Mittelständische Firmen sollten Investments in die digitale Zukunft wagen – René Piper (Studio 2038)

René Piper ist Geschäftsführer der Hamburger Agentur Studio 2038. Im Interview spricht er über die Notwendigkeit sich systematisch mit Fragen der Digitalisierung zu beschäftigen und rät auch KMU sich dem Thema zu widmen.

In der letzten Krise hat sich gezeigt, dass Unternehmen und öffentliche Einrichtungen wie Schulen nicht hinreichend digitalisiert sind. Was sind Ihre Erfahrungen bezüglich der Digitalisierung der Wirtschaft?

René Piper
Studio 2038

René Piper: Alte Overheadprojektoren, Kassettenrekorder und grüne staubige Kreidetafeln beherrschen leider immer noch das Bild in zu vielen Klassenräumen. Selbst wenn digitale Lernmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, fehlt vielen Lehrerinnen die Kompetenz und die Zeit sich einzuarbeiten. Relativ ähnlich geht es auch den Unternehmen in der Wirtschaft: Intern fehlt es an Know-How, Personal und Zeit sich in neue digitale Themen einzuarbeiten. Potentiale werden zwar halbherzig erkannt, aber es wird lieber auf Altbewährtes gesetzt, aus Angst die falschen Entscheidungen zu treffen. Hier ist deutlich mehr Mut gefragt. Die großen Big Player erschaffen abseits des Alltagsgeschäfts „digitale Hubs“. In diesen ‚Innovation Labs’ werden digitale Möglichkeiten diskutiert, erarbeitet und ausprobiert. Nicht selten führen diese dann zum Erfolg und zur Umsatzsteigerung. Auch mittelständische Firmen sollten ein gewisses Investment in die digitale Zukunft wagen. Viele Unternehmen laufen sonst Gefahr das Schicksal von Kodak, Nokia und Co zu teilen, da sie den digitalen Wandel verschlafen haben.

Was macht Ihr Unternehmen, um anderen Firmen bei der Digitalisierung zu helfen?

René Piper: Durch zahlreiche intensive Gespräche mit Entscheidern, Marketingverantwortlichen und Vertriebsleitern in den vergangenen Jahren wurde uns bewusst: Branchenübergreifend stehen viele Firmen vor der großen Herausforderung sich zukunftssicher aufzustellen, ohne dabei den Anschluss an die Kunden und die technischen Möglichkeiten zu verlieren. Der Bedarf war bereits vor der Corona-Krise da, aber für viele Firmen wurde der Notstand erst in den vergangenen Monaten durch die Corona-Krise spürbar. Aber wo fängt man an? Mit unserer digitalen Unternehmensberatung schließen wir diese Wissenslücke. Wir analysieren den Status Quo, zeigen kurz- und langfristige Möglichkeiten auf und erarbeiten individuelle Lösungen. Dabei verlieren wir nie den Fokus auf die definierten Unternehmensziele aus den Augen. Unser unabhängiger Blick von außen und unsere langjährige Agenturerfahrung erlaubt es uns, Unternehmen branchenübergreifend verständlich und ehrlich zu Themen im digitalen Marketing zu beraten. Die Möglichkeiten sind nahezu grenzenlos, es wird Zeit diese auch zu nutzen.

Was ist Ihre Spezialisierung?

René Piper: Neben der Beratung zum digitalen Wandel, haben wir uns auf die Umsetzung von fotorealistischen 3D | CGI Visualisierungen und Animationen spezialisiert. Im Vergleich zur klassischen Fotografie bieten 3D Renderings, welche ausschließlich am Computer entstehen, zahlreiche organisatorische und wirtschaftliche Vorteile. Als ‚virtuelle Agentur’ entwerfen, planen und erstellen wir hochwertigen Content fürs Marketing. Während andere Agenturen mit festangestellten 3D Generalisten arbeiten, bauen wir ein agiles projektbasiertes Team aus den jeweiligen Spezialisten ihrer Branche auf. Unser Netzwerk besteht mittlerweile aus über 100 verifizierten Freelancern, Studios und Experten. Unsere Kunden haben somit den Vorteil in uns einen zentralen Ansprechpartner zu haben, gleichzeitig aber auf Qualität und Expertise zurückgreifen zu können, welche sonst nur schwer zu finden sind.

Für Firmen welcher Größenordnung macht es Sinn, sich der Optimierung digitaler Prozesse zu widmen, auch insbesondere hinsichtlich der Kosten?

René Piper: Digitalisierung macht für alle Unternehmen Sinn, egal ob Start-Up, Mittelstand oder Großkonzern. Nicht immer sind alle digitalen Innovationen für ein Unternehmen in der Anwendung sinnvoll, aber an den richtigen Stellschrauben gedreht, können Prozesse so viel einfacher und schneller abgewickelt werden als bisher. Ein schönes Beispiel ist die nicht vorhandene Möglichkeit der EC-Kartenzahlung beim kleinen Bäcker um die Ecke. Terminal, Einrichtung und Unterhalt kosten relativ wenig im Vergleich zu den entgangenen Einnahmen bei reiner Bargeld-Akzeptanz. Kleines Investment mit großer Wirkung. Jedes Unternehmen, unabhängig welcher Branche, sollten sich daher fragen: Was erwartet unsere Zielgruppe, also der Kunde? Was macht die Konkurrenz? Wo wollen wir in den kommenden Jahren stehen?

Was sind die wichtigsten aktuellen Trends?

René Piper: Der technische Fortschritt entwickelt sich rasend schnell. Unsere Smartphones werden immer leistungsstärker und schneller. Dies ermöglicht vielseitige Anwendungen, auch in Augmented Reality. Produkte können in Online-Shops angeklickt werden und via Smartphone-Kamera direkt als virtuelles 3D Modell in der echten Umgebung zuhause platziert werden. Langfristige Tests zeigen uns bereits, dass hiermit Retourenquoten gesenkt und Kaufentscheidungen durch emotionale Produktbindungen gefördert werden können. Daher wächst der Bedarf nach 3D Modellen (sog. ‚digitaler Zwilling‘) von Produkten aller Art – damit Kunden nicht mehr auf ein starres Foto blicken müssen, sondern sich interaktiv mit dem 3D Produkt beschäftigen können.

Wie sieht die Zukunft Ihrer Branche aus?

René Piper: In den letzten 20 Jahren basierten die großen Innovationen hauptsächlich auf dem Fortschritt in der Computerentwicklung – Chips, Internet, Cloud, Smartphones. Unser Alltag, vor allem in der Kommunikation untereinander, änderte sich enorm. In den kommenden 10 Jahren, bis 2030, werden wir so viele weitere Grundlagentechnologien entwickelt haben, welche sich gegenseitig ergänzen. Dank Blockchain, 3D-Druck, 5G, künstlicher Intelligenz und Quantencomputer stehen wir vor einer Dekade noch schnelleren Fortschritts als bisher. Das Potential ist enorm und wir freuen uns auf die digitale Zukunft gemäß unserem Slogan: Shaping the future now.

Herr Piper, vielen Dank für das Gespräch.

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