Optimale Kundenbedienung durch Omnichannel-Ausrichtung – Christina Scholz (Takko Fashion GmbH)

Christina Scholz ist Expert Public Relations bei Takko Fashion GmbH. Im Interview spricht sie über das Kaufverhalten der Kunden im Umfeld der Corona-Pandemie und beschreibt vielfältige Aktionen bezüglich Nachhaltigkeit und Umweltschutz.

Wie groß ist der Einfluss von e-commerce auf das Geschäft in den Ladenlokalen am point of sale?

Christina Scholz: Wir nehmen aufgrund der Corona-Pandemie eine stärkere Nachfrage in unserem Onlineshop wahr, Umsatztreiber ist allerdings nach wie vor unser stationäres Geschäft. Nach Wiedereröffnung der Filialen in Deutschland sowie in den anderen europäischen Ländern war die Nachfrage unserer Kunden erfreulicherweise sehr stabil. Auch das Geschäft in die Herbst-Winter-Saison ist gut gestartet.

Haben Sie das Gefühl, dass E-Commerce (z.B. Amazon) zu einer übermächtigen Konkurrenz für das Einkaufserlebnis im Ladengeschäft werden kann, oder bevorzugen Kunden das klassische „Shopping“?

Christina Scholz: Im Zuge der Digitalisierung ist bei Takko Fashion die enge Verzahnung des Online- und Offline-Shoppings besonders wichtig, um die Bedürfnisse des Kunden optimal zu bedienen. Wir setzen deshalb auf eine Omnichannel-Ausrichtung und sind für unsere Kunden auf mehreren Kanälen erreichbar. Ob in den Filialen, im Onlineshop oder in den sozialen Medien. Unsere Filialen befinden sich meist in Fachmarktlagen, d. h. in der Nähe von Supermärkten und anderen Einkaufsmöglichkeiten. So bedienen wir die Einkaufsbedürfnisse moderner Familien und schaffen Frequenz im stationären Geschäft.

Wie stark ist der Druck auf die Modebranche durch den Ruf nach mehr Nachhaltigkeit?

Christina Scholz: Nachhaltigkeit gewinnt zunehmend an Bedeutung und ist in unserem Unternehmen als festes Handlungsprinzip etabliert. Dazu haben wir bei Takko Fashion ein Corporate Responsibility (CR)-Management eingerichtet, das all unsere Aktivitäten zum Thema Nachhaltigkeit koordiniert und eng mit unserem abteilungs- und funktionsübergreifenden CR-Board zusammenarbeitet. Unsere Abteilung Procurement Compliance arbeitet eng mit den Lieferanten zusammen, um das Thema auch in den Produktionen dauerhaft zu etablieren. Das Team wird von Social-Audit-Spezialisten in unseren Büros in China, Bangladesch und Indien unterstützt.

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass nachhaltige und vertrauensvolle Zusammenarbeit ein sehr guter Weg ist, um Krisen gemeinsam zu überstehen. 80 Prozent unserer Lieferanten arbeiten seit mehr als elf Jahren mit uns zusammen. Damit hat uns die Corona-Krise in unserem nachhaltigen Handeln bestärkt.

Wie stehen Sie zu dem Thema „Billigproduktion aus dem Ausland“ in Ländern wie Indien oder China?

Christina Scholz: Wir lassen unsere Mode hauptsächlich im asiatischen Raum produzieren – vor allem in China, Bangladesch und Indien. Wir arbeiten jeden Tag engagiert daran, größere Transparenz und Fairness in der Lieferkette zu schaffen. Wir setzen uns seit Jahren für diese Werte ein und können entscheidende Erfolge bei der Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Textilindustrie verzeichnen. Seit 2011 arbeiten wir beispielsweise eng mit der Fair Wear Foundation zusammen. Im Brand Performance Check werden unsere Anstrengungen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen jährlich von der Fair Wear Foundation als unabhängige Multi-Stakeholder-Organisation evaluiert und veröffentlicht. Darüber hinaus erscheint einmal im Jahr unser Sourcing Report. Darin geben wir detailliert Auskunft über unsere sozialen und ökologischen Aktivitäten entlang der Lieferkette.

Obwohl von den Kunden offenbar mehr Nachhaltigkeit in der Mode gefordert wird, bevölkern Tausende die Läden für günstige Mode. Wie passt das zusammen?

Christina Scholz: Wir merken, dass nachhaltige Produkte und Prozesse bei Kaufentscheidungen eine zunehmende Rolle spielen, allerdings steht bei unseren Kunden der Preis im Vordergrund. Als Smart Fashion Discounter zählt für unsere Kunden das Preis-Leistungs-Verhältnis. Während der Corona-Pandemie haben wir wahrgenommen, dass unsere Kunden aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen vor allem preissensibler geworden sind.

Laut Aussage der Vereinten Nationen ist die Modebranche der 2. größte Umweltverschmutzer weltweit. Ist das in der Branche ein Thema?

Christina Scholz: Das Thema Umweltschutz wird in der Branche auf vielerlei Weise behandelt. Das „Bündnis für nachhaltige Textilien“, beispielsweise, will soziale und ökologische Produktionsbedingungen in der Textilbranche verbessern. Bei dem Textilbündnis handelt es sich um eine Multi-Akteurs-Partnerschaft, bei der sich Unternehmen, Verbände, Gewerkschaften und Akteure der Zivilgesellschaft sowie der deutschen Entwicklungspolitik zusammengeschlossen haben, um diese Entwicklung gemeinsam voranzutreiben und soziale, ökologische und ökonomische Verbesserungen in den textilen Wertschöpfungsketten zu erreichen. Seit 2015 sind wir aktives Bündnismitglied. So engagieren wir uns beispielsweise in verschiedenen Expertengruppen zu den Themen Abwasser, Chemikaliensicherheit, Kreislaufwirtschaft und nachhaltige Chemiefasern.

Frau Scholz, vielen Dank für das Gespräch.

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