Lutz Hering: Marktrückschläge als Einstiegsmöglichkeiten

Wir sprechen mit Lutz Hering, geschäftsführender Gesellschafter der DRH Vermögensverwaltung GmbH, über Anlagemöglichkeiten in Zeiten der Krise.

Lutz Hering

Besteht die Gefahr, dass durch den Lockdown die Märkte erneut abstürzen?

Lutz Hering: Jedem Marktteilnehmer war klar, dass es im Herbst zu verstärkten Neuinfektionen kommen wird. Also sollte dies niemanden überrascht haben. Wir gehen davon aus, dass Marktrückschläge eher als Einstiegsmöglichkeiten genutzt werden, denn es wird eine Zeit nach Corona geben. Sobald es einen oder mehrere Impfstoffe gibt, ist das Thema Corona für die Märkte nicht mehr relevant. Wir gehen von ersten Erfolgen im 1. Quartal 2021 aus. Dann kommt es unserer Einschätzung nach zu einer Normalisierung.

Wie können Investoren Ihr Kapital aktuell in Sicherheit bringen?

Lutz Hering: Sicherheit bringt Investoren eine breite Diversifikation in verschiedenen Anlageklassen. „Sicherheit“ über Themen wie Sparbuch oder Bundesanleihen wird es auf geraume Zeit nicht mehr geben. Der weltweit hohe Verschuldungsgrad lässt einen „Normalzins“ – wie vor einigen Jahren – von 4-5% p.a.  nicht mehr zu. Die Lösung sehen wir in einem Portfolio aus Aktien, Gold, Immobilien und Anleihen mit einem aktiven Management. Investoren, die weiterhin auf Kontoguthaben setzen, werden keine Realverzinsung (Zins abzüglich Inflation) erzielen und somit einer schleichenden Enteignung unterliegen (Fachbegriff: finanzielle Repression). Das Geld wird zwar auf dem Konto nicht weniger, aber wenn man Jahre später etwas kaufen möchte, bekommt man weniger für sein Geld, weil die Preise gestiegen sind. Das kennt jeder. Nur wurde der Kaufkraftverlust in der Vergangenheit durch Zinserträge ausgeglichen.

Was halten Sie vom Gold-Run? Der Goldpreis ist ja bereits im zweistelligen Prozentbereich gestiegen.

Lutz Hering: Die Entwicklung des Goldpreises ist kein „Run“. Es ist vielmehr die Folge der „Geldschwemme“ durch die massive Verschuldung weltweit. Stellt man sich philosophisch die Frage: Wenn Geld durch die niedrigen Zinsen nichts mehr kostet, was ist es dann noch wert? Dann kommt man sehr schnell darauf, dass Dinge die nicht replizierbar sind (Aktien, Immobilien, Gold), an Wert gewinnen werden. Denn die hohen Geldvorkommen weltweit werden sich einen Kanal suchen. Die Preissteigerungen bei Kunst und Oldtimern sind nur die Vorboten.

Wie investieren Sie privat? Und Hand aufs Herz wie erfolgreich laufen Ihre Investments?

Lutz Hering: Wir investieren privat genauso, wie wir für unseren Kunden investieren. Alles andere wäre unglaubwürdig und würde auch unserer inneren Überzeugung widersprechen. Da wir die älteste Vermögensverwaltung im Freistaat Sachsen sind, sollte man uns eine erfolgreiche Arbeit unterstellen. Sonst gäbe es uns sicherlich nicht mehr. Für das Jahr 2020 können wir vermelden, dass unsere Mandaten im positiven Bereich liegen, was sicherlich nicht selbstverständlich ist. Erreicht haben wir dies durch strategische Käufe im März in die massiven Kursrückgänge hinein und wiederum dem Abbau von Übergewichtungen nach der Kurserholung.

Können Sie eine Zukunftsprognose abgeben, wie sich Ihre Branche in der Zeit nach Corona entwickeln wird?

Lutz Hering: Aus unserer Sicht ist die Entwicklung zu einer unabhängigen und erfolgsorientierten Beratung ungebrochen. Diese Entwicklung wird von Corona nicht beeinflusst oder gebremst. Unabhängige Vermögensverwaltungen agieren aktuell aus einer Nische heraus. Die Nachfrage nach ihrer Dienstleistung wird aus unserer Sicht nicht nur weiterhin bestehen, sondern sich auch sich stetig erhöhen.

Herr Hering, vielen Dank für das Gespräch.

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