USA sind der reifste und erfahrenste Markt für Venture Capital-Investments – Philipp Lennertz

Philipp Lennertz, ist Geschäftsführender Gesellschafter von Lennertz & Co. Im Interview spricht er über die Vorteile des US-Markts für Venture Capital im Vergleich zu Deutschland.

Die Aktie ist von einer Anlageform für Wenige noch Mitte der 90er Jahre in breiten Teilen der Bevölkerung angekommen. Würden Sie dem zustimmen?

Philipp Lennertz: Die nackten Zahlen sprechen leider immer noch dagegen. Folgt man Erhebungen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) aus dem vergangenen Jahr, dann besaßen 10,3 Millionen Menschen in Deutschland Aktien. Dies entspricht einer Quote von 12,5 Prozent. In Ländern wie den USA, Norwegen oder der Schweiz liegt diese beispielsweise zwischen 30 und 50 Prozent. Da ist also noch viel Luft nach oben. Wenn man sich die Zahlen ab 1998 anschaut, lag das Aktieninvestment in Deutschland zu Zeiten des Internethypes am Höchsten. Dann verloren die Anleger sehr viel Geld als die „DotCom“-Blase platzte und auch 2008 in Folge der Finanzkrise. Die Bundesbank stellt in ihren Berichten regelmäßig fest, dass die Pleiten am Aktienmarkt ein wesentlicher Grund für die Risikoaversion der Deutschen sind, trotz historisch niedriger Zinsen. Rendite gibt es aber ohne Risiko nicht mehr. Dabei liegen die Investitionschancen klar auf der Hand. In der Corona-Krise haben Notenbanken und Politik zum Beispiel entschlossen gehandelt und Engagements in Aktien sind attraktiv. Tatsächlich haben wir in der Corona-Krise gesehen, dass deutsche Anleger stärker am Aktienmarkt zugegriffen haben. Ob daraus ein langfristiger Trend wird, ist zu hoffen, aber noch nicht abzusehen. 

Venture Capital ist in Deutschland wenig vorhanden, woran liegt das?

Die Branche hat sich in den vergangenen 10 Jahren weiterentwickelt und diverse Erfolgsgeschichten geschrieben, womit eine Vielzahl an Venture Capital-Fonds entstanden sind. Oft sind die Initiatoren ehemalige Gründer beziehungsweise „Serial Entrepreneurs“. Aber auch hier spielt die Risikoaversion wieder eine Rolle. Bislang werden in Deutschland verhältnismäßig kleine Fonds eingeworben. So liegen die Fondsvolumina eher zwischen  100 bis 200 Millionen Euro, während im europäischen Ausland auch größere Fonds mit Anlagevolumen von 300 Millionen. am Markt sind. Venture Capital ist für deutsche und europäische Start-ups eine ernst zu nehmende Finanzierungsform – insbesondere für die frühen Finanzierungsrunden. In späteren Runden sind es oft Fonds aus den USA, die die höheren Summen investieren und vielleicht auch etwas „größer“ denken.

Warum läuft dieser Markt beispielsweise in den USA besser?

Philipp Lennertz: Die USA sind der reifste und erfahrenste Markt für Venture Capital-Investments. Denn bereits im Jahr 1946 wurden neue Technologien durch die American Research and Development Corporation staatlich gefördert. Die Nähe zur Stanford University in Kalifornien, dem führenden „Research-Institute“, hat ein „Cluster“ an Wissenschaftlern, Unternehmensgründern und Kapitalgebern entstehen lassen, das weltweit einmalig ist. Weitere Innovationscluster liegen in der für Finanzdienstleister und Medien wichtigen Metropole New York sowie in der Biotech-Region Boston, rund um die berühmte Harvard University. Das Wachstum dieser Cluster und der dort entstehenden Unternehmen wird insbesondere von den Venture Capital-Gesellschaften angetrieben, wodurch sich ein sich selbst verstärkender Kreislauf ergibt. Das Ökosystem von Universitäten, Unternehmer-DNA, Finanz-Infrastruktur und Liquidität bringt immer neue Innovationen hervor. Kapital zieht erfolgreiche Unternehmer an und führt zu mehr Kapital. Investments in amerikanische Venture Capital-Gesellschaften haben somit ein großes Renditepotential, das durch einen langjährigen „Track Record“ bestätigt wird.

In was für Unternehmen investieren Sie bevorzugt?

Philipp Lennertz: Bei Direktinvestments orientieren wir uns bezüglich der Branchen relativ breit. Allerdings konzentrieren wir uns in der Regel auf Firmen, die über ein nachhaltiges Geschäftsmodell verfügen und hohe Wachstumsraten aufweisen. Aber natürlich sind in erster Linie der Unternehmertyp und sein Management entscheidend.

Werden in Zukunft mehr VC-Angebote für Privatanleger auf den Markt kommen?

Philipp Lennertz: Ja. Wir haben zum Beispiel für die Kunden des digitalen Vermögensverwalters LIQID ein Angebot entwickelt, damit diese breit diversifiziert in führende Venture-Fonds aus dem US-Technologiemarkt investieren können. Damit haben wir unser einzigartiges Netzwerk, welches bisher nur unseren Mandanten zugänglich gewesen ist, erstmalig für Dritte geöffnet. 

Sehen Sie in Roboadvisorn eine Chance oder Gefahr?

Philipp Lennertz: Nüchtern sollte man festhalten, dass für Private Equity und Venture Capital – Roboadvisor nicht in Frage kommen. Dieses Anlagesegment lebt vom persönlichen Netzwerk. Neben den quantitativen Faktoren und Kennzahlen sind genauso die qualitativen Faktoren wie das Managementteam, Erfahrung und Strategie relevant. Letztere lassen sich nicht digital ermitteln.

Herr Lennertz, vielen Dank für das Gespräch.

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