ESG-Investing ist der Diesel-Skandal in der Finanzbranche

Gerd Junker ist Geschäftsführer der Grünes Geld GmbH. Im Interview spricht er über nachhaltige Geldanlagen und dem Unterschied zwischen ESG-Investing und Impact Investments.

Impact Investment, ein neuer Name für einen länger anhaltenden Trend. Was steckt hinter diesem Begriff?

Gerd Junker: Ich denke schon, dass dieser Begriff wichtig ist, denn was bisher unter nachhaltigem Investment verstanden wurde, war nur die 1. Stufe: Man hat die „bösen Buben“ außen vorgelassen, also zum Beispiel nicht in die Waffenindustrie investiert. Im Ergebnis hatten die Anleger aber dann zum Beispiel Fonds oder ETF´s vorliegen, die weitgehend die gleichen Unternehmen als Investments vorsahen wie normale Fonds auch, von Apple über Nestlé bis SAP.

Beim Impact Investment darf der Anleger schon mehr erwarten, er möchte also tatsächlich eine Wirkung erkennen. Da muss man schon genauer hinsehen und suchen. Das können dann spezielle Projekte wie Solarkraftwerke oder Mikrofinanzfonds sein oder auch unsere Grünes Geld Vermögensverwaltung.

Sie haben sich auf Impact Investments spezialisiert – warum?

Gerd Junker: Aus den oben genannten Gründen. Uns gibt es ja bald 20 Jahre und wir kennen die Anliegen der ethisch-ökologisch orientierten Anleger. Und die üblichen Produkte der Finanzindustrie gehen leider am eigentlichen Ziel vorbei. Das Impact Investing trifft´s und liefert dem Anleger das, was er sich eigentlich schon immer erwartet hätte. Das ansonsten von der Finanzindustrie gelieferte ESG-Investing ist der Diesel-Skandal in der Finanzbranche. Nach einigen Jahren werden die Anleger merken, dass sie an der Nase herumgeführt wurden.

Wer ist Ihr Kunde, der grüne Hippie mit Traumvorstellungen von der Welt oder gibt es kein typisches Profil?

Gerd Junker: Gemeinsamer Nenner all unserer Kunden ist die hohe Bildung. Man braucht einfach Menschen, die etwas genauer hinsehen und auch komplexere Zusammenhänge verstehen. Derjenige, der einfach nur in 10 Minuten am Bankschalter in „irgendwas“ investieren möchte ohne sich ein paar Gedanken zu machen, der versteht Impact Investing wahrscheinlich gar nicht.

Welche Renditen lassen sich mit Impact Investments erwirtschaften?

Gerd Junker: Grundsätzlich die gleichen wie bei anderen Geldanlagen auch. Die Rendite hängt in erster Linie von der Risikobereitschaft des Anlegers ab. Ich würde Impact Investing nicht aus Renditegründen machen, auch wenn der weltweite Trend zu mehr Nachhaltigkeit natürlich Rückenwind für das Thema gibt und die Renditen der letzten Jahre etwas höher waren als bei vergleichbaren konventionellen Produkten. Realistisch sind langfristige Renditen bei hoher Sicherheit von 0,5 Prozent bis 6 Prozent, wenn ich auch größerer Wertschwankungen bereit bin zu tragen.

Wo liegt der Unterschied zwischen dem Investieren nach ESG-Kriterien und Impact Investing?

Gerd Junker: Das nicht geschützte Label ESG klebt sich derzeit fast jeder auf sein Finanzprodukt. Es hat in der Praxis nur wenig Auswirkungen, die ethisch-ökologische Wirkung ist, sofern vorhanden, gering. Impact Investing ist als Begriff auch nicht geschützt, es wird aber aktuell schon noch für Angebote verwendet, die den oben beschriebenen, „tief-grünen“ Ansatz verfolgen und die auch wirklich etwas bewegen.

Wird diese Art von Investments die Welt verbessern können? Kann man die Wirkung messen?

Gerd Junker: In vielen Teilbereichen kann man es messen – das muss dann aber wirklich zu dem Produkt passen. Nehmen wir die Mikrofinanz-Fonds: Dort kann ich konkret messen, dass beispielsweise der IIV-Fonds nach aktuellem Stand 468.336 KreditnehmerInnen erreicht hat und diesen im Durchschnitt einen Kredit in Höhe von 1.219 Dollar gewährt hat. Damit ist klar, dass er fast einer halben Millionen Menschen in den ärmsten Regionen der Welt eine wichtige Hilfe zu höherer Lebensqualität gewährt hat.

Herr Junker, vielen Dank für das Gespräch.

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