Es fehlen aktive Business Angel und Serial Entrepreneurs – Prof. Dr. Christoph v. Einem (ARQIS)

Prof. Dr. Christoph v. Einem ist Partner der Kanzlei ARQIS Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB. Im Interview spricht er über die Entwicklung der Venture Capital Szene in Deutschland.

Die Aktie ist von einer Anlageform für Wenige noch Mitte der 90er Jahre in breiten Teilen der Bevölkerung angekommen. Würden Sie dem zustimmen?

Prof. Dr. Christoph v. Einem

Prof. Dr. Christoph v. Einem: Die Aktie ist sehr sichtbar zu einem Anlageinstrument in Deutschland geworden und Gott sei Dank werden Aktienanlagen von den Deutschen auch nicht mehr so hoch spekulativ wie zu Zeiten des Börsengangs der Deutschen Telekom und des Neuen Markts getätigt, wo Aktienkäufe unvernünftigerweise mit Bankdarlehen refinanziert wurden. Nach der Entwertung aller Fremdkapitalinstrumente durch die Politik der EZB und der weitgehend überhitzten Immobilienmärkte, werden Eigenkapitalinvestments immer mehr gesucht. Und dies nicht nur im Bereich des öffentlichen Aktienhandels, sondern gerade auch bei jüngeren Menschen im außerbörslichen Umfeld. Und da werden Beteiligungen an jungen Technologieunternehmen immer wichtiger.

Venture Capital ist in Deutschland wenig vorhanden, woran liegt das?

Prof. Dr. Christoph v. Einem: Zum einen ist den meisten VC Fonds, die in Deutschland zwischen 1995 und 2000 gegründet wurden, nach dem zerplatzen der Seifenblase 2001 die Luft ausgegangen und sie konnten mangels einer positiven Performance keine Folgefonds mehr auflegen. Zum anderen haben zu wenige der „erfolgreichen“ Gründer, die ihre Gesellschaften im Neuen Markt an die Börse bringen konnten, dort schnell genug vor dem Kursverfall Ihre Anteile versilbern können. Es fehlt in Deutschland einerseits die Generation an erfolgreichen Unternehmern, die bereits mit 40 bis 50 Jahren einen IPO geschafft haben und mit diesem Geld als aktive Business Angel oder Serial Entrepreneurs agieren können. Von Unternehmern, die mit 65 Jahren oder noch später Ihr Unternehmen an die nächste Generation übergeben bzw. Verkaufen, kann man nicht erwarten, dass er noch langfristige Engagements im Venture-Capital-Bereich eingeht. Und anderseits fehlt Deutschland ein Altersversorgungssystem, das nicht wie in Deutschland umlagefinanziert, sondern solide gewachsen aus angelegten Geldern finanziert wird. Länder, die hier ein seit Jahrzehnten gewachsenes System haben, wie die USA, Großbritannien oder die Niederlande, habe Vermögensmassen, die auch teilweise gerne in alternative Assets wie Venture Capital und Private Equity investieren. Die Versorgungswerke der Freiberufler in Deutschland sind hier nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Warum läuft dieser Markt beispielsweise in den USA besser?

Prof. Dr. Christoph v. Einem: Die USA haben 20 Jahre Vorlauf und wie ausgeführt viel, viel größere Geldtöpfe, die für diese Assetklasse zur Verfügung stehen als Deutschland. Aber Deutschland hat schon substantiell aufgeholt und ist wegen der hervorragenden deutschen Unis und Forschungsinstitute sehr attraktiv für ausländische Investoren. Als ich vor 30 Jahren begann Venture Capital Investments in Deutschland zu betreuen, gab es effektiv nur drei VC Fonds und so gut wie keine Business Angel Investoren. Wenn wir jetzt in Deutschland auch noch ein Börsensegment wie die NASDAQ hätten, könnten wir in 10 bis 15 Jahren auch wie die USA heute dastehen. Am Ende ist es ganz einfach; je mehr Geld für Investments in junge hoffnungsvolle Unternehmen parat steht, desto besser können diese Unternehmen mit guten Leuten ausgestattet werden. Mir ist hier um Deutschland nicht bange. 

In was für Unternehmen investieren Sie bevorzugt?

Prof. Dr. Christoph v. Einem: Ich investiere mittlerweile seit 22 Jahren in junge Tech Unternehmen und konzentriere mich dabei ganz überwiegend auf sogenannte DeepTech-Unternehmen, also keine B2C Internet Marktplätze und Communities, sondern MedTech, BioTech, CleanTech, Mechatronik, Ki, Telecom oder Software Unternehmen. So habe ich meinen besten Exit mit einer hochinnovativen Membran für die Wasserfiltration erlebt. Derzeit bin ich in 15 Unternehmen direkt investiert und daneben noch an vier VC Fonds beteiligt. Allerdings bevorzugte ich Start Ups, die für mich leicht in bis zu 90 Minuten zu erreichen sind, da ich nicht nur mit Geld sonders auch mit tatkräftigem Rat den Gründern gerne helfe.

Werden in Zukunft mehr VC-Angebote für Privatanleger auf den Markt kommen?

Prof. Dr. Christoph v. Einem: Die Zahl der Business Angel Netzwerke, mittels derer sich Privatleute gemeinsam mit Ihresgleichen an jungen Start Ups beteiligen können, ist in den letzten fünf Jahren sehr deutlich gestiegen, aber Fondsmodellen, bei denen Kleinanleger sich an jungen Tech-Unternehmen mit kleinen Investmentbeträgen beteiligen können, stehe ich genau kritisch gegenüber wie den Crowdfunding-Modellen. Direkte VC Investments lohnen sich nur für diejenigen, die sich mindestens 10 Investments mit zumindest EUR 50.000 je Investment leisten können, da sonst eine ausreichende Streuung nicht möglich ist.

Sehen Sie in Roboadvisorn eine Chance oder Gefahr?

Prof. Dr. Christoph v. Einem: Ich nutze keine Roboadvisor und betrachte sie auch nicht als tauglich für Investments in nicht börsennotierte Tech-Unternehmen. Folglich stellen sie auch weder ein Chance noch eine Gefahr für VC investments dar.

Herr Prof. Dr. Christoph v. Einem, vielen Dank für das Gespräch.

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