Digitalisierung ist Schmerzpunkt der deutschen Wirtschaft – Bianca Schmitz (ESMT Berlin)

Bianca Schmitz ist Program Director und Head of Sales and Operations Executive Education an der ESMT Berlin. Ihr Fokus liegt auf agilen Innovationsprozessen, besonders mittelständischer Unternehmen, so genannter Hidden Champions. Sie wurde am Hasso-Plattner-Institut im Bereich Design Thinking ausgebildet und ist zertifizierte SCRUM Product Owner(in).

Bianca Schmitz
ESMT Berlin

In der letzten Krise hat sich gezeigt, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen nicht hinreichend digitalisiert sind. Was sind Ihre Erfahrungen bezüglich der Digitalisierung der Wirtschaft?

Bianca Schmitz: Die Digitalisierung ist nach wie vor ein Schmerzpunkt in der deutschen Wirtschaft. Inzwischen nehmen sich dem Thema so gut wie alle Unternehmen an, sei es durch Initiativen, Projekte oder digitale Strategien. Es gibt einige Unternehmen, die als Vorreiter gesehen werden, z.B. Axel Springer oder Viessmann, während andere immer noch mit den vielschichtigen Herausforderungen hadern. Dazu gehören u.a. Geschwindigkeit, Komplexität, nicht ausreichende Budgets, fehlende Bereitschaft der Mitarbeiter für Veränderung, fehlende Expertise, Scheitern bei der Rekrutierung neuer Mitarbeiter, fehlende zukunftsweisende Technologien, fehlende IT Infrastruktur, etc. Viele Unternehmen implementieren agile Methoden, wie Kanban, Scrum, Design Thinking oder Hackathons, um die Digitalisierung voranzutreiben. Andere setzen auf die Akquise von Unternehmen, um z.B. neue Kompetenzen zu erwerben.

Was macht Ihr Unternehmen, um anderen Firmen bei der Digitalisierung zu helfen?

Bianca Schmitz: Als internationale Wirtschaftsuniversität unterstützen wir Firmen mit Weiterbildungskursen in verschiedenen Bereichen: (digitale) Strategie, Change Management und Kommunikation, Innovation und agile Methoden, Künstliche Intelligenz, Analytics, sowie diverse Führungsthemen, wie etwa das Führen von virtuellen Teams. Darüber hinaus bereiten wir unser Master- und MBA-Absolventen auf die digitale Arbeitswelt vor. Im Master in Management-Studium setzen wir beispielsweise einen Schwerpunkt auf Data Analytics. In der Forschung untersuchen wir u.a. digitale Plattformen, Künstliche Intelligenz in Entscheidungsfindungsprozessen oder wie Unternehmen digitale Innovation entwickeln und auf den Markt bringen.

Für Firmen welcher Größenordnung macht es Sinn, sich der Optimierung digitaler Prozesse zu widmen, auch insbesondere hinsichtlich der Kosten?

Bianca Schmitz: Im Prinzip sollten alle Unternehmen Wege suchen, ihre internen und externen Prozesse durch Digitalisierung zu vereinfachen. Dadurch können u.a. Lieferzeiten optimiert oder Kundenbedürfnisse noch stärker befriedigt werden.

Was sind die wichtigsten aktuellen Trends?

Bianca Schmitz: Analytics, künstliche Intelligenz und Veränderungsthemen sind die wichtigsten Trends. Darüber hinaus ist es wichtig, Mitarbeiter noch stärker zu befähigen, auch virtuell in Teams zu arbeiten, und den Aufbau einer Lernkultur im Unternehmen zu forcieren.

Wie sieht die Zukunft Ihrer Branche aus?

Bianca Schmitz: Auch wir Wirtschaftsuniversitäten werden digitaler. Wir werden unsere Weiterbildungsseminare und Studiengänge noch stärker hybrid anbieten, also mit Präsenz- und Online-Unterricht. An der ESMT Berlin haben wir die Bedeutung der Digitalisierung in der Bildung und der Gesellschaft als Ganzes erkannt, lange bevor das Coronavirus den Präsenzunterricht unmöglich machte. Wir haben 2016 das Digital Society Institute gegründet. Dieser führende Think-Tank für Fragen der Cybersicherheit berät Unternehmen, Regierungen und die NATO. Im Jahr 2019 haben wir stark in digitales Lernen investiert. Diese Investition hat uns zusammen mit unserer Erfahrung als Teil der Future of Management Education Alliance hat einen enormen Vorteil verschafft. Wir haben erfolgreich einen MBA im Blended-Learning-Format für die Deutsche Telekom entwickelt und durchgeführt. Zudem haben wir den ESMT Part-time MBA in Business Innovation ins Leben gerufen, der ebenfalls im Blended-Format angeboten wird.

Frau Schmitz, vielen Dank für das Gespräch.

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