„Wer bei uns investiert betreibt keine Rendite-Maximierung“

Wir sprechen mit Florian Kollewijn, Vorstand der CHANCEN eG, über Impact Investment für eine chancengerechte und solidarische Bildungsfinanzierung

Impact Investment, ein neuer Name für einen länger anhaltendem Trend. Was steckt hinter diesem Begriff?

Florian Kollewijn: Unter diesem Begriff werden Investments in besonders wirkungsvolle nachhaltige Geldanlagen zusammengefasst. Weniger die finanzielle Rendite zählt – also Dividende oder Zinssatz, sondern die mit dem Investment erreichte Wirkung für eine nachhaltig gerechtere und bessere Gesellschaft und Umwelt. Ziele von Impact Investments können eine geringere Umweltbelastung oder – wie in unserem Fall – eine bessere Verteilung von Bildungschancen sein. 

Sie haben sich auf Impact Investments spezialisiert – warum?

Florian Kollewijn: Wir finanzieren jungen Menschen ihr Wunschstudium bzw. ihre Wunschausbildung, indem wir die ggf. dafür erforderlichen Gebühren vorfinanzieren. Als Basis dient uns der sog. Umgekehrte Generationenvertrag (UGV). Den UGV wollen wir zu möglichst fairen Konditionen für die jungen Menschen anbieten. Dafür suchen (und finden) wir Investoren, die genau dieses Ziel gut finden und mit ihren Investments unterstützen, ohne dabei ihr Geld zu verschenken. Das einzige Zugeständnis der Investoren ist der Verzicht auf Profitmaximierung durch die Vereinbarung von fairen Renditen und Zinsen, zu Gunsten eines sinnvollen Zieles.

Wer ist Ihr Kunde, der grüne Hippie mit Traumvorstellungen von der Welt oder gibt es kein typisches Profil?

Florian Kollewijn: Das Bild des grünen Hippies erscheint ein Griff in die Bilderwelt der 70er/ 80er Jahre und somit etwas veraltet. 

Es gibt heute viele – auch durchaus wohlhabende – Menschen, die ihr Geld nachhaltig und sinnvoll anlegen wollen. Diese Klientel sprechen wir an; und wir sind dabei erfolgreich. Immerhin hat sich unsere Bilanzsumme, als Maßstab für die Größe bzw. das Entwicklungstempo unserer Organisation, verdoppelt. 

Welche Renditen lassen sich mit Impact Investments erwirtschaften?

Florian Kollewijn: Wer bei uns investiert betreibt keine Rendite-Maximierung; sonst könnten wir keine wirklich fairen Konditionen anbieten. Für unsere Geldmittel zahlen wir zwischen 2,5 und 4,5 Prozent im Jahr, je nach Laufzeit und Risikoprofil. 

Wo liegt der Unterschied zwischen dem Investieren nach ESG-Kriterien und Impact Investing?

Florian Kollewijn: Bei Impact Investing geht es in allererster Linie um die Wirkung der Investition – die zu finanzierende Geldanlage – auf Menschen und/oder Gesellschaft. 

ESG-Investments beziehen sich auf nachhaltige Geldanlagen, die eine positive Wirkung auf Umwelt (=Environment), Soziale Themen (Social) oder gut geführte Unternehmen (=Governance) haben. 

Insoweit kann ein Impact Investment auch ein ESG-Investment sein, etwa ein Investment in unsere Genossenschaft, die den Abbau von Bildungsungerechtigkeit fördert. 

Umgekehrt kann ein ESG-Investment auch wenig oder gar keinen Impact-Charakter haben, wenn es etwa „nur“ um ein rendite-maximierendes Investment in eine moderne Tech-Application geht. 

Werden diese Art von Investments die Welt verbessern können? Kann man die Wirkung messen?

Florian Kollewijn: Wir sind davon überzeugt, dass Impact Investment die Welt verbessern kann; es müssen nur genügend Menschen daran teilnehmen. 

Und die Wirkungsmessung – eben abseits des Zinssatzes oder der Dividende – ist wesentlich für ein solches Investment. Die Organisation muss nachweisen, welche Wirkung sie auf wen in einer bestimmten Zeit erzielt und wie sich die Ausgangssituation durch diese nachhaltige Investition verändert. Die Wirkungen sind dabei divers, eine Orientierung bieten die 17 Sustainable Development Goals der UN.

Herr Kollewijn, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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