Megatrend der Konnektivität – Tanja Ludwig (myEGO)

Tanja Ludwig ist Gründerin und CEO der The Ego Company GmbH. Im Interview spricht sie über Trends in der Fintechszene und die Idee hinter der Plattform myEGO.

Die Fintech-Szene ist angetreten, um den etablierten Wettbewerbern in der Finanz- und Versicherungsbranche den Rang abzulaufen. In welchen Bereichen konnten Fintechs signifikante Marktanteile gewinnen?

Tanja Ludwig

Tanja Ludwig: Bisherige konservative Modelle aus der Finanz- und Versicherungsbranche zeigen sich als verschlossene Ökosysteme. Der Megatrend der Konnektivität weist schon heute auf eine notwendige Offenheit in der Zukunft hin. Die Fintech-Szene ebnet jetzt schon alle Wege für die Umsetzung dieser Trends. Dabei wird die Kundenzentrierung neu gedacht. Große Marktanteile konnten im Payment-Markt gewonnen werden. Durch ihre modernen, digitalen und schnellen Prozesse kann die Fintech-Szene den Kunden von heute überzeugen.

Was ist Ihr Kerngeschäft, welche die wichtigsten Alleinstellungsmerkmale Ihres Unternehmens?

Tanja Ludwig: The Ego Company hat eine user-zentrierte und digitale Identitätsmanagement-Plattform – myEGO – entwickelt. Getrieben von der Vision, dass jeder Mensch Eigentümer seiner persönlichen Daten im digitalen Raum sein sollte, haben wir unsere Produkte und Dienstleistungen auf dem Modell der selbstsouveränen Identität (Self-Sovereign Identity / SSI) entwickelt. SSI bedeutet, dass jeder den Besitz seiner personenbezogenen Daten kontrollieren und bestimmen kann, an wen und welche Informationen mit Dritten geteilt werden sollen. Bei myEGO gestalten wir daher vollständig userzentrierte, einfach zu bedienende, und nachhaltige Produkte und begleiten und beraten Unternehmen zum Thema digitale Transformation. myEGO ermöglicht Unternehmen und Menschen einen problemlosen, sicheren Austausch von einzigartigen Daten-Kombinationen. Wir bringen dadurch Flexibilität in alle Arten von digitalen Transaktionen und gewährleisten gleichzeitig eine positive Nutzererfahrung. Die Verwendung von Blockchain-Technologie, einem dezentralen Informationssystem, wird gewährleistet, dass die Daten nicht manipulierbar sind und somit zur digitalen Identifikation genutzt werden können. So können Nutzer mit nur einem verifizierten Account alle angebundenen Services von Businesspartnern nutzen – ohne sich immer wieder neu registrieren zu müssen. Mit unserem intelligenten Onboarding-Ansatz können die Benutzerdatenbestände über Ökosysteme und Dienste hinweg verknüpft und so Datensilos eliminiert werden. Langfristig möchte myEGO eine digitale Identität für jeden Nutzer schaffen und das SSI- Modell in neuen Lösungen integrieren.

Welchen Mehrwert bieten Sie Kunden im Vergleich zu ihren etablierten Wettbewerbern?

Tanja Ludwig: Je mehr Unternehmen sich digitalisieren, desto mehr stehen sie vor dem Problem, herausfinden zu müssen, ob es sich bei ihren Kunden um echte Menschen handelt – Betrug ist ein großes Thema, ebenso wie gesetzliche Compliance-Anforderungen zur Überprüfung der Benutzer. Daher geben Unternehmen riesige Summen für KYC-Prozesse zur Verifizierung von Benutzern aus.

Die Benutzer stehen vor dem Problem, mehrere digitale Identitäten verwalten zu müssen, die über verschiedene Plattformen verstreut sind. Sie haben online die Kontrolle über ihre Daten verloren, und es gibt keine bequeme Möglichkeit, all ihre persönlichen Informationen zu verwalten. Mit myEGO ändern wir diesen Prozess und geben den Menschen die Kontrolle zurück, um nicht nur die Kosten auf der B2B-Seite drastisch zu minimieren, sondern auch dem Benutzer zu ermöglichen, die Verantwortung für seine eigene digitale Identität zu übernehmen.

Damit kehren wir den KYC-Prozess um, da die Benutzer sich einmal selbst verifizieren und diese Informationen mit angeschlossenen Partnern teilen können. Die Client-iOS- und Android-Apps ermöglichen es dem Benutzer, sensible Benutzerdaten in einem verschlüsselten Format auf seinem Gerät zu speichern. Der Einzige, der diese Daten entschlüsseln kann, ist der Kunde selbst, der den privaten Schlüssel besitzt. Die gemeinsame Nutzung von Daten mit einem Partner erfolgt nach Zustimmung in einem verschlüsselten Vertrag.

myEGOs Alleinstellungsmerkmal im deutschen SSI-Markt ist die Kombination von KYC und Finanzdaten (z.B. Bonität) durch Datenkombinationen. Dieses USP können wir durch unseren Investor und Kooperationspartner finleap ermöglichen. Damit schaffen wir ein einzigartiges Produkt auf dem deutschen Markt, das einen starken B2B-Bezug hat. Das vollständige Kundenprofil mit allen Datenbeständen kann mit nur einer RESTful API integriert werden.

Es gibt zwei Ansätze in der Fintech-Szene: Übernahme des Marktes oder Kooperation mit etablierten Unternehmen. Welchen Ansatz halten Sie für zielführender, wie agiert ihr Unternehmen?

Tanja Ludwig: Kooperation mit etablierten Unternehmen: Die Übernahme des Marktes ist bei unserem Produkt nicht der optimale Ansatz. Vielmehr ist myEGO eine Identitätsmanagement- Plattform, die Businesspartner über Kooperationen helfen soll, Daten-Assets von Kunden zu managen, einfache und schlanke Onboarding-Prozesse umzusetzen und langfristig branchenübergreifende Interaktionen zu stärken. Somit können sich Businesspartner wieder komplett auf ihr Kerngeschäft konzentrieren.

Wie schnell reagieren Ihre Wettbewerber auf neue Trends, wie hoch ist der Innovationdruck?

Tanja Ludwig: Self-Sovereign-Identity ist ein innovatives Thema und ein neuer Trend. Wie genau die Zukunft aussehen wird und wie die Branche den Trend umsetzt, ist noch nicht ganz klar. Für myEGO ist es wichtig, seine Businesspartner schon heute auf das Ungewisse vorzubereiten, schon jetzt Prozesse neuzudenken und die Ökosysteme zu öffnen. Dabei hat jeder Wettbewerber sich einen anderen Fokus gesetzt. myEGO behält stets den User im Vordergrund.

Welche Innovationen dürfen wir von Ihnen in nächster Zeit erwarten?

Tanja Ludwig: myEGO platziert Use Cases im Mobility-, Automotive- und Smart Cities-Bereich, im Finanz- und Versicherungsbereich, in der Verbindung von Online und Offline-POS (z.B. Retail) und in der Bildung neuer und offener Ökosysteme. Durch das Teilen und Wiederverwenden verifizierter Daten können traditionelle geschlossene Ökosysteme in neue und offene Ökosysteme transformiert werden. Mit myEGOs selbstbestimmter Identitätslösung (SSI), die den Menschen in den Mittelpunkt aller Business-Transaktionen stellt, sind jetzt Kooperationen zwischen Unternehmen möglich, die normalerweise nicht miteinander in Beziehung stehen oder deren Schaffung eine Herausforderung darstellt. Die Bildung offener Ökosysteme mit einem stark nutzerzentrierten Ansatz ermöglicht es traditionellen Unternehmen, neue Ideen und Modelle sowie Kooperationen zu entwickeln, die den Weg für wertschöpfende Vorteile ebnen.

Frau Ludwig, vielen Dank für das Gespräch.

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