch schlecht verzinst. Für wen lohnen sich diese Produkte dennoch? 

Mustafa Behan: Auch dies wäre eine Frage an einen Finanzberater, der sich mit dem Gesamtkonzept für einen Kunden auseinandersetzt.

In der Corona-Krise kam es zu erheblichen Börsenturbulenzen. Sollten Privatanleger dennoch auf Aktien zur Vermögensbildung setzen? 

Mustafa Behan: Langfristig wird es in einem Niedrigzinsumfeld sehr schwer sein, Altersvorsorge und Vermögensaufbau zu betreiben, ohne Aktien zu nutzen. Es gibt haufenweise „kluge Ratschläge“ zu Aktien. Die meisten davon stellen sich früher oder später als falsch heraus – oder mindestens als unpassend. Ein Plan zum Vermögensaufbau ist ein Gesamtwerk, der von Lebenssituation, Zielen, Einkommen abhängt – aber auch von Risiken, die Sie bereit sind einzugehen. 

Welche Rolle spielen Immobilien für die Altersvorsorge? 

Mustafa Behan: Immobilien spielen in Deutschland eine immer größere Rolle für die Altersvorsorge. Deutschland und die Schweiz haben die geringsten Immobilienquoten in Europa, dass heißt nirgendwo in Europa wohnen prozentual weniger Menschen in den eigenen vier Wänden. Diese Bild wird dann in Berlin nochmals verstärkt. Gerade mit Blick auf die steigenden Mieten, eine möglicherweise noch lange andauernde Niedrigzinsphase und viele Investoren aus dem Ausland, ist die Immobilie für Anleger wichtig.

Edelmetalle, vor allem Gold, erleben derzeit einen Boom. Sind Edelmetallinvestments für die Altersvorsorge geeignet? 

Mustafa Behan: Gold ist eine Absicherung gegen Krisenzeiten und Inflation. Wir befinden uns – wenn man es etwas gröber sieht – seit 2001 in einer gefühlten Krise, die immer wieder Ausschläge erlebt (Lehmann, Euro-Krise und nun Corona). Darum ist Gold momentan für Anleger sehr interessant, aber – so finde ich zumindest – viel schwerer zu verstehen als Aktien.  

Gibt es generell gültige Empfehlungen, worauf bei der Strukturierung der Altersvorsorge geachtet werden sollte? 

Mustafa Behan: Der wichtigste Faktor bei der Altersvorsorge ist die Zeit. Wenn Sie noch Zeit haben, können Sie Risiken eingehen. Über eine längere Zeit können Rückschläge immer wieder aufgeholt werden. Je näher das Renteneintrittsalter rückt, um so geringer sollten die Risiken sein. 

Herr Behan, vielen Dank für das Gespräch.

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