Robert Göttel: Wegzug in Richtung Berliner Speckgürtel

Robert Göttel ist Inhaber des Berliner Maklerbüros Göttel Immobilien. Im Interview spricht er über den Trend zum Eigenheim und den Immobilienboom im Speckgürtel der Hauptstadt.

Robert Göttel

Wen hat die Pandemie mehr getroffen, die Käufer und Verkäufer, die keine Notartermine machen konnten oder die Vermieter und Mieter?

Robert Göttel: Aus unserer Sicht waren Mieter und Vermieter deutlich mehr von der Pandemie betroffen. Die (leider) üblichen Massenbesichtigungen konnten so in der Pandemie nicht mehr durchgeführt werden. Käufer und Verkäufer haben Notartermine eben etwas nach hinten geschoben, das war generell kein Problem. Außerdem waren Notartermine auch in der Pandemiezeit möglich.

Die Suchmaschine Google zeigt immer noch ein geringes Suchvolumen für Begriffe wie Eigentumswohnung kaufen bzw. mieten, ist die Krise also noch nicht überwunden, wann gibt’s Besserung?

Robert Göttel: Eine Krise war bei uns bisher nicht spürbar. Zwar gab es einen leichten Rückgang der Nachfragen, seit Mai ist jedoch die Nachfrage auf dem Niveau vor Covid-19. Der Berliner Immobilienmarkt ist nach wie vor geprägt von zu wenig Verkaufsobjekten, um die generelle Nachfrage am Markt zu befriedigen.

Sind Sie in Ihrem Geschäft von Kontaktbeschränkungen oder anderen Corona-Maßnahmen betroffen?

Robert Göttel: Die schwierigen Zeiten der Kontaktbeschränkungen im März und April sind zum Glück vorbei. Wir gehen sehr sensibel mit den notwendigen Vorsichtsmaßnahmen um. Unsere Kunden und Verkäufer halten sich ebenfalls an die gebotenen Abstands- und Hygienemaßnahmen. Es gab bei uns im Berufsalltag noch nie Probleme oder Diskussionen. Alle Marktteilnehmer haben sich inzwischen an die Situation gewöhnt. Schon vor Covid-19 haben wir unseren Kunden u.a. mit virtuellen 360-Grad Präsentationen einen Service ohne direkte Besichtigung in der Immobilie ermöglicht. Diese Möglichkeit hat uns in der Pandemie sehr geholfen. Inzwischen gehört dieser Service zum Standard.

Wie sehr wären Sie mit Ihrem Unternehmen von einem zweiten Lockdown betroffen?

Robert Göttel: Ein zweiter Lockdown wäre auch für uns nicht angenehm. Wir sind jedoch digital sehr gut aufgestellt, unser Geschäft würde nicht zum Erliegen kommen.

Werden die Immobilienpreise langfristig wieder fallen?

Robert Göttel: Eine sehr schwierige Frage, die differenziert betrachtet werden muss. Es gibt aktuell außer den wirtschaftlichen Folgen des „Covid-19 Virus“, deren Auswirkungen wohl erst im nächsten Jahr richtig spürbar werden, mit dem sogenannten „Berliner Mietendeckel“ (Mieten WoG Bln) sowie der Diskussion zum Umwandlungsverbot von Mietwohnungen in Eigentum leider auch zahlreiche politische Einflüsse am Immobilienmarkt.

Im Segment Einfamilien- und Doppelhäuser ist momentan kein Preisverfall zu verzeichnen. Der Trend geht aufgrund der hohen Kaufpreise in Berlin jedoch zum Wegzug in Richtung Berliner Speckgürtel.

Auch Eigentumswohnungen zur Eigennutzung sind weiterhin stark nachgefragt, jedoch wirkt sich der „Mietendeckel“ auf das Segment der 1- und 2-Zimmer Wohnungen schon spürbar aus. Es sind deutlich mehr, großteils vermietete Eigentumswohnungen zum Verkauf am Markt. Das wird sich in diesem Teilsegment negativ auf die Verkaufspreise auswirken, da sich momentan auch weniger ausländische Kapitalanleger durch die Einschränkungen von Covid-19 auf dem Berliner Immobilienmarkt tummeln.

Alles ist davon abhängig, ob wir – man kann es nur hoffen – in Deutschland von einem zweiten Lockdown verschont bleiben. Solange die Zinsen auf diesem niedrigen Niveau bleiben wird es unserer Meinung nach, keinen Einbruch am Immobilienmarkt geben. Eine langfristige, seriöse Betrachtung zur Entwicklung der Immobilienpreise wird jedoch aufgrund der vielen Einflussfaktoren immer schwieriger.

Herr Göttel, vielen Dank für das Gespräch.

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