Axel Schröder: Viele Prozesse und Geschäftsmodelle nicht so robust wie gedacht

Wir sprechen mit Axel Schröder, Unternehmensberater für Mittelstand und Handwerk, über die Corona-Pandemie und ein effektives Krisen- und Risikomanagement.

 „Corona konnte keiner voraussehen“ – tatsächlich nicht? Seit 2009 gibt es eine ISO-Norm für Risikomanagement (31000). Waren Sie auf die Krise ausreichend vorbereitet?

Axel Schröder: Auf jede erdenkliche Krise vorbereitet zu sein, ist für ein Unternehmen vermutlich recht schwierig. Was wir aber in der Vergangenheit getan haben und auch weiterhin tun, ist unsere betrieblichen Abläufe -Geschäftsprozesse- laufend zu hinterfragen. Dabei geht es nicht nur um Kosten oder Effizienz, sondern wie robust ein solcher Prozess ist. Wir klopfen unsere Prozesse laufend auf ihr Risikopotenzial ab.

Dazu ein Beispiel: Wenn ich meinen Mitarbeitern ein Arbeitsumfeld schaffe, bei dem sie an Desktop-Geräten in einem Büro arbeiten müssen, habe ich bei einem Lockdown natürlich ein Problem. Richte ich aber ein Arbeitsumfeld ein, indem Arbeit aus dem Home-Office kein Problem darstellt, weder technisch noch „kulturell“, dann trifft mich der Lockdown bei weitem weniger. Insofern haben wir die Pandemie nicht vorhergesehen, aber wir waren in ihren Auswirkungen ganz gut aufgestellt.

Wie hat sich die Marktlage in Ihrer Branche durch die Corona-Krise verändert?

Axel Schröder: Viele Unternehmen haben realisiert, dass ihre Prozesse und Geschäftsmodelle eben nicht so robust sind, wie gedacht wurde. Hier wurde, gerade bei den kleinen Unternehmen, sehr schnell nach neuen Wegen gesucht, wie man die vorhandene Kompetenz der Mitarbeiter und den Maschinenpark für andere Produkte und Märkte einsetzen kann. Dieses Umdenken hat sich in den Anfragen widergespiegelt, die wir in den letzten Monaten erhalten haben. Es drehte sich fast immer um zwei Aspekte: Läuft der Prozess personenunabhängig stabil? Was passiert bei meinem Geschäftsmodell, wenn die Top 20% der Kunden über Nacht alle Aufträge stornieren und damit 80% vom Umsatz wegbricht.

Krisen- und Risikomanagement wird in Unternehmen oft nachrangig behandelt. Welche internen und externen Risikofaktoren haben Sie für Ihr Unternehmen / Ihre Branche besonders im Blick?

Axel Schröder: Für mich sind drei der internen Faktoren besonders wichtig. Zuerst meine Mitarbeiter. Wenn das Betriebsklima stimmt und ich als Unternehmer mich zuerst um die Sicherheit der Arbeitsplätze sorge, dann meistern wir die Krisen auch als Team gut. Zweitens das Geschäftsmodell. Wenn ich mein Geschäftsmodell im Vorfeld definiert und mich damit auseinandergesetzt habe, finde ich in einer Krise viel schneller die Stellschrauben, an denen man nachjustieren muss. Fange ich in der Krise aber erstmalig an, überhaupt das Geschäftsmodell aktiv zu betrachten, dann wird es schwierig, schnell genug zu reagieren. Drittens die Prozesse. Dokumentierte Prozesse und auf Unwägbarkeiten hin abgeklopfte Prozesse sind ein essentieller Teil eines funktionierenden Risikomanagements. Man kann nicht alle Risiken ausschließen, sondern manche Risiken muss man bewusst eingehen, um die darin verborgenen Chancen zu realisieren. Aber das sollte jedes Mal eine bewusste Entscheidung sein und keine, die sich einfach so ergibt.

Krisen offenbaren oft Schwächen im Unternehmen, die im Tagesgeschäft unbemerkt übergangen werden, wenn das Business „läuft“. Inwiefern haben Sie die Ausrichtung und Arbeitsweise Ihres Unternehmens während einer Krise angepasst?

Axel Schröder: Viel verändert haben wir in unserer Art zu arbeiten eigentlich nicht. Das Thema Hygiene hat durch die Pandemie einen noch höheren Stellenwert als vorher. Aber im Prinzip hat sich bei uns im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten nicht viel verändert.

Leiden in Ihrem Unternehmen aufgrund der Krise andere Themen wie z.B. Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder die Produktqualität?

Axel Schröder: Nein, im Gegenteil, wir haben die Phase einer geringeren Auslastung dafür verwendet, in diesen Bereichen noch besser zu werden. Man kann eine niedrigere Auslastung dafür verwenden, um Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken oder endlich all die Aufgaben erledigen, die man schon länger vor sich herschiebt. Den zweiten Weg haben wir gewählt. Damit geht man gestärkt aus der Krise.

Welche Erkenntnisse haben Sie aus der Corona-Krise gewonnen?

Axel Schröder: Jede Krise ist eine Chance, daraus zu lernen und sich zu verbessern. Solange man im Tagesgeschäft gefangen ist und alles rund läuft, werden Verbesserungsthemen oft aufgeschoben. Für mich war es wichtig, in der Zeit des Lockdowns oft und intensiv mit meinen Mitarbeitern zu kommunizieren und deren Ideen zur weiteren Verbesserung aufzugreifen. Das ging in beide Richtungen. Was meine Mitarbeiter auf dem Herzen hatten und was mich als Unternehmer bedrückt. Diese Offenheit hat uns als Team noch viel stärker zusammengeschweißt.

Welche Ratschläge möchten Sie gerade Startups zum Thema „Krisen-Prävention“ mit auf den Weg geben?

Axel Schröder: Einen Ratschlag, den ich gerne bildhaft ausdrücken möchte: „Kümmere Dich um das Loch im Dach, solange die Sonne scheint. Wenn es regnet, ist es zu spät.“ Übertagen auf Unternehmen und Startups: Man sollte sich bei aller Hektik des Tagesgeschäftes ganz bewusst die Zeit nehmen, das eigene Tun, die eigenen Prozesse zu hinterfragen und rechtzeitig auf Robustheit hin untersuchen, auch wenn es jetzt noch nicht ganz so dringlich ist. Die Dringlichkeit kann über Nacht kommen, wie Corona uns gezeigt hat.

Herr Schröder, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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