„Dieser Crash war in der Schnelligkeit und im Ausmaß ohne Vergleich“ – Stefan Mayerhofer (Bayerische Vermögen AG)

Stefan Mayerhofer ist Vorstand der Bayerische Vermögen AG. Im Interview spricht der Finanzexperte über die Auswirkungen von Corona auf die Finanzmärkte und die Strategie erfahrener Investmentprofis in Krisenzeiten.

Aus Sicht eines Vermögensverwalters: Wie haben Sie das letzte Börsenbeben vor wenigen Monaten erlebt?

Stefan Mayerhofer Bayerische Vermögen AG

Stefan Mayerhofer: Der Abschwung im März hat Erinnerungen an das Jahr 1987 wachgerüttelt. Allerdings ergeben sich bei genauerer Betrachtung dann doch deutliche Unterschiede. Dieser Crash war in der Schnelligkeit und im Ausmaß ohne Vergleich. Unsere Indikatoren haben schon im Februar auf rot geschaltet. Wir haben deshalb frühzeitig die Aktienquoten gesenkt, lange Staatsanleihen aufgestockt und Gold behalten. Der Markt war reif für eine Korrektur. Covid 19 war der Brandbeschleuniger. Insbesondere die schrecklichen Bilder aus China und Italien zeigten die Dimensionen und die möglichen Auswirkungen auf. Der Stillstand von großen Teilen der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens traf alle. Das ist der große Unterschied zu allen anderen Crashs in der Vergangenheit.

Und die drauffolgende Rallye?

Stefan Mayerhofer: …war nicht minder eindrucksvoll. Die umfangreichen Stützung- und Hilfsmaßnahmen der Regierungen und Notenbanken haben eine schnelle Erholung der Börsen herbeigeführt. Die Investoren fassten wieder vertrauen und haben gekauft. Allerdings wurde sehr genau unterschieden. Welche Branchen und Sektoren profitieren und welche werden noch länger mit Schwierigkeiten kämpfen. Wir liegen in unserer Vermögensverwaltung in allen Risikoklassen mittlerweile seit Jahresanfang im Gewinn, trotzdem wir mit angezogener Handbremse fahren. Die Probleme sind teilweise nur vertagt und gestreckt. Die Löscharbeiten noch nicht abgeschlossen und das Feuer kann immer wieder aufflackern.

Man kann sagen dieses Ereignis war nicht gewöhnlich. Wie schätzen die Langzeitwirkung ein?

Stefan Mayerhofer: Börsencrashs sind nie gewöhnlich und immer wieder anders. Bezüglich der Langzeitwirkung verweisen wir auch immer wieder auf 2008! Wir laborieren heute noch an den Folgen. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise von 2008 sind bei weitem nicht gelöst und deswegen ist unser Wirtschaftssystem auch so anfällig. Die Probleme haben sich über Jahre weiter aufgestaut. Schauen Sie sich die Kursentwicklung z.B. der europäischen Banken seit 2008 und heute an. Die Rolle der Notenbanken hat sich in den letzten zwanzig Jahren gravierend verändert. Die Abhängigkeiten der Regierungen und der gesamten Wirtschaft stetig gewachsen. Mittlerweile verzinsen sich die meisten Staatsschulden mit Minus. Die Kontrolle über kurz- und langfristige Zinsen hat nicht mehr der Markt, sondern die Notenbanken. Wie lange das so bleibt? Wann das aufgelöst wird? Wir wissen es nicht!

Was sind die Assetklassen, die Sie ihren Kunden empfehlen?

Stefan Mayerhofer: Das kommt sehr stark auf das Risikoprofil, die Lebensumstände, die Erwartungen und persönliche Präferenzen an. Pauschal – streuen, streuen und nochmals streuen und liquide bleiben!

Wie hoch ist die durchschnittliche Rendite, die Ihre Investoren erwirtschaften?

Stefan Mayerhofer: Nachfolgend habe ich Ihnen die Ergebnisse für eine Kunden mit mittlerer Risikoneigung und mittelfristigen Horizont nach allen Kosten seit 2013 zusammengestellt. Die Volatilität beträgt 6,1. Der maximale Draw down 12,3 % und der längste Verlustzeitraum 23 Monate.

Welche Assetklassen werden Ihrer Meinung nach in Zukunft besonders interessant sein?

Stefan Mayerhofer: Aktien und Gold sind aktuell interessant, auch wenn bei Assetklassen große und heftige Schwankungen unterliegen.

Investoren können auch eigenständig Aktien kaufen oder in Rohstoffe investieren. Was sind die wesentlichen Vorteile einer Vermögensverwaltungsgesellschaft?

Stefan Mayerhofer: Wir arbeiten regelbasiert, aktiv und nachhaltig. Unsere flexible und systematische Arbeit führt zu guten bis sehr guten Ergebnissen, insbesondere unter Einschluss der Risiken. Prognosen lehnen wir ab. Wir hören dem Markt zu. Unsere Indikatoren unterstützen uns klare Entscheidungen zu treffen. Für den Anlageerfolg ist die strategische Vermögensaufstellung von entscheidender Bedeutung. Die Taktik ist die Kür!

Wir achten sehr stark auf die Kosten, da diese einen starken Einfluss auf das Ergebnis haben. Wir leben nicht von Provisionen, sondern von unserem Honorar, das auch mit der Entwicklung der Wertentwicklung verknüpft werden kann. Jeder unserer Kunden hat einen festen persönlichen Ansprechpartner, der regelmäßig, transparent und kompetent berichtet, berät und sich um die finanziellen Belange seiner Kunden kümmert, nicht nur von 9 bis 17 Uhr!

Herr Mayerhofer, vielen Dank für das Gespräch.

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