Omnibusiness für ein besseres Kundenerlebnis – Celinn Fischer (DECATHLON)

Celinn Fischer ist Pressesprecherin bei der DECATHLON Deutschland SE & Co. KG. Im Interview spricht sie über das Omnibusiness-Modell und die Anpassung der Filialen an die Corona-Regelungen.

Decathlon Filiale

Wie groß ist der Einfluss von E-Commerce auf das Geschäft in den stationären Ladenlokalen am Point of Sale?

Celinn Fischer: Generell verzeichnen sowohl unsere Filialen als auch unser E-Commerce eine steigende wirtschaftliche Entwicklung. Unser Omnibusiness-Modell ist nach CEO André Weinert aus einem Grund so erfolgreich: „Wir haben – neben dem stationären Handel – schon früh auf ein digitales Konzept gesetzt und freuen uns, dass sich unser Wachstum fortsetzt und wir unsere sportbegeisterten Kundinnen und Kunden weiterhin auf unterschiedlichen Kanälen zufriedenstellen können.“ Dass das Konzept aufgeht, zeigt sich nicht nur an den absoluten Zuwächsen im Onlineshop, sondern auch an dem Erfolg unserer Filialen sowie den fortlaufenden Filialeröffnungen in den vergangenen sowie kommenden Jahren.

Der E-Commerce verändert auch die Konzepte und Gestaltung unserer stationären Geschäfte. Ein Beispiel hierfür sind unsere zahlreichen Omni-Services, welche unsere Serviceangebote und Produktpalette über alle Kanäle miteinander verknüpfen: Z. B. über unseren Service Click+Collect können alle Onlinebestellungen versandkostenfrei in die Filiale geliefert und dort abgeholt werden. Auch in Zukunft planen wir unsere Omni-Services noch weiter auszubauen und unseren Kunden auch digital ein noch intensiveres Einkaufserlebnis zu ermöglichen.

Haben Sie das Gefühl, dass E-Commerce (z. B. Amazon) zu einer übermächtigen Konkurrenz für das Einkaufserlebnis im Ladengeschäft werden kann, oder bevorzugen Kunden das klassische „Shopping“?

Celinn Fischer: Auch wir verzeichnen, wie schon genannt, Zuwächse in unserem Onlineshop, das wurde natürlich durch die Corona-Krise gepusht. Wir sehen darin jedoch weniger eine Gefahr. Wenn unsere Filialen weiterhin gut aufgestellt sind, das Sortiment vielfältig ist, das Einkaufserlebnis für den Kunden gewährleistet ist und der Service überzeugt, dann werden wir auch stationär weiter besucht und gut wirtschaften. Das eine schließt das andere nicht aus, es begünstigt sich. Nur so können wir ein grenzenloses Einkaufserlebnis für unsere Kunden über alle Kanäle hinweg ermöglichen.

Wie stark ist der Druck auf die Modebranche durch den Ruf nach mehr Nachhaltigkeit?

Celinn Fischer: Bei DECATHLON empfinden wir dies nicht als Druck von außen, sondern sehen dies als Bestätigung unserer eigenen Bestrebungen und unseres Anspruchs, erfolgreich nachhaltig zu sein. Die Natur ist für uns Sportler unser Spielfeld, wir müssen unseren Planeten entsprechend behandeln. Aus diesem Grund setzen wir auf Nachhaltigkeit in allen Prozessen, das startet bereits bei der Auswahl der Rohstoffe, der Konzeption unserer Produkte und reicht schließlich über die Produktion und den Transport bis hin zu unseren Filialen. Wir arbeiten nach dem 3-P Prinzip (People, Planet, Profit) und setzen auf klimaschonende Alternativen zu erdölbasiertem Material. Bspw. arbeiten wir verstärkt mit Recycling- und Bio-Materialien. Bei einem unserer Bestseller, der Fleecejacke MH120, besteht das Fleecematerial zu 100 % aus recycelten Plastikflaschen.

Auch wir stellen bei unseren Kunden und den öffentlichen Medien ein erhöhtes Interesse beim Thema Nachhaltigkeit fest. Unsere Kunden fragen bspw. vermehrt nach umweltfreundlichen Produkten, welche auch für den Sport gedacht sind. Aus genau diesem Grund setzen wir nicht nur auf umweltfreundliche Maßnahmen, sondern auch auf Funktionalität unserer Sportprodukte. Hierfür haben wir unsere umweltfreundlichen Produkte mit unserem eigenen Label “Ecodesign” versehen.

Ein erneuter „Lockdown“ durch Corona wird den Online-Handel weiter in den Fokus rücken. Wie gut sind Sie dafür gerüstet?

Celinn Fischer: Die Corona-Pandemie beeinflusst uns nach wie vor: Zum einen waren wir als Einzelhändler von der Schließung während des ersten Lockdown betroffen. Sobald wir unsere Geschäfte wieder öffnen durften, minimierten wir die großen Verkaufsflächen vieler Geschäfte nach den Richtlinien von Bund und Ländern auf die zulässigen 800 m². Nach der weiteren Lockerung konnten wir diese wieder erweitern. Sowohl auf den kleinen, als auch den großen Verkaufsflächen schützen wir unsere Kunden und Mitarbeiter durch die Einhaltung strenger Hygienemaßnahmen. Trotz der Corona-Pandemie konnten wir dieses Jahr weiter wachsen, neue Filialen eröffnen und das Jahr mit einem Umsatzplus abschließen.

