Konstantinos Georgilakis: Ein hohes Maß an Interesse für den Menschen

Wir sprechen mit Herrn Konstantinos Georgilakis, Geschäftsführer und physiotherapeutischer Leiter des Body Health Centers in Berlin, über das Berufsbild des Physiotherapeuten.

Wie kann der Patient bei der Vielzahl an Physiotherapeuten denjenigen herausfinden, der ihm optimal helfen kann?

Konstantinos Georgilakis

Konstantinos Georgilakis: Wir empfehlen Patienten sich vorab immer gut zu informieren. Helfen kann das Internet. Physiotherapeutische Praxen, die einen modernen therapeutischen Standard verfolgen, sind auch in Bezug auf ihre physiotherapeutischen Maßnahmen sehr transparent und erklären oftmals schon auf ihren eigenen Webseiten Behandlungsmethoden für diverse Indikationen. Dies ist immer ein erster guter Ansatz, um zu sehen wie zeitgemäß und erfolgsversprechend eine Therapie sein kann. Auch können Beratungsgespräche helfen, wo Physiotherapeut und Patient genaue Beschwerdepunkte durchgehen und mögliche Behandlungsziele setzen. Hier können Patienten oftmals schon gut beurteilen, ob der Behandlungsansatz den eigenen Vorstellungen und Zielen entspricht oder nicht.

Früher hieß es „Krankengymnastik“, heute heißt es „Bewegungstherapie“ und findet auch Anwendung bei Nicht-Kranken. Können Sie den Unterschied erläutern?

Konstantinos Georgilakis: Der Begriff der „Krankengymnastik“ ist etwas veraltet und nicht mehr zeitgemäß. In erster Linie geht es nicht nur um die Behandlung von akuten Beschwerden, sondern auch um die Prävention, das Vorbeugen von möglichen Erkrankungen. Unser Lebensalltag hat sich über die Jahre verändert, so auch die Beschwerden. Zum Verfahren der gymnastischen Übungen kommen heutzutage noch andere Behandlungsmethoden hinzu, welche unter dem Begriff „Bewegungstherapie“ zusammengeführt werden. So ergänzen die „Bewegungstherapie“ auch manuelle Therapieansätze, Stoßwellentherapie, Dekompressionstische, Gangschulungen, Bobath oder auch Übungen am Isokineten. Moderne Therapieansätze ermöglichen schnellere Therapieerfolge, die weit über einfache gymnastische Übungen hinausgehen.

Viele Menschen wissen gar nicht, dass sie besser einen Physiotherapeuten aufsuchen sollten, statt „nur“ zur Massage zu gehen, wenn sie beispielsweise Rückenprobleme haben. Wie sehen die von der Krankenkasse angebotenen Möglichkeiten dabei aus?

Konstantinos Georgilakis: Grundsätzlich ist es immer besser bei Rückenbeschwerden einen Arzt und Physiotherapeuten aufzusuchen. Vor einer Behandlung ist die Diagnostik entscheidend, um die genaue Ursache der Beschwerden zu bestimmen, um die richtigen Behandlungsmethoden zu wählen. Physiotherapeuten haben im Verhältnis zu Masseuren ein größeres technisches Spektrum, durch welches ein Patient profitiert. Grundsätzlich zahlt die Krankenkasse alle vom Arzt verordneten Maßnahmen, die im Heilmittelkatalog aufgeführt sind. So z.B. Allgemeine Krankengymnastik, klassische Massagetherapie, manuelle Lymphdrainage, manuelle Therapie, gerätegestützte Krankengymnastik, Elektrotherapie und Elektrostimulation, Thermotherapie, Bobath, Atemtherapie, etc.

Können Sie kurz schildern, was eine physikalische Therapie ist und wie sich die Bereiche Massage, Elektrotherapie, Hydrotherapie sowie Thermotherapie voneinander unterscheiden?

Konstantinos Georgilakis: Die physikalische Therapie ist ein Teilbereich der Physiotherapie, in welchem mit Reizen – wie Kälte, Wärme, Elektrostimulation- gearbeitet wird, hauptsächlich zur Schmerzbewältigung oder innerhalb der Rehabilitation. Es ist gängig innerhalb der Physiotherapie in Kombination von manueller und physikalischer Therapie zu arbeiten, da man so für den Patienten optimale Ergebnisse erzielt. Die Betrachtung einer einzelnen Maßnahme ist hier nicht entscheidend, sondern das sinnhafte Zusammenspiel unterschiedlicher Behandlungsmethoden.

Welchen Einfluss übt der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V. auf Ihren Berufszweig aus und wofür steht so ein Verband?

Konstantinos Georgilakis: Ich befürworte sehr den Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V., da er sich für die Profession der Physiotherapeuten*innen einsetzt und die kontinuierlichen Weiterbildungen des Berufszweiges fördert. Zudem ist er eine wichtige Informationsquelle für uns Physiotherapeuten*innen, wenn es um neue Regularien bezüglich der Heilmittel-Richtlinien oder generelle Änderungen und Ergänzungen geht.

Bedarf es besonderer Ausbildungen oder Fähigkeiten, um den Beruf des/der Physiotherapeutin zu ergreifen?

Konstantinos Georgilakis: Als Physiotherapeut sollte man ein hohes Maß an Interesse für den Menschen an sich und seine Physiologie mitbringen. Die Arbeit mit Patienten ist immer ein sensibles Thema welche Empathie, Freundlichkeit, Geduld, Verantwortungsbewusstsein, als auch eine körperliche Belastbarkeit voraussetzt. Grundsätzlich kann jeder mit einem Interesse für naturwissenschaftliche Themen und einer mittleren Reife den Ausbildungsweg des Physiotherapeuten gehen. Spezielle Zusatzqualifikationen können später auch innerhalb der Berufsanstellung erworben werden.

Zahlt die Krankenkasse grundsätzlich jede Behandlung, die der Arzt verschreibt?

Konstantinos Georgilakis: Leider zahlt die Krankenkasse nicht immer jede Behandlung, welche der Arzt verordnet. Entscheidend für eine Kostenübernahme ist die Regelung zwischen den Krankenkassen und dem Bundesausschuss der Ärzte. Hier wird genau bestimmt, welche Behandlung von der Krankenkasse übernommen wird. Generell werden jedoch Basis-Therapieformen wie manuelle Therapie, Krankengymnastik, medizinische Massagen und physikalische Therapie von den Krankenkassen getragen.

Herr Georgilakis, vielen Dank für das Gespräch.

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