Tech-Werte profitieren dieses Jahr – Frank Haser (Haser Vermögensverwaltung GmbH)

Frank Haser ist Geschäftsführer der Haser Vermögensverwaltung GmbH. Im Interview spricht er über die aktuellen Belastungsfaktoren an den Börsen und nennt Branchen die lohnenswert erscheinen.

Die großen Indizes Dow Jones, DAX oder Nikkei verzeichnen regelmäßig neue Höchststände. In deren Fahrwasser starten Tech-Aktien voll durch. Wo gibt es noch Einstiegs-Potenzial?

Frank Haser

Frank Haser: Das mit den von Ihnen angesprochenen Höchstständen, ist so eine Sache! – Es ist richtig, dass sich seit einigen Jahren die amerikanischen Aktien, und hier sind insbesondere die Titel der Nasdaq zu nennen, deutlich besser entwickelt haben, als viele andere Märkte. Bei den deutschen und europäischen Märkten fehlt doch noch einiges, bis die bisherigen Höchststände wieder erreicht werden.

Richtig ist auch, dass für diese Entwicklung insbesondere die großen Tech-Titel aus den USA verantwortlich sind. Es gibt allerdings auch viele andere Branchen, die sich insbesondere in diesem Jahr infolge der Corona-Krise, nicht gut entwickelt haben. Insbesondere sehr zyklische Aktien schnitten bisher eher enttäuschend ab. An diesem Umstand dürfte sich, aus meiner Sicht heraus, auch künftig wenig ändern. Qualität bleibt Trumpf!

Im Mittelpunkt einer Anlage bzw. eines möglichen Kaufs sollte allerdings nie die jeweilige Region, sondern viel mehr das jeweilige Unternehmen und dessen Perspektive stehen!

Insbesondere stellten sich bisher immer gewisse Schwächephasen bei diesen Tech-Titeln als gute Einstiegschancen für Anleger heraus. An diesem Sachverhalt dürfte sich auch in naher Zukunft wenig ändern.

Kann man den Anstieg der Tech-Werte Amazon, Apple, Netflix und Tesla fundamental erklären?

Frank Haser: Tech-Werte profitierten insbesondere in diesem Jahr von Ihren robusten Geschäftsmodellen, die sich bisher auch während der Corona-Krise als wenig anfällig erwiesen haben. Dies spielgelt sich auch in den bisherigen Entwicklung der Geschäftszahlen dieser Unternehmen wieder.

Auch wir merken, diese Entwicklung in unserer täglichen Arbeit. Während wir bisher auf zahlreiche Veranstaltungen vor Ort erscheinen mussten, funktioniert dies in diesem Jahr nicht mehr. Heute erfolgen diese Veranstaltungen ausschließlich nur noch über Videokonferenzen, wovon Anbieter solcher Konferenzen sehr stark profitierten.

Die Corona-Krise sorgte dafür, dass sich viele Trends aus dem Bereich Digitalisierung so beschleunigt haben, dass wir heute bereits damit arbeiten, obwohl dies erst in einem oder zwei Jahren vorgesehen war. Dieser Trend hat sich eindeutig beschleunigt.

Alle Welt spricht von Gold als sicheren Anlage-Hafen. Soll man trotzdem dem Trend der Tech-Werte folgen und Aktien kaufen?

Frank Haser: Dies hängt grundsätzlich immer zunächst erst mal von der jeweiligen Einstellung eines jeden Kapitalanlegers und dessen persönlichem Chancen- und Risikoverständnisses ab. Eine pauschale Aussage diesbezüglich ist aus diesem Grund sehr schwer bzw. fast unmöglich.

Gold hat sich insbesondere in diesem Jahr bisher als sehr gutes Anlagesegment bewährt. Auch wenn es sich in den letzten Jahren eher nur seitwärts orientiert hat. Aus unserer Sicht profitierte das gelbe Metall auch insbesondere von der Tatsache, dass viele Staaten durch ihre zahlreichen Konjunkturprogramme infolge der Corona-Krise die Verschuldung massiv nach oben angesprungen ist.