Vor und nach dem Ausbruch der Pandemie stellen wir fest, dass sich unser Einkaufsverhalten verändert. Unsere Herausforderung wird es sein, die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden und Sportler auf ihrer kompletten Customer Journey zu kennen und diese zu bedienen (Auszug Interview, Ceo André Weinert). Durch die beschleunigte Entwicklung im digitalen Bereich haben wir in den vergangenen Monaten das Omnibusiness-Modell weiter ausgebaut und zu verstärkten Maßnahmen und Optimierungen im E-Commerce gegriffen.

Wie stehen Sie zu dem Thema „Billigproduktion aus dem Ausland“ in Ländern wie Indien oder China?

Celinn Fischer: Auch DECATHLON produziert zum Teil in diesen Ländern. Während sich unsere Eigenmarken mit ihren Forschungs-, Entwicklungs- und Designteams in Frankreich befinden, findet die Herstellung der Produkte neben Europa auch in Asien statt, da der Produktionsort individuell nach den Anforderungen des jeweiligen Produktes ausgewählt wird. Unabhängig vom Produktionsort pflegen wir langfristige Beziehungen zu unseren Tier-1 und Tier-2-Lieferanten, die verpflichtet sind unseren Code of Conduct zu unterzeichnen. Dieser ist rechtlich bindend und auf die von internationalen Organisationen (ILO, OECD usw.) hervorgehobenen sozialen und ökologischen Herausforderungen (Schutz der Menschenrechte, Verbot von Kinder-/Zwangsarbeit, Gesundheitsschutz, Sicherheit der Arbeitnehmer, Umweltmanagement etc.) ausgerichtet. So können wir garantieren, dass die Arbeitsbedingungen und Umweltschutzmaßnahmen die Standards internationaler Organisationen erfüllen. Unser Ziel ist es, die Umwelt- und Sozialstandards einzuhalten und nur mit Lieferanten zusammenzuarbeiten, die diesen Richtlinien entsprechen.

Uns sind die lokalen sowie globalen Herausforderungen einer länderübergreifenden Produktion bewusst. DECATHLON hat sich im Code of Conduct zu einer nachhaltigen Produktion verpflichtet, welcher auch eine faire Bezahlung aller an der Wertschöpfungskette beteiligten Personen beinhaltet.

Obwohl von den Kunden offenbar mehr Nachhaltigkeit in der Mode gefordert wird, bevölkern Tausende die Läden für günstige Mode. Wie passt das zusammen?

Celinn Fischer: Diese Frage können Ihnen am besten die Kunden beantworten. Wir können für die Gründe nur Vermutungen anstellen. Auch bei Sportprodukten muss das Produkt für den Endverbraucher nicht nur umweltfreundlich, sondern auch preislich attraktiv sein. Genau diesen Wunsch bedienen wir mit unseren Ecodesign-Produkten.

Der weitverbreitete Grundgedanke, dass Nachhaltigkeit zwingend mit höheren Kosten verbunden ist, stimmt aber auch nicht ganz. Man sollte die Verhältnisse untereinander verändern. Bislang betrachtet man häufig den Quotienten zwischen Kosten und einer bestimmten Leistung. Dieses Verhältnis muss sich zu einem dreiseitigen Verhältnis erweitern: Preis-Leistung-Nachhaltigkeit. Indem wir uns selbst das ambitionierte Ziel gesetzt haben, bis 2026 ausschließlich Ecodesign-Produkte anzubieten, sind alle Teams der Wertschöpfungskette dazu verpflichtet, die verwendeten Ressourcen, Produktionsprozesse und Transportwege auf ihre Umweltauswirkungen zu prüfen und ggf. zu optimieren.

Laut Aussage der Vereinten Nationen ist die Modebranche der 2. größte Umweltverschmutzer weltweit. Ist das in der Branche ein Thema?

Celinn Fischer: Umweltschutz sollte immer ein Thema sein. In jedem Prozess der Wertschöpfungskette versucht DECATHLON den ökologischen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten und weiter zu reduzieren. Als Sportler müssen wir behutsam mit unserem Spielfeld umgehen und den Planeten schützen, wo immer es geht. Mit unseren Ecodesign-Produkten versuchen wir die Umweltbelastung bereits in der Entwicklungsphase zu minimieren, ohne die Funktionalität einzuschränken. Hier spielt der Umweltschutz also schon bei der Konzeption des Produkts eine wichtige Rolle. Ein Produkt erhält nur dann unser Ecodesign-Label, wenn nachhaltige Rohstoffe, zum Beispiel recycelte oder Bio-Materialien und nachhaltige Herstellungsprozesse, wie zum Beispiel die Spinnfärbung, zum Einsatz kommen. Ebenfalls eine Rolle spielen nachhaltige Design-Maßnahmen (z. B. durch recyclingfähiges Monomaterial), sofern sie die Umweltauswirkungen um mindestens 10 % im Vergleich zum Vorgängermodell reduzieren. Dabei berücksichtigen wir immer den gesamten Lebenszyklus des Produkts: Vom Rohstoff über die Produktion und den Transport bis hin zum Ende der Nutzungsdauer (Auszug Interview, Nachhaltigkeit Projektleitung Interview Marina Stassinopoulos).

Frau Fischer, vielen Dank für das Gespräch.

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