Schulden mit neuen Schulden zu bekämpfen ist vorsätzliche Insolvenzverschleppung – Christopher Kalkbrenner

Christopher Kalkbrenner ist Inhaber von Kalkbrenner Edelmetalle. Im Interview spricht der Goldexperte über die Preisentwicklung des begehrten Rohstoffs und die besten Methoden zur Lagerung.

Die Schuldenkrise wird von den Notenbanken bekämpft, indem die Märkte mit Geld geflutet werden. Wie stehen Sie zu diesem Thema?

Christopher Kalkbrenner: Wir beobachten diese Vorgehensweise mit der Schuldenkrise umzugehen mit größter Sorge. Wenn z.B. ein kleines deutsches mittelständiges Unternehmen seine Kredite bzw. Schulden nicht mehr bezahlen kann, ist dieses zahlungsunfähig somit insolvent, weitere Kredite werden diesem Unternehmen nicht mehr gewährt. Schulden mit neuen Schulden zu bekämpfen, während die Länder teilweise nicht mal die Zinsen zurückbezahlen können, ist totaler Wahnsinn und wird langfristig nicht funktionieren. Dies ist meiner Meinung nach eine vorsätzliche Insolvenzverschleppung.  Zusätzlich tut die Erhöhung der nachdruckbaren Geldmenge unserer Kaufkraft aus inflationärem Gesichtspunkt nicht wirklich gut.

Sachwerte werden gern als „Inflationsschutz“ oder Mittel gegen die Geldentwertung bezeichnet. Können Sie uns dies einmal am Beispiel Gold veranschaulichen?

Christopher Kalkbrenner: Gold hat über die Jahrhunderte immer seine Kaufkraft erhalten können. Ein beliebtes Beispiel ist immer der „Anzugvergleich“. 1908 konnte man  für eine Unze Gold einen Maßanzug für ca. 100 Mark/ 1oz Gold bekommen, heutzutage bekomme ich für eine Unze Gold auch einen Maßanzug, nur Kostet dieser  heute 1.500 Euro, da bleibt zum jetzigen Goldpreis sogar noch was für ein Eis übrig um damit den Anzug voll zu sauen und  ihn dann noch mit dem Restgeld zur Reinigung zu bringen. Hätte ich mir meine 100 Mark damals behalten und kein Gold dafür gekauft, wären meine 100 Mark heute nur noch lustiges buntes Toilettenpapier. Als persönliches Beispiel: Die 20 Reichsmark aus Gold von meiner Oma sind heute noch was Wert und sogar im Wert gestiegen, 20 Reichsmark aus Papier sind heute wertlos.

Wie kostet eine Unze in der Herstellung?

Christopher Kalkbrenner: Das ist eine sehr gute Frage! Damit diese gut beantwortet werden kann müssten wir einen Goldminenbesitzer fragen. Ich kann nur sagen, dass Gold und  Silber einen gewaltigen Prozess durchlaufen, der auch mit einigen Kosten zusammenhängt bis der Endkunde eine fertige Münze oder Barren kaufen kann. Da sind z.B. Die Förderkosten, um das Metall aus dem Boden zu holen, dann die Verarbeitungskosten von der Scheideanstalt und zu guter Letzt natürlich noch die Händlerkosten, damit es zu Kunden gelangen kann. Je nach Produkt und Seltenheit kann das vom Spot 20% und deutlich mehr sein.

In welche Richtung geht mittelfristig der Goldpreis?

Christopher Kalkbrenner: Aufgrund der Seltenheit, der steigenden Produktionskosten, Marktmanipulation und der extrem hohen Nachfrage würde ich die steigende Kurve mit kleinen kurzzeitigen Korrekturen fortsetzen. Zur Verdeutlichung:  Es gibt viele Meinungen die Gold hochrechnen, ich habe aber noch keinen getroffen, der es runter rechnet und dies auch noch plausibel begründen kann.

Manche schwören auf Goldsparpläne, andere auf den Kauf von Münzen und Barren beim Händler. Was würden Sie empfehlen?

Christopher Kalkbrenner: Es kommt darauf an, warum ich mir Edelmetalle kaufen möchte. Sparverträge sind prinzipiell etwas Gutes, solange man die teilweise viel zu hohen dauerhaften Gebühren umgehen kann. Ich persönlich schwöre auf die physische Form zuhause. Wenn es darauf ankommt, habe ich meine Sicherheiten greifbar und muss nicht um die Auszahlung kämpfen. Ich bin damit in der Lage direkt tauschen zu können und bleibe handlungsfähig. Wenn ich an Risikovorsorge denke, dann will ich die auch bei mir haben. Lieber die Schwimmweste haben, als nur das Versprechen, dass mir in Not eine gebracht wird.

Gold kann man zuhause in großen Mengen aus unterschiedlichen Gründen meist nicht lagern. Welche Orte empfehlen Sie?

Christopher Kalkbrenner: Einen Teil in einem Tresor bei sich zuhause als Notreserve. Das größere Vermögen eventuell in ein versichertes Schließfach bringen. Ich kenne sogar Menschen, die Ihre Edelmetalle vergraben. Ich bin eher der Tresorfreund. Diese müssen nicht mal sehr groß sein und passen in die kleinsten Wohnungen. Es gibt auch einige schöne Tresorverstecke. Wer sich Edelmetalle zulegen möchte, sollte sich mit dem Thema Aufbewahrung und Lagerung mindestens einmal befassen und für sich eine individuelle Lösung finden.

Herr Kalkbrenner, vielen Dank für das Gespräch.

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