Preise für alkoholhaltige Produkte waren im März exponentiell gestiegen – Christian Twietmeyer

Christian Twietmeyer ist Gesamtvertriebsleiter der igefa Handelsgesellschaft der IGEFA Handelsgesellschaft mbH & Co. KG. Im Interview spricht er die Versorgungsengpässe mit Desinfektionsmitteln und Marktturbulenzen in der Pandemie.

Christian Twietmeyer (c) igefa

Zu Beginn der Corona-Krise war Desinfektionsmittel eine Mangelware. Wie sieht die aktuelle Versorgungslage aus?

Christian Twietmeyer: Insgesamt hat sich die Lage hier deutlich entspannt. Unsere Kunden in Hotellerie und Gastronomie, im Gesundheitswesen, in der Gebäudedienstleistung sowie in Industrie, Verkehrswesen und Kommunen werden überwiegend mit den gewohnten Produkten von uns versorgt und auch wieder in den gewünschten Mengen. Als Fachhändler sind wir durch das breite Sortiment verschiedener Marken in der Lage, Lieferschwankungen auszugleichen und gleichwertige Alternativen anzubieten. Lediglich bei Einweg-Desinfektionstüchern mit einer entsprechenden Produktlistung von RKI oder VAH gibt es noch eine Versorgungslücke, aber auch hier konnten wir Alternativlösungen finden.

Welche Produktkategorien werden derzeit besonders stark nachgefragt, wie haben sich die Preise entwickelt?

Christian Twietmeyer: Hände- und Flächendesinfektionsmittel werden stärker angefordert, und in den Einrichtungen des Gesundheitswesens zusätzlich auch Mittel zur Instrumentendesinfektion. Das Händedesinfektionsmittel wird meist in den spendertauglichen Flaschen oder auch in Kittelflaschen für Pflegepersonal nachgefragt und bei der Oberflächendesinfektion sind getränkte Einwegdesinfektionstücher besonders beliebt. Die Preise für alkoholhaltige Produkte waren im März exponentiell gestiegen, sinken seit Ende Juli aber wieder.

Neben Desinfektionsmitteln sind natürlich auch Produkte wie Seifenspender und Papierhandtücher etwas stärker nachgefragt. Der Unterschied zur Vor-Corona-Zeit ist insbesondere, dass ein höheres Interesse für Papierlösungen gegenüber Luft-Händetrocknern besteht und wir hier kurzfristige Lösungen anbieten können. In einigen Bereichen, beispielsweise im Bildungssektor, wurde die Versorgung mit Seife, Papierhandtüchern und Spendern stark ausgebaut.

Auch der medizinische Mundschutz sowie die höherwertigen FFP2-Masken sind weiterhin sehr gefragt und die Verfügbarkeiten können mittlerweile wieder vollständig gewährleistet werden.

Aktuell sind Einweghandschuhe die Artikel mit einer besonders hohen Nachfrage bedingt durch den Ausfall einer Fabrikation in Asien sowie einer bisher nicht dagewesenen Nachfragesituation des amerikanischen Marktes. Dieser bedient sich an Mengenkontingenten, die bis dato für den europäischen Markt bestimmt waren, so dass die vorhandenen Produktionskapazitäten bei weitem nicht ausreichen und einen starken Preisanstieg mit sich bringen. Die Igefa hat sich allerdings rechtzeitig Mengenkontingente sichern können und ist in der Lage, auch weiterhin die Kunden versorgen zu können.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den verschiedenen Desinfektionsmitteln?

Christian Twietmeyer: Das ist, ehrlich gesagt, eine Wissenschaft für sich. Ich kann die Informationsseiten des RKI oder der WHO empfehlen, um sich genauer mit dem Thema auseinanderzusetzen. Ganz grob gesagt wird nach dem Wirkungsspektrum unterschieden, also, ob das Desinfektionsmittel gegen behüllte oder unbehüllte Viren, Bakterien, Pilze und Sporen wirken soll, sowie nach der Klassifizierung als Medizinprodukt oder Biozid. Desinfektionsprodukte müssen „begrenzt viruzid“ und ihre Wirksamkeit gegen behüllte Viren muss nachgewiesen sein, damit die Mindestanforderung zur SARS-CoV-2-Prävention gegeben ist.

Rechnen Sie dauerhaft mit einer erhöhten Nachfrage nach Desinfektionsmitteln, bei welchen Produkten insbesondere?

Christian Twietmeyer: In vielen Bereichen des öffentlichen Lebens, beispielsweise in der Hotellerie und Gastronomie, stellen Desinfektionsspender das „neue Normal“ dar. Der Anblick sowie die Nutzung der Spender sind zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Dies wird sich wohl auch langfristig durchsetzen. Im Gesundheitsbereich war die Nachfrage zwar schon vor der Pandemie groß, doch durch das Vorhalten intensivmedizinischer Stationen sowie durch die verschärften Hygienevorschriften für Besucher und Lieferanten in den Einrichtungen wird auch hier ein leicht erhöhtes Level an Desinfektionsmitteln dauerhaft nötig bleiben. Um für eventuelle Infektionsausbrüche in den nächsten Monaten gerüstet zu sein, haben uns Klinikgruppen und Altenheimträger, aber auch Gebäudedienstleister gebeten, gemeinsam Pandemie-Vorratskonzepte zu entwickeln.

Welche Trends und Produktinnovationen gibt es in der Branche?

Dr. Heinz-Joachim Reinhardt: Wir haben insbesondere drei Trends herausgearbeitet:

Trend Nummer 1 ist die Orientierung hin zu vorgetränkten Einweg-Desinfektionstüchern für die Flächendesinfektion. Hier bieten wir die Produkte unserer namhaften Herstellerpartner an.

Der zweite Trend sind eindeutig die berührungslosen Desinfektionsspender in Einrichtungen des Gesundheitswesens, in Behörden, Bildungseinrichtungen, Geschäften, Bahnhöfen, usw. Unsere Hygienesäule mit dem Igefa-Sensorspender ist hier ein sehr nachgefragtes Produkt.

Und der dritte Trend ist im Hotel-, Gastronomie- und Catering-Bereich zu finden: Es werden vermehrt Hygiene-Give-Aways eingesetzt, zum Beispiel Desinfektionstücher in kleinen Sachets oder Hygiene Gels in kleinen Abpackungen zu 30 oder 50 ml.

Herr Dr. Reinhardt, vielen Dank für das Gespräch.

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