Finanzmärkte im nächsten Jahrzehnt vor starken Herausforderungen – Regina Costello (Ars Pecuniae GmbH)

Regina Costello ist Geschäftsführerin der Ars Pecuniae GmbH. Im Interview spricht sie über die Auswirkungen der erneuten COVID-19 Infektionswellen auf die Märkte und welche Rolle dabei Gold, Silber und Kupfer spielen können.

Besteht die Gefahr, dass durch den Lockdown die Märkte erneut abstürzen?

Regina Costello

Regina Costello: Die erneuten COVID-19 Infektionswellen, vor allem in der nördlichen Hemisphäre, werden nicht nur wirtschaftliche Folgen haben. Wir gehen nicht davon aus, dass wir eine ähnlich dramatische Korrektur wie im März sehen. Ein schwieriges Börsenumfeld, und damit weitere Korrekturen, ist jedoch in den nächsten Wochen realistisch. An den Finanzmärkten ist mittlerweile alles möglich und so sind Prognosen fehl am Platz. Auf lange Sicht ist eine Anpassung der Vermögenspreise, trotz der starken Interventionen von Geld- und Fiskalpolitik, unseres Erachtens nicht vermeidbar.

Wie können Investoren Ihr Kapital aktuell in Sicherheit bringen?

Regina Costello: Sicherheit ist ein unrealistisches Konzept, da wir so wenig selbst beeinflussen können. Aber es gibt einige sinnvolle Leitplanken für jeden Investor. Risikostreuung, Regeln zu Positionsgrößen und Liquidität als Handlungsreserve gehören dazu.

Anleger sind bestens gerüstet, wenn sie sich flexibel und international aufstellen und Trendwechsel im Auge behalten. Asien, aber auch Japan, sind für uns derzeit attraktive Anlageregionen. Weiterhin sind Kupfer und Silber für uns interessante Platzhalter für die jetzt so im Vordergrund stehende „grüne“ Infrastruktur. Und nicht zuletzt zeigen die Preise der Agrarrohstoffe, wie Weizen und Mais, wieder aufwärts.

Was halten Sie vom Gold-Run? Der Goldpreis ist ja bereits im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.

Regina Costello: Gold wird historisch zur Wertaufbewahrung genutzt und ist in Zeiten von wirtschaftlichen Unsicherheiten gefragt. Wir gehen davon aus, dass sich das Edelmetall in einem langfristigen Aufwärtstrends befindet, der noch einige Jahre andauern wird. Natürlich sind zwischenzeitliche Konsolidierungen einzuplanen. Das World Gold Council empfiehlt eine Dotierung von 10-15% im Gesamtvermögen. Jeder Anleger sollte sich über sein ideales Wohlfühl-Engagement Gedanken machen.

Gold- und Silberproduzenten können durch den gestiegenen Goldpreis mit starkem Gewinnwachstum glänzen. Diese Branche ist derzeit eine der wenigen, die starkes und vorhersehbares Gewinnwachstum bei attraktiven Preisen aufweisen kann.

Wie investieren Sie privat? Und Hand aufs Herz wie erfolgreich laufen Ihre Investments?

Regina Costello: Persönlich habe ich einen Hang zu Rohstoffinvestments, insbesondere Gold- und Silberminen. Daher waren 2011 bis 2015 keine guten Jahre. In dieser Zeit musste ich erfahren, wie wichtig eine Verlustbegrenzung (Stop Loss) ist. Darüber hinaus sind Biotech-Investments stark im Portfolio gewichtet. Dabei greife ich auf Qualitäts-Research zurück. Vielfach investiere ich zu früh in Trends, da ich ein wertorientierter Anleger bin. Das geht dann nicht immer gut. Aber man kann im persönlichen Depot offensiv und mit einem sehr langfristigen Zeithorizont investieren. Als Treuhänder von Mandantengeldern sind anderen Kriterien wichtig.

Können Sie eine Zukunftsprognose abgeben, wie sich Ihre Branche in der Zeit nach Corona entwickeln wird?

Regina Costello: Es ist absehbar, dass die Finanzmärkte im nächsten Jahrzehnt vor starken Herausforderungen stehen. Wir können uns eine neue Geldordnung und über Nacht veränderte Spielregeln vorstellen. Ein neutraler, international orientierter Sparringspartner sollte für Anleger eine wichtige Rolle spielen. Daher sehen wir große Chancen in der individuellen Beratung.

Frau Costello, vielen Dank für das Gespräch.

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