Wir investierten bereits seit Jahren in physisches Gold für unsere Kunden, als letzte Instanz vor allen bekannten und unbekannten Risiken in unserem Geldsystem!

Mit Goldminenaktien investiert man immer mit einer gewissen Hebelwirkung auf die künftige Entwicklung des Goldpreises. Aus diesem Grund investieren wir auch bisher ausschließlich für unsere Kunden in physisches Gold. Goldminenaktien richten sich eher an chancenorientierte Anleger, die durchaus mit den größeren Kursausschlägen leben können und sich dem Umstand bewusst sind.

Mich persönlich stimmte die Nachricht, dass sich in den letzten Monaten insbesondere Privatanleger auf die großen Tech-Titel gestürzt haben eher nachdenklich! In früheren Börsenaufschwungphasen war dies zumeist die letzte Zielgruppe die gekauft hat, bevor es dann merklich nach unten ging.

Die letzten Wochen korrigierten auch viele Tech-Titel von ihren bisherigen Höchstständen wieder deutlich. Jetzt könnte man dort vielleicht wieder damit beginnen einen Fuß in die Tür zu stellen.

Wo sehen Sie das größte Wertsteigerungspotenzial bei den nicht etablierten Werten?

Frank Haser: Wir fokussieren uns seit längerem bereits auf 3 Branchen bzw. Segmente, in die wir im Wesentlichen für unsere Kunden investieren.

In Detail reden wir hier von den beiden Branchen, Technologie und Gesundheit, sowie das Segmente von Ökologie bzw. Nachhaltigkeit. Damit fahren wir auch in diesem eher herausfordernden Aktienjahr 2020 bisher sehr gut.

Ist es ratsam, jetzt Gewinnmitnahmen zu machen und zu verkaufen, wenn man bereits an den Kursanstiegen gut verdient hat?

Frank Haser: Davon raten wir momentan eher ab! Eine gewisse Volatilität muss ein Anleger in der heutigen Zeit von Negativzinsen schon aushalten können. Dies erlebten wir insbesondere bei dem Einbruch im Frühjahr dieses Jahres infolge der Corona-Pandemie.

Ein Verkauf oder die Realisierung von Kursgewinnen sind ja nur 50 % des Gesamterfolgs! Neben dem richtigen Zeitpunkt für den Verkauf, muss man auch den richtigen Zeitpunkt des Wiedereinstiegs richtig erwischen. Und dies gelingt in den seltensten Fällen. Nicht nur, dass bei der Gewinnrealisierung auch immer wieder Steuern und Gebühren belasten, die man auch erst wieder verdienen muss.

Wir bauen darauf, dass die ultralockere Geldpolitik der Zentralbanken und die zahlreichen Konjunkturprogramme ihre Wirkung erst in Zukunft, also in 2021 zeigen werden.

Derzeit gibt es zwar noch einige Belastungsfaktoren für die Märkte um die aktuelle Verschärfung der Corona-Krise, der offene Ausgang der US-Wahl, bei der es hoffentlich zu keinen neuen sozialen Unruhen im Land kommen wird und die offenen Brexit-Verhandlungen zum Jahresende. Mit jeder getroffenen Entscheidung bei den genannten Ereignissen, fallen mögliche Belastungsfaktoren für die Börse weg.

Wir bereiten uns auf diese Situation derzeit vor, um dann möglichst kurzfristig agieren zu können.

Wie robust wird sich z. B. der Tec-Dax im Zuge der Corona-Krise Ihrer Meinung nach zeigen?

Frank Haser: Auch im Tec-Dax gibt es einige interessante Titel in die wir bisher investiert sind. Auch hier investieren wir nicht in den Index, sondern in das ein oder andere Unternehmen, das im Tec-Dax vertreten ist.

Wenn man sich die Entwicklung des Tec-Dax im Vergleich zum Dax ansieht, entwickelte sich dieses Segment bisher deutlich besser. Dies belegt die Attraktivität dieser Unternehmen.

Herr Haser, vielen Dank für das Gespräch.

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