Corona-Krise steigert Nachfrage nach Photovoltaikanlagen – Ulrich Winter (Fronius Deutschland GmbH)

Ulrich Winter, Leiter der Business Unit Solar Energy bei der Fronius Deutschland GmbH. Im Interview spricht der Photovoltaikexperte über Wertschöpfungsketten in der Solarindustrie und Möglichkeiten in die Energiewende zu investieren.

Ulrich Winter, Fronius Deutschland GmbH

Photovoltaikanlagen haben 2019 einen Anteil von mehr als 7,4 Prozent zur Gesamtstromerzeugung beigetragen. Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise auf den Ausbau der Erneuerbaren Energien?

Ulrich Winter: Deutschland ist weltweit einer der ganz großen Energieimporteure. Jede Kilowattstunde Energie, die wir in Deutschland und auch in Europa selbst aus Erneuerbaren Energien erzeugen, muss nicht von außerhalb importiert werden. Dies stärkt die eigene Volkswirtschaft, weil das Geld im Binnenmarkt verbleibt. Für private Photovoltaikanlagen gilt eine sehr ähnliche Aussage: Strom, den ich mit Photovoltaik sehr günstig selbst erzeuge, muss ich nicht teuer einkaufen. Meine monatlichen Zahlungsverpflichtungen verringern sich. Ich werde in meiner eigenen Energieversorgung eigenständiger und gewinne mehr Kontrolle. Genau das beobachten wir: Die Corona-Krise hat die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen steigen lassen. Ganz besonders ist die Nachfrage nach Photovoltaikanlagen mit Batteriespeicher gestiegen. Denn mit einer Batterie kann ich meine Eigenversorgung nochmals steigern. Mit Lösungen von Fronius können sie auch das Elektroauto mit Sonnenstrom laden oder sogar mit Sonnenstrom Wärme erzeugen. Bei Gewerbeanlagen kam es durch die Corona-Krise zu einer kurzzeitigen Verzögerung, weil in Zeiten der Beschränkung Fremdfirmen nicht mehr so einfach die Industriegebäude betreten konnten. Inzwischen ist diese Phase überwunden. Das Interesse an Photovoltaik ist auch im Gewerbe hoch, denn hier gilt für die allermeisten Unternehmen die gleiche Aussage: Der selbst erzeugte Strom ist kostengünstiger als der Strom, der im Netz eingekauft wird.

Durch das Konjunkturpaket wird die EEG-Umlage in Zukunft gedeckelt. Reicht diese Neuregelung um eine starke, deutsche Photovoltaikbranche in Deutschland zu erhalten?

Ulrich Winter: Die Deckelung der EEG Umlage führt zu keiner Förderung der Photovoltaik. Allerdings hilft die Deckelung dabei, dass die Sektorenkopplung vorankommt. Sprich: Es wird leichter, bei der Heizungswärme auf eine strombetriebene Wärmepumpe umzusteigen. Und es wird leichter, den Umstieg auf Elektromobilität zu wagen. – Doch auch nach der Senkung der EEG-Umlage wird gelten: Der allergünstigste Weg, das Elektroauto aufzuladen, ist der Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage. Im Vergleich dazu ist Netzstrom zwei bis dreimal teurer. Die besten Photovoltaikanlagen am Markt sind in der Lage, gezielt die Menge Sonnenstrom in das Elektroauto zu laden, die im Haus gerade übrig ist und nicht benötigt wird.

Welche Teile der Wertschöpfungskette werden noch in Deutschland bzw. Europa generiert?

Ulrich Winter: Eine Photovoltaikanlage besteht aus diesen 4 Kostenblöcken: Module, Wechselrichter, Montagegestell, Montageleistung. Die Montageleistung kommt aus Deutschland. Wechselrichter und Montagegestelle kommen vor allem im Privatbereich fast immer aus Europa. Bei den Modulen kommen ca. 70% aus Asien.

Welche Änderungen an der aktuellen Gesetzlage wären notwendig, um die geplante Energiewende bis 2030 zu realisieren?

Ulrich Winter: Wenn die Politik die Energiewende wirklich bis 2030 realisiert haben wollte, müsste sie sehr viel ändern. Denn die Energiewende umfasst nicht nur Strom, sondern vor allem auch die Wärmeerzeugung und die Energie für Verkehr und Industrie. Beim Strom müssten die bürokratischen Hürden abgebaut werden, damit Mietshäuser leichter mit Photovoltaik versorgt werden könnten. Technisch ist das kein Problem. Im Wohnungsbereich müssten starke Anreize geschaffen werden, dass Häuser – vor allem die vielen städtischen Mietshäuser – nachträglich besser gedämmt werden. Zusätzlich müsste in der Wärmeerzeugung vollständig auf fossile Energieträger (z.B: Öl) verzichtet werden. Der Personenverkehr müsste auf Elektrofahrzeuge und öffentliche Verkehrsmittel umgebaut werden. Im Schwerlastverkehr braucht es – wegen der Energiedichte – den Wasserstoffantrieb (Brennstoffzelle). Die Wasserstoffversorgung wird auch in vielen Industriebereichen benötigt werden.

Welche Möglichkeiten gibt es für private Kapitalanleger in Photovoltaikanlagen zu investieren?

Ulrich Winter: Wer ein eigenes Haus hat, sollte in eine eigene Photovoltaikanlage investieren. Das zahlt sich in den meisten Fällen schon nach kurzer Zeit aus. Wer kein eigenes Haus hat, kann sich an einer Energiegenossenschaft oder an einem Solarpark beteiligen. Doch auch, wenn es sich um Photovoltaik handelt. Eine Beteiligung ist immer eine Geldanlage. Wer sich damit nicht auskennt, sollte sich unabhängig beraten lassen.

Welche Chancen und Risiken sind mit solchen Investments verbunden?

Ulrich Winter: Die Risiken beim eigenen Haus sind sehr gering. Hier kann man zusätzliche Garantieverlängerungen abschließen. Da sollte man darauf achten, Komponenten von seriösen Herstellern mit langjähriger Produktionserfahrung zu wählen, wo es auch langjährige Erfahrungen über die Lebensdauer der Produkte dieser Hersteller gibt. Vorsichtig wäre ich bei Herstellern, die langjährige Garantien versprechen aber gerade erst beispielsweise 5 Jahre am Markt sind. Bei allen Anlagen mit Eigenverbrauch sind die Chancen besonders hoch. Als Hauseigentümer kann ich mich fragen: Möchte ich meinen eigenen Strom auf dem eigenen Dach zu Kosten von 9-10 ct/kWh selbst herstellen oder möchte ich meinen Strom lieber für 25-30 ct/kWh im Netz einkaufen?

Bei Beteiligungen an Solarparks würde ich ähnlich vorgehen. Wie bei allen Finanzbeteiligungen gilt: Anbieter und Angebot sind kritisch zu prüfen. Eine unabhängige Beratung ist dabei sehr zu empfehlen. Ich persönlich würde dabei mein Interesse auf diejenigen Beteiligungsanbieter richten, die schon viele Jahre am Markt sind und nachweisen können, dass die Anlagen in ihren Portfolios technisch gut funktionieren und die Erträge produzieren, die vorher prognostiziert worden waren. Wenn sich die Beteiligung dann auf mehrere Photovoltaik-Anlagen an unterschiedlichen Standorten bezieht, verteilt sich das Risiko nochmals. Da die jährliche Sonneneinstrahlung von Jahr zu Jahr nur wenig schwankt, lassen sich die Erträge recht gut vorhersagen und die Rendite berechnen.

Herr Winter, vielen Dank für das Gespräch.

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