Corona als große Herausforderung für die Mode-Branche – Sophia Wittrock (Jesango)

Sophia Wittrock ist Mit-Begründerin des Münchner Fashion-Start-ups „jesango“. Im Interview mit dem Businesstalk am Kudamm-MAGAZIN spricht sie über die vielen Stolperfallen, mit denen sich gerade junge Unternehmen aus der Modebranche auseinandersetzen müssen.

jesango Gründerteam

„Corona konnte keiner voraussehen“ – tatsächlich nicht? Seit 2009 gibt es eine ISO-Norm für Risikomanagement (31000). Waren Sie auf die Krise ausreichend vorbereitet?

Sophia Wittrock: Dadurch, dass wir als Start-up erst im November 2019 gestartet sind, hatten wir uns mit Risikomanagement oder mit der ISO-Norm (31000) für eine solche Krise noch nicht befasst. Sobald die Krise aufkam, haben wir jedoch schnell und intuitiv gehandelt und Informationen eingeholt, somit konnten wir durch unsere Entscheidungen gut mit der Situation umgehen.

Wie hat sich die Marktlage in Ihrer Branche durch die Corona-Krise verändert?

Sophia Wittrock: In der Modebranche leiden sehr viele Firmen unter der Corona-Krise. Einzelhändler konnten ihre Läden nicht öffnen und Kollektionen wurden nicht abgenommen, dadurch ist viel Saison-Ware liegen geblieben. Das hat leider schwerwiegende Konsequenzen für die Produktionsstätten, in denen viele Menschen ihren Job verloren haben oder auf Ihre Bezahlung warten, da große Modeketten ihre Aufträge storniert haben. Jedoch habe ich das Gefühl, dass in der „Fair Fashion-Branche“ alle Akteure noch näher zusammengerückt sind und sich gegenseitig sehr unterstützen. Das finde ich sehr positiv.

Krisen- und Risikomanagement wird in Unternehmen oft nachrangig behandelt. Welche internen und externen Risikofaktoren haben Sie für Ihr Unternehmen/Ihre Branche besonders im Blick?

Sophia Wittrock: Extern ist für uns besonders wichtig, die Nachhaltigkeit unserer Zulieferer nach wie vor sicherzustellen. Wir wollen nicht riskieren, dass wir unser Versprechen nur nachhaltige und fair produzierte Mode zu verkaufen, nicht halten zu können. Aus diesem Grund betreiben wir sehr viel Recherche, lassen uns die Einhaltung der fairen Richtlinien schriftlich bestätigen und gehen in einen intensiven Austausch mit unseren Lieferanten. Auch intern sind der Austausch und regelmäßige Updates intensiver geworden und wir analysieren ständig den Markt.

Krisen offenbaren oft Schwächen im Unternehmen, die im Tagesgeschäft unbemerkt übergangen werden, wenn das Business „läuft“. Inwiefern haben Sie die Ausrichtung und Arbeitsweise Ihres Unternehmens während einer Krise angepasst?

Sophia Wittrock: Durch Corona ist uns nochmal klar geworden, dass wir einen hohen Kapitalbedarf haben, da wir effektives Onlinemarketing betreiben müssen, um kontinuierlich Kunden auf unsere Seite zu führen. Außerdem haben wir viele kleine Lieferanten, die durch die Krise in eine schwierige Lage gekommen sind. Eine Veränderung bei der Auswahl unserer Lieferanten kommt aber nicht infrage. Wir wollen aber in der Branche zusammenhalten und einander unterstützen. Zukünftig werden wir neben unserem Onlinegeschäft auch unser Tagesgeschäft durch kurzfristig angemietete Pop-up Shops ergänzen.

Leiden in Ihrem Unternehmen aufgrund der Krise andere Themen wie z.B. Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder die Produktqualität?

Sophia Wittrock: Umweltschutz und Nachhaltigkeit hatte für uns schon immer oberste Priorität und auch bei der Produktqualität gehen wir trotz Krise keine Kompromisse ein. Bei uns hat durch den Lockdown leider der Aufbau einer lokalen Community und eines starken, lokalen Netzwerks etwas gelitten, da wir auf Events vor Ort gesetzt hatten und wir somit leider in der Gründerszene weniger wichtige Kontakte knüpfen konnten. Daher mussten wir uns hierfür neue Formate überlegen, um das Thema Fair Fashion trotzdem weiter voranzubringen.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Corona-Krise gewonnen?

Sophia Wittrock: Dass man ein Team auch sehr gut remote führen kann und trotz der räumlichen Entfernung ein starkes Team-Gefühl entstehen kann, wenn man sich regelmäßig durch Videokonferenzen auf dem Laufenden hält und sich auch mal auf einen digitalen Kaffee oder zu einem digitalen Afterwork trifft, konnten wir als wichtige Erfahrung mitnehmen. Außerdem haben wir festgestellt, dass viele Konsumenten in der Krise genau überlegen, wie sie ihr Geld ausgeben und gerade kleine, nachhaltige und lokale Firmen gerne durch einen Kauf unterstützt werden.

7. Welche Ratschläge möchten Sie gerade Startups zum Thema „Krisen-Prävention“ mit auf den Weg geben?

Sophia Wittrock: Gut kalkulieren und gerade am Anfang Fixkosten geringhalten, damit eine Krise einen nicht gleich aus der Bahn wirft. Außerdem Rat bei Experten einholen und das Team motivieren, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. So steht man die Krise gemeinsam durch und kann im besten Fall sogar gestärkt aus der Krise gehen.

Wir danken Ihnen für das Gespräch, Frau Wittrock

